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20. Oktober 2009
Mit jedem Schritt wird’s noch ein bisschen gelber
"Die Farbe Gelb": Die Welle ist im Kunstforum angekommen / 14 Kunstschaffende aus der Region ließen sich inspirieren
TITISEE-NEUSTADT. Wie er zu der Ehre gekommen sei, die Eröffnung der Kunstausstellung "Die Farbe Gelb" im Kunstforum Hochschwarzwald mit einigen farbigen Worten zu eröffnen, wusste Willi Sutter selbst nicht so genau. Denn, so sagt er, für besonders kunstbeflissen halte er sich eigentlich nicht. Doch muss es wohl mit der gelben Welle "Hello Yellow" zu tun haben, die seit rund drei Jahren über Neustadt hinwegschwappt. Vierzehn Künstler aus verschiedenen Hochschwarzwaldgemeinden hat sie ebenfalls ergriffen, die sich, angespornt von der Vision einer gelben Wälderstadt, zu sehr unterschiedlichen künstlerischen Arbeiten inspirieren ließen.
Das Interesse an der Ausstellungseröffnung am Freitagabend war so groß, dass manchmal nur die Leuchtkraft der dominierenden Farbe Gelb noch zwischen dem Besucherandrang auszumachen war. Bilder in Öl, Tempera, Acryl, Mischtechnik oder Gouache gesellen sich zu Fotografien und Skulpturen. Drei Skulpturen weisen in weit ausladender Gestik den rechten Weg zum gelben Geschehen. So verschieden die Künstler sind, so sind auch ihre Werke. Unmöglich scheint es angesichts dieses breiten Spektrums, auf einzelne Werke der 14 Künstler einzugehen. Eines jedoch hebt sich ab, sticht aus dem gelben Miteinander heraus wie das schwarze Schaf aus der weißen Herde. Vor einem kleinen Videobildschirm hat Markus Kiefer einen deutlich violetten Chiffonschal angebracht, der wie ein Sonderling aus der gelben Reihe tanzt. Die Installation entfaltet das Geheimnis ihrer Gelbkraft dann beim Näherkommen. Der Betrachter muss dafür allerdings zunächst einige Minuten in dem leichten und durchscheinenden lilafarbenen Stoff verbringen. Frei bewegen könne man sich darin, ganz wie man wolle, erklärte Kiefer. Doch die Realität bringt statt bewegter Menschen im Zelt vorwiegend ehrfürchtig starr stehende hervor.
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Der Chiffon legt sich wie eine verzauberte Tarnkappe über das Gesichtsfeld. Drinnen gut versteckt, kann der Betrachter alles hören und sehen, was um ihn herum geschieht, während das violette Licht, das durch den Stoff dringt, langsam die Farbrezeptoren für die Violettempfindung im Auge besetzt. Die davor angebrachte Endlos-Videoschleife soll den meist eher ungeduldigen Menschen das Verweilen im Stoffzelt erleichtern. Auf diesem Video sprechen asiatisch aussehende Menschen ohne erkennbaren Sinn, ohne Ton und mit stark reduziertem Farbkontrast.
Und dann, im Moment des Auftauchens aus dem Violett heraus, erscheint dem Ausstellungsbesucher alles gelb. Am deutlichsten zeigt sich der verblüffende optische Effekt auf den eigentlich weiß reflektierenden Wänden des Ausstellungsraumes. Verkäuflich ist die Installation des in Karlsruhe lebenden Künstlers nicht, das Erleben ihrer Wirkung ist jedoch absolut gratis. Den Blick derart aufgegelbt, fällt es dem Betrachter leicht, auch die anderen Werke miteinander in harmonischem Einklang zu sehen, jedes Stück ganz auf seine eigene Art.
Die Ausstellung "Die Farbe Gelb" wird von den Künstlern: Henny Zähringer, Rainer Mertens, Albi Maier, Arian Kolster, Markus Kiefer – alle Titisee-Neustadt, Silvia Schmidt Kleineisenbach, Renate Nar, Umkirch, Irmgard Maurer Merzhausen, Marianne Klaus, Volker Ellwanger beide Lenzkirch, Thomas Kaminski Wien, Sylvia Goldbach Freiburg, Walter Graf Breitnau/Herrenberg und Jan Blaß aus Kirchzarten gestaltet. Zu sehen noch bis zum 8. November in der Salzstraße Neustadt (Freitag bis Sonntag 16 bis 18 Uhr) und in den Räumen des Neustädter Rathauses zu den Öffnungszeiten.
Autor: Marion Pfordt
