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16. Juli 2010

Holzbau Amann stellt Badeparadies in Titisee auf die Beine

Bernhard Tritschler aus Titisee trägt bei Holzbau Amann die Verantwortung für den 1,3 Millionen Auftrag an der Erlebniswelt des Badeparadieses.

  1. Fichtenholzbinder mit einer Spannweite von 50 Metern werden vom Spezialkran platziert. Foto: liane schilling

  2. In luftiger Höhe sind die Holzbau-Spezialisten im Hubsteiger tätig. Foto: Liane Schilling

  3. Geschäftsführer Bernhard Tritschler (links) und Seniorchef Gerhard Amann Foto: Liane Schilling

TITISEE-NEUSTADT. "Wenn’s schwierig wird fangt’ is a z’gfalle", sagt Bernhard Tritschler, Geschäftsführer von Holzbau Amann aus Weilheim-Bannholz, die Motivation der Truppe. Die Firma Amann ist beim Badeparadies in Titisee für Holzkonstruktion, Statik, Fundamente und Dacheindeckung von Erlebnisbad und Foyer verantwortlich. Den gesamten Auftrag mit einem Volumen von 1,3 Millionen Euro hat Bernhard Tritschler kalkuliert.

Verschiedene Bereiche wurden an Partner vergeben. So hat das Büro Eschenlohr aus Breitnau die Statik erstellt, die Fundamente fertigte die Firma Hermann aus Furtwangen.

Für Holzbau Amann, seit mehr als 70 Jahren Hersteller verschiedenster Holzbauten weltweit, hat der Auftrag in Titisee keine außergewöhnliche Größenordnung. Sie erstellte bereits 27 Mehrzweck,- 51 Sport- und 56 Industriehallen, Schulbauten, Behindertenzentren, Kurhäuser, Brücken, Freizeit- und Gemeindezentren, sowie 27 Sportbauten von Eis- über Schwimmhallen bis zu Sprungschanzen. Das Expo-Dach in Hannover, der Bundesgartenschau-Turm in Magdeburg, das Centre Pompidou in Metz, die Kurhausbrücke in Titisee oder das futuristisch anmutende "Chesa Futura" in St. Moritz sind nur einige Projekte der Holzbauer aus dem Schwarzwald.

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Fahrzeuge und Kräne speziell für Amann-Aufträge

Wichtig ist immer, sagt Tritschler, eine gute Arbeitsvorbereitung, die Logistik im Vorfeld, Baufelder und Montagefelder genau auszumessen. Die exakte CAD-Planung durch Zimmermeister, die von Anfang an im Projekt eingebunden sind, ist der erste Arbeitsschritt im Ingenieurholzbau, erklärt er. Auch CNC-Maschinen im Abbund und ein großer Spezialfuhrpark mit eigenen Hebegeräten und Hebebühnen sind wichtig. Teils werden Fahrzeuge und Kräne eigens für die Anforderungen von Amann produziert. Ein mobiler Kran beispielsweise, wie er erforderlich war, um die großen Binder für das Badeparadies unbeschädigt an den 300-Tonnen-Spezialkran zu bringen, fährt während des Hebevorgangs.

Eine spezielle Binderkonstruktion, Lamellen verleimtes Fichtenbrettschichtholz mit einem Dübelkreis von 70 bis 80 Dübeln, verantwortlich für die Stabilität, kommt in der Rutschenhalle des Badeparadieses zum Einsatz. Die Binder mit einer Spannweite von 50 Metern messen jeweils 30 Kubikmeter und sind für große Querschnitte ausgelegt. Gut 17 Meter hoch ist das Ganze. Zehn Binder und zwei Achsen für den Rutschenturm werden nach dem Aufrichten sechs bis acht Wochen im Freien stehen, bis die Rutschen montiert sind. Daher werden sie mit Folien gegen Witterungseinflüsse geschützt.

Millimetergenaue Arbeit ist beim Einpassen der Kolosse in die Stahlverbindung zum Betonfertigteil notwendig. Die Materialanlieferung erfolgt Tritschler zufolge "just in time", da es wenig Lagermöglichkeiten gibt und auch die Produktion für verschiedene, gleichzeitig laufende Objekte intern koordiniert werden muss.

Die Hubsteiger, höhenverstellbare Arbeitsbühnen, sind ein weiteres unverzichtbares Gerät, um die Arbeiten in großen Höhen sicher auszuführen. So viele Arbeiter, wie derzeit in Titisee auf verhältnismäßig engem Raum an verschiedenen Gewerken tätig sind, sind nicht unproblematisch. Das erfordert gegenseitige Rücksicht und absolutes Arbeiten Hand in Hand, auch Funkgeräte zur Verständigung. Der Erfolg steht und fällt mit der Belegschaft, weshalb bei Amann nur Spezialisten zum Einsatz kommen, von den Ingenieurleistungen bis zum Montagetrupp, weiß der Geschäftsführer.

"Das Bad ist seit 20 Jahren überfällig"

Als Bürger und Abteilungskommandant von Titisee (er stammt vom Kreuzhof, erlernte er bei der Zimmerei Ganter in Hinterzarten das Zimmererhandwerk und absolvierte die Meisterschule mit Prüfung zum technischen Fachwirt in Freiburg), liegt ihm diese Baustelle besonders am Herzen. "Es wird höchste Zeit, dass wir so ein Bad bekommen, es ist schon seit 20 Jahren überfällig", meint er. Sechs der 40 bei Amann beschäftigten Leute sind in Titisee, mit dem 71-jährigen Seniorchef Gerhard Amann als Polier, im Einsatz. "Es läuft Tip-top, wenn wir aufrichten, sieht man was, des isch halt e Sach", freut sich Tritschler.

Autor: Liane Schilling