Jeder spielt eine Hauptrolle

Wendelin Schnitzler

Von Wendelin Schnitzler

Sa, 08. September 2018

Titisee-Neustadt

Viel Spaß und gute Stimmung beim Filmdreh mit Kindern und Jugendlichen in Neustadt.

TITISEE-NEUSTADT. Am Ende gab es mehr Interessenten als freie Plätze für das Neustädter Filmprojekt. Insgesamt zwölf Kinder und Jugendliche – die Jüngste ist gerade zwölf geworden, die Älteste ist 15 – verwandelten sich diese Woche in eine Filmcrew. Schauspielern, sich um den Ton kümmern und filmen – all das erledigten zehn Mädchen und zwei Jungs selbst. Professionelle Anleitung bekamen sie vom Freiburger Regisseur Andreas Walny und der Künstlerin Michaela Tröscher.

Auch für die Story war der Nachwuchs mitverantwortlich. Bevor es mit den Dreharbeiten richtig los ging, wurden die Kinder und Jugendlichen in vier Gruppen eingeteilt und entwickelten eine vorgegebene Grundidee zu einem Drehbuch weiter. Aus allen Vorschlägen wurde innerhalb von fünf Drehtagen der fertige Film. Premiere des etwa vierminütigen Werks ist am 27. September im Krone-Theater.

An diesem Tag wird rund um die Hochfirstschanze gefilmt. Die Suche nach den passenden Drehorten steht an. Regisseur Andreas Walny hat etwas entdeckt und ruft begeistert: "Das da oben sieht klasse aus – hier haben wir unseren Horrorwald." Schön schaurig sollte es werden, das war ein Ergebnis der Drehbuchentwicklung. Eigentlich, so verrät der 14-jährige Dan Gottwalt, wollten viele der Teilnehmer sogar, dass in der Woche ein reiner Horrorfilm entsteht. Ganz so gruselig wird es jetzt doch nicht. Ehe Dan aber zu viel von der Story erzählen kann, wird er unterbrochen. Das Finale soll eine Überraschung bleiben. So viel sei verraten: Es handelt sich um eine Mädchengruppe, die nach ihrer vermissten Freundin sucht und am Ende gibt es eine unerwartete Wendung.

Während gefilmt wird, muss es ruhig sein. Eine neue Szene steht an, Kamera und Mikrofon stehen bereits in Position und doch heißt es zunächst warten. Der Grund: Die Schauspieler kichern noch zu viel und das passt nicht zu der ernsten Szene, die gespielt werden soll. Also erst mal ordentlich auslachen, dann kann es losgehen. Beim zweiten Versuch stimmt eigentlich alles, der Text sitzt, die beiden Schauspielerinnen laufen hoch in Richtung Berg, dann schaut eine von ihnen zu früh nach hinten. Also noch mal von vorne. Einen Film drehen bedeutet auch: viele Wiederholungen und viel Warten. Trotzdem sind alle mit bei der Sache.

Regisseur Andreas Walny begleitet immer wieder Projekte mit Kindern. Diese Arbeit mache er sehr gerne – "weil da immer wieder etwas Neues, Unerwartetes passiert". Künstlerin Michaela Tröscher und Ida Sander vom Träger- und Förderverein Kinder und Jugend haben das aufwändige Projekt initiiert.

Die zwölfjährige Realschülerin Franziska Staut interessiert sich eigentlich für Archäologie, das Filmprojekt wollte sie einfach mal ausprobieren. Vor die Kamera wollte sie allerdings nicht. Kein Problem – sie ist jetzt für den Ton zuständig.

"Ich habe den härtesten Job, weil ich das alles tragen muss", sagt Franziska mit einem Lachen. Sie muss die lange Stange mit dem Richtmikrofon so halten, dass es nicht im Bild ist und die Schauspieler trotzdem gut zu hören sind. Mit der Leistung ihrer Mitstreiter ist sie zufrieden: "Die machen das gut."

Nach einigen Minuten des Umbaus geht es nun in den dunklen Horrorwald. Nach dem zweiten Versuch ist Franziska Streich (13) etwas unzufrieden. Ihr Text fühlte sich für sie unnatürlich an. Daher geht es zurück auf Position und die Szene wird mit einem anderen Text gedreht. Mit der neueren Version ist Franziska glücklich. Sie spielt so etwas wie die Hauptrolle, sagt sie, aber eigentlich hätten alle eine Hauptrolle. Damit es bei der Besetzung keinen Streit gibt, wurden begehrte Rollen vorher ausgelost. Die Chemie am Set stimmt, freut sich Walny: "Es ist sehr angenehm, die Kinder kennen sich, kommen gut miteinander aus. Eine super Truppe."