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06. April 2011

Kunstforum vermisst finanzielle Unterstützung

Kritische Worte zu Kunstförderung und -interesse in der Jahresversammlung / Zum Jubiläum stellt sich der Verein die Existenzfrage.

TITISEE-NEUSTADT. "Ist Neustadt ein Ort, der Kunst braucht? Will Neustadt ein Kunstforum?" Diese Frage stellten sich die Mitglieder des Kunstforums Hochschwarzwald in ihrer Mitgliederversammlung im Klösterle. Ist das Interesse an der Kunst noch so brennend, wie es in den 80er Jahren der Fall war? Will Neustadt eine Stadt sein, in der die Kunst zu Hause ist? Wenn ja, da ist sich das Kunstforum Hochschwarzwald einig, muss öffentliches "Geld in die Hand genommen werden", da es sonst keine professionelle Kunst in Neustadt geben kann.

2011 feiert der Kunstverein sein 25 jähriges Bestehen und ausgerechnet in diesem Jubiläumsjahr stellt sich der Verein aus Künstlern und Kunstliebhabern die Existenzfrage. Nach einem erneut engagiert organisierten Ausstellungsjahr musste der Verein mit nur rund 390 Interessenten im Jahr 2010 einen Rückgang von rund 140 Besuchern im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen. Verkauft wurden nur zwei Exponate, berichtete Vorsitzende Karin Hessler in ihrem Jahresrückblick. An der Qualität der Ausstellungen sei es nicht gelegen: Preisgekrönte Künstler aus Region und Welt hätten beeindruckende Werke gezeigt. Die sei eigentlich ein Aushängeschild für eine Stadt. Im September beteiligte das Kunstforum sich an der Titisee-Neustadt-Gaudi, die Ausstellungsräume in der Salzstraße waren von 10 bis 18 Uhr durchgehend geöffnet. Die Besucherresonanz war jedoch verschwindend gering, so dass die Frage nach einer erneuten Beteiligung kritisch durchdacht wird. Maßnahmen, wie das Interesse der Bürger für die hochwertige Kunst im Hochschwarzwald geweckt werden kann, wurden durchdacht und gesammelt. Die finanzielle Situation des Vereins ist zunehmend prekär: Kassenwart Dieter Schmid berichtete von seinen zunehmenden Schwierigkeiten, die "schwindsüchtige" Vereinskasse durchs Jahr zu steuern. Dieses Jahr musste ein Minus von knapp 100 Euro verbucht werden, die Einnahmen stammten zum großen Teil aus Spendengeldern. Auf der Einnahmeseite sind keine regelmäßigen Zuschüsse aus der Gemeindekasse zu verbuchen, zuletzt gab es vor zwei Jahren eine Zuwendung der Stadt. Nur die Gemeinde Lenzkirch und die Sparkasse Hochschwarzwald sind "öffentliche" Mitglieder des Hochschwarzwälder Vereins. Das drohende Aushungern des Kunstvereins mangels finanzieller und sonstiger Zuwendung der Gemeinde wird mit dem beängstigenden Geschäftssterben in einem Atemzug genannt. Eine Stadt ohne Kunst – diese Vorstellung empfinden die emotional aufgebrachten Mitglieder als wenig lebenswert. "Kunst und Kultur ist für eine menschenfreundliche Stadt existenziell" meint Carin Schelkes-Unruh, die die finanzielle Zurückhaltung der Stadt in ihrer glühenden Rede bemängelte.

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Menner: "Der Kunstbegriff darf nicht zu eng gesteckt werden"

Klaus Menner fühlte sich als Stellvertreter des Gemeinderats in der Versammlung "heftig angegriffen". Menner verwies auf die im vergangenen Jahr entstandene Neustadttour und auf die Musik, die von der Gemeinde großzügig unterstützt wird. Titisee-Neustadt sei sehr wohl an Kultur gelegen, widerspricht er den Kunstfreunden, der Kunstbegriff dürfe nicht zu eng gesteckt werden. Kultur sei mehr als Malerei. Vorstandsmitglied Wilhelm Morat kontere mit dem Hinweis, was an Kunst, ob als Objekt oder als Bild in Neustadt zu sehen ist, sei von Privatleuten investiert worden, ohne deren Einsatz hier keine Kunst zu sehen wäre. Sicher sei er, so war sich Morat mit den übrigen Anwesenden einig, dass ohne finanzielle Hilfe professionelle Kunst und Kultur in Neustadt keine Chance haben werde. Andere Städte wie Hüfingen, Donaueschingen, Löffingen oder Freiburg wurden als Vergleich aufgeführt, diese unterstützten ihre Kunstvereine trotz schmaler Kassen, sei es beispielsweise durch Einstellung einer Kuratorin oder durch Bereitstellung mietfreier Ausstellungsräume. Das Kunstforum muss die Miete ihrer Räume ohne Toiletten und Heizung ganzjährig selbst aufbringen, im Winter ist der Verein zu einer fünfmonatigen Pause gezwungen, da wegen der frostigen Temperaturen und der Nässe nicht ausgestellt werden kann. Eine Besserung der Situation erhofft man sich von den neuerdings kostenfrei von der Firma R&S GmbH in Titisee bereitgestellten Heizgeräte. Die Mietkosten stellen den Hauptausgabeposten der Vereinskasse dar. Daher beantragt Kassierer Schmid eine deutliche Erhöhung der Mitgliedsbeiträge von 22 auf 35 Euro für Einzelmitglieder jährlich. Der Antrag wurde mit einer Gegenstimme beschlossen. Vorsitzende Hessler zeigt sich erleichtert über den Beschluss und schloss den Abend mit den Worten: "Drücken sie uns die Daumen, dass es uns noch einige Jahre gibt."

Autor: Marion Pfordt