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27. September 2011
Matinee mit Wörtern und Klängen
25 Jahre Kunstforum Hochschwarzwald: Humoristische und satirische Gedichte sowie Improvisationen am Kontrabass.
TITISEE-NEUSTADT. Mit Wörtern und Klängen feierte das Kunstforum Hochschwarzwald im Buchladen im Roten Haus sein 25-jähriges Bestehen. Vorstandsmitglied Dieter Schmid begrüßt das zahlreich erschienene Publikum und freut sich über die große Schar Hörer, wie er meint. Nach Überlegungen, ob das Kunstforum das Jubiläum nur mit einer größeren Ausstellung begehen sollte, entschied sich der Vorstand noch zu einer außergewöhnlichen Matinee in Zusammenarbeit mit dem Buchladen im Roten Haus.
Dieter Schmid lobte das kulturelle Ereignis als eine Brücke zwischen der darstellenden Kunst, Literatur und Musik, für die er gleich zwei ehemalige Kollegen gewinnen konnte.
Wulf Schmidt las sorgsam gewählte humoristische und satirische Gedichte, die von Wolfgang Adam am Kontrabass nicht minder eindrucksvoll musikalisch untermalt wurden. Der stimmgewaltige Vortragende Wulf Schmidt wählte die Dichter, deren lyrische Werke er klangrauschend verlas, nicht zufällig aus. Alle drei Dichter verband eine ganz besondere Beziehung zur darstellenden Kunst: Christians Morgensterns komische Lyrik machte ihn weltberühmt, sowohl der Vater als auch der Großvater mütterlicherseits waren Landschaftsmaler. Oskar Pastiors Vater war Zeichenlehrer, er selbst gab einem Gedichtband eigenillustrierte Bildtafeln bei. Robert Gernhardt, der Juristensohn, durchlebte selbst ein Kunststudium, war Schriftsteller, Zeichner und Maler.
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Dass in Wulf nicht nur ein Philosoph, sondern auch ein Schauspieler schlummert, dröhnte gleich in den ersten Minuten seiner Darbietung durch den noch morgenjungen Raum. Dramatisch schmettert er Morgensterns Galgenlieder minutenlang gen die gebannten Hörer. Er schreit: "Es schreit der Kauz – pardauz!" Und rollt das RRRR des pfeifenden Sturrrrms so rauschend echt, als pfiffe dieser höchstpersönlich durch das gespitzte Ohr des amüsierten Besuchers.
Nein, Schmidt braucht kein Mikrophon, er trägt einen natürlichen Verstärker direkt in seinem Brustkorb, so dass die Dramatik wie die Komik, anstrengungsfrei wie unterhaltsam auch in den hinteren Reihen genossen werden kann. Schmidt, der Dramatiker, weiß, wo er laut werden muss, wo er betonen darf und wo die besänftigende Ruhe der beste Begleiter der Zeilen ist. So werden die anspruchsvollen Gedichte verstehbar, fühlbar und deutlich für das breite Publikum.
Wolfgang Adams musikalische Einwürfe bestechen durch eine nicht erwartete Verspieltheit, die sich der niveauvollen, hintergründigen Komik der Lesung musikalisch anpassen. Improvisationen übernehmen in Adams sehr unterhaltsamen Darbietung am Kontrabass die tragende Hauptrolle. "Der Schatten" fliegt ohne jede Berührung der Rechten tonlos über den staunenden braven Bass, während die linke Hand den Hals zum Lied erzupft.
Die Musik-CD braucht Adam nicht, um sie anzuhören. "Auch da steckt Musik drin" meint er noch, während er die silbern schimmernde Scheibe schicksalsgleich mit zwei Büroklammern an seinem erstaunten Streichinstrument befestigt, um daraus "Befremdet" – eine Improvisation, natürlich – erklingen zu lassen. Die Klammern sollten nach Angaben des Musikers nicht wegspringen und tun es doch, oder wollte er es doch und gab es nicht zu? Es bleibt ein Geheimnis.
Oskar Pastiors "Wechselbalg" Gedichte stimmen nachdenklich und kritisch, so passt auch die merkwürdige Musik von John Cage, die bereits in ihrer Uraufführung für Unruhe sorgte, perfekt hinzu. Auch bei unserem Publikum bleibt eine gewisse Unruhe nicht aus, denn 4´33´´ besteht aus keiner einzigen Note, der Komponist komponiert mit diesem Stück das Publikum jedes Mal neu.
Und dann die herrlichen Gedichte Gernhardts die so heiter und so skurril klingen. So herrlich menschlich, dass sich viele darin wiederfinden. Wunderschön zwischengezeichnet von Adams "Aphorismen von Eis" die eine Improvisation über Schuberts "Leiermann" bilden. Mit einer abschließenden ohrwurmschweren Jazzimprovisation wird das glückliche Publikum in einen gelungenen Sonntag entlassen. Dem Kunstforum ist ein außergewöhnliches kunstreiches Sahnehäubchen zum gefeierten ersten Vierteljahrhundert gelungen.
Autor: Marion Pfordt
