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10. Juli 2009 12:05 Uhr

Der Hochschwarzwald will das Prädikat "familienfreundliche Ferienregion"

Man wäre gern die Dritte im Lande

Restauranttester sind gefürchtet bei Küchenchefs und ihren Mannschaften, gerade weil sie verdeckt und unerkannt arbeiten. Heiko Buczinski und Wolfgang Daub testeten diese Woche offen und nach Anmeldung, keine Kochkünste im Sternehotel, sondern im Rahmen des Landeswettbewerbs "Familien-Ferien in Baden-Württemberg" die Familienfreundlichkeit im Tourismus in gleich acht Gemeinden im Hochschwarzwald.

  1. Familienfreundlich: Cornelia Hofmeier zeigt Heiko Buczinski (Zweiter von links) und Wolfgang Daub (Vordergrund) den Kinder-Fuhrpark. Im Hintergrund Mark Hofmei. Foto: Annemarie Zwick

  2. Reiten ist ein Angebot auf dem Hof. Foto: annemarie zwick

  3. Die Jury Foto: annemarie zwick

  4. Die Jury Foto: annemarie zwick

  5. Der Selbstversuch gehört dazu Foto: annemarie zwick

HOCHSCHWARZWALD. Der will künftig bekanntlich als Region punkten im Kampf um Feriengäste. Deshalb strebt die Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) auch nach dem Prädikat "familienfreundliche Region in Baden-Württemberg". 70 Prozent der zugehörigen Orte brauchen dafür die Anerkennung, das bedeutet für den Hochschwarzwald sieben der in der HTG organisierten zehn Gemeinden. Acht von ihnen bewerben sich aktuell um diesen Status, nur Eisenbach und Löffingen sind diesmal nicht dabei.

Verläuft alles nach Wunsch, dann wird der Hochschwarzwald die dritte familienfreundliche Region im Land – "und die größte", fügt Volker Haselbacher schmunzelnd an. Der stellvertretende Geschäftsführer der HTG ist dort gleichzeitig Produktmanager für den Bereich Familie.

Der Landeswettbewerb wird vom Tourismusverband Baden-Württemberg und vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Baden-Württemberg veranstaltet. Ausgezeichnet werden familienfreundliche Tourismusorte und -regionen in Verbindung mit örtlichen Beherbungsbetrieben. Der Tourismusverband hatte eine Stuttgarter Consulting-Firma für Tourismus und Freizeitwirtschaft beauftragt, Diplom-Betriebswirt Heiko Buczinski war für "Kohl & Partner" die ganze Woche zu Testzwecken im Hochschwarzwald unterwegs. Das zweite Jurymitglied stellte die Dehoga mit Sitz in Konstanz, in Hinterzarten bemühte sich der Geschäftsführer, Diplom-Volkswirt Wolfgang Daub.

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Beispielsweise ein Schnupperskispringen für Kids

Bürgermeister Hansjörg Eckert konnte wie seine Kollegen die Gemeinde vorstellen. Als HTG-Aufsichtsratsvorsitzender wies er gleich noch darauf hin, dass der Hochschwarzwald mit jährlich 2,7 Millionen Übernachtungen und drei Millionen Tagesgästen bei den Reisezielen "inzwischen die Nummer eins in Deutschland" sei. 80 Prozent der Hinterzartener lebten vom Tourismus, die Gemeinde habe somit "nur ein Bein", verdeutlichte Eckert den Juroren, "mit dem muss man springen". Zwar sinke die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der in Chroniken als "Luftschnapper" bezeichneten Gäste auch im heilklimatischen Kurort, "aber wir jammern auf hohem Niveau". Und bei der "Treugaststudie" 2008 rangiere Hinterzarten unter den besten acht Kurorten in Deutschland. Claudia Hercher, in der HTG zuständig für Kommunikation, konnte viele Gründe für einen Familienurlaub in Hinterzarten nennen und auf geplante Attraktionen wie das "Schnupperskispringen für Kids" verweisen.

Selbstversuche gehören für die Jury dazu

Die anschließende Ortsbesichtigung führte die Prüfer mit ihrem lokalen Begleittross über Angebote für Kinder und Jugendliche wie Spielzimmer im Kurhaus, Kletterwand, DFB-Minispielfeld und Naturerlebnispfad bis ins Schwarzwälder Skimuseum mit seinen interaktiven Angeboten. Buczinski und Daub registrierten aufmerksam, fragten nach, machten Notizen und schreckten vor Selbstversuchen an Kletterwand und rasender Fahrt auf dem Drahtseil am Spielplatz nicht zurück. Wenn die Zeit nicht zu knapp gewesen wäre, hätten sie sich auf dem Scherzingerhof vielleicht sogar auf eines der etwa 70 Pferde geschwungen.

"Erlebnisreiten" zählt auf dem Islandpferde-Gestüt der Familie Hofmeier zum Angebot. Wer will, kann sein eigenes Pferd mitbringen und mit ihm die Umgebung erkunden, allein oder bei geführten Ausritten. Kinder können dort sogar allein Reiterferien machen, in der Ferienzeit übernehmen zwei Erzieherinnen die Kinderbetreuung, erklärte Cornelia Hofmeier. Neben den Pferden gibt’s dort Katzen, Hunde, Hasen, Schafe und Ziegen, mit denen kleine und große Feriengäste gern Kontakt aufnehmen dürfen.

Die beiden Tester waren natürlich auch daran interessiert, wie die Kontakte zwischen Gastgebern und Urlaubern zustande kommen und gepflegt werden. Die ausnahmslos belegten Ferienwohnungen konnten sie zwar nicht selbst in Augenschein nehmen, weil die Gäste das nicht wollten, doch Cornelia Hofmeier legte Fotos von einigen Räumen vor. Prüfungskriterien für die Jury sind neben anderen die Freizeitmöglichkeiten im Haus und im Freien wie etwa Spielplätze und -zimmer und deren Ausstattung, die Lage, Wohnatmosphäre und besondere Angebote für Familien. Mit Punkten bewertet werden auch Hausprospekte und Internet-Auftritt der Gastgeber. Für die beiden Mädchen, die neben dem Reitplatz hingebungsvoll zwei Pferde striegelten, waren solche Gesichtspunkte sicherlich nebensächlich.

Am 29. September wird die Entscheidung bekanntgegeben

Von großer Bedeutung ist dagegen das Abschneiden im Landeswettbewerb für die HTG. Am 29. September wird in Sindelfingen im Beisein von Wirtschaftsminister Ernst Pfister bekannt gegeben, ob sich der Hochschwarzwald die nächsten drei Jahre mit dem Prädikat familienfreundliche Ferienregion schmücken darf. Volker Haselbacher und seine Mannschaft sind zuversichtlich, den Anforderungen zu genügen, doch wie sagte Hansjörg Eckert so treffend: "Das Heu muss der Kuh schmecken, nicht dem Bauern".

Autor: Annemarie Zwick