Titisee-Neustadt

Monika Ketterer ist Souffleuse bei den Jostäler Freilichtspielen

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Sa, 11. August 2018 um 11:10 Uhr

Titisee-Neustadt

Wenn die anderen spielen, sitzt sie ganz still auf ihrem Sitzplatz und schreitet ein, wenn ihre Hilfe erforderlich ist. Monika Ketterer ist Souffleuse bei den Jostäler Freilichtspielen und fasziniert vom Theater.

Den Platz im Scheinwerferlicht überlässt sie gern anderen. Monika Ketterer arbeitet im Verborgenen und im Hintergrund für den Erfolg der Jostäler Freilichtspiele: Als Souffleuse gibt die 58-Jährige den Darstellern Sicherheit, als "Übersetzerin" schreibt sie hochdeutsche Texte in alemannische Mundart um und als Mitglied der Spielleitung sucht sie unter anderem nach den Idealbesetzungen für die Rollen. Ihre Leidenschaft fürs Theater teilt Monika Ketterer übrigens mit ihrer ganzen Familie.

Die Jostäler Freilichtspiele liegen den Ketterers am Herzen – und die Spielstätte an der Oehlermühle liegt ganz nahe. Nur einen Kilometer weiter hinten in der Schildwende steht ihr Benediktenhof, 1000 Meter über dem Meer. Dass hier Blumenliebhaber leben, sieht man dem Leibgedinge neben dem stattlichen Hof an. In den vergangenen, extrem trockenen Wochen brauchten die Blumen viel Wasser und Pflege. Weil Monika Ketterer Blumen liebt, trieb sie den Aufwand gern.

"Wenn die Aufführung beginnt, bin ich still." Monika Ketterer

Ganz ähnlich verhält es sich wohl mit dem Theaterspielen. Da trifft es sich gut, dass die "Leibgeding-Bäuerin", wie sie sich selbst lachend nennt, seit der Hofübergabe an Sohn Ralph mehr freie Zeit hat. Auch wenn sie und ihr Mann Eugen natürlich weiter mithelfen.

Monika Ketterers Einsatz für die Jostäler Freilichtspiele ist zeitaufwendig. Sehr zeitaufwendig, weil sie auch beim aktuellen Stück "Der Glasvogt Melchior" wieder mehrfach gefordert war und ist. Bei den letzten beiden Aufführungen am Wochenende wird die Frau mit den dunklen Locken wieder unter ihrem Holzstapel als Souffleuse das Geschehen vom ersten bis zum letzten Auftritt aufmerksam verfolgen – allzeit bereit, den Akteuren auf die Sprünge zu helfen, falls jemand einen "Hänger" hat.

Doch ihr Einschreiten ist kaum einmal erforderlich, verrät sie lachend. "Die könne des uswendig", sagt sie über die Laiendarsteller und lobt: "Die sind einfach alle gut." Und bei einer Lücke im Text sage sie nichts, die werde überspielt: "Die sind so geübt, das merkt das Publikum nicht." Schließlich kennen die Zuschauer den Originaltext ja nicht. "Wenn die Aufführung beginnt, bin ich still", erzählt die Souffleuse. Doch sie schaut konzentriert ins Rollenbuch und auf den, der gerade "schwätzt". Den Ablauf des Stücks und die Haupttexte habe sie im Kopf, doch "manchmal wird noch viel mehr geschwätzt", aus purer Spielfreude.

Bei den Proben stärker gefordert

"Meine Kiste wird von vielen Zuschauern bewundert", sagt sie schmunzelnd. Ihr Sitzplatz sei gepolstert – immerhin dauert das Stück rund zweieinhalb Stunden –, über die Beine kommt ein "Styroporvlies", die Jacke liegt parat und neben dem Rollenbuch hat Ketterer eine Flasche Wasser griffbereit.

In einem früheren Stück wurde die Souffleuse schon mal unter einen improvisierten Misthaufen beordert, ein anderes Mal saß sie in der ersten Reihe inmitten der Zuschauer. Im Stück "Irmingard von der Schildwende" gab’s 2007 einen unliebsamen Zwischenfall, als bei großer Kälte der eigens aufgestellte Heizstrahler Ketterers Wolldecke ankokelte und es zu rauchen und stinken begann.

Stärker gefordert als bei den Aufführungen ist die Souffleuse in den Proben. Zunächst lesen die Schauspieler ihren jeweiligen Text aus dem Rollenbuch ab. Doch davon sollen sie möglichst früh weg, sie sollen spielen und "nicht am Text kleben", erklärt Monika Ketterer. Während die Akteure Gestik und Mimik einstudieren und ihre Rollen mit Leben füllen, hilft sie mit dem Text oder Stichworten aus.

Hochdeutsche Texte ins Alemannische

"Irgendwann bleibt man hängen an so einer Rolle", sagt die 58-Jährige über ihre Tätigkeit als Souffleuse. Begonnen hatte sie bei den Jostäler Freilichtspielen mit Nebenrollen, zuerst in einer der letzten Aufführungen von "Der Königenhof" 1999 und drei Jahre später in "Fanny", dem Porträt der "Feldbergmutter". Eugen Ketterer, der im Männergesangverein Eckbach-Jostal ist, spielte schon 1987 im "Königenhof" mit und auch die Söhne Ralph, Martin und Stefan schnupperten als Kinder noch vor ihrer Mutter Theaterluft. Auch jetzt stehen alle vier auf der Bühne, dazu Enkel Noah (11).

Bei Bedarf überträgt Monika Ketterer, die aus Hinterzarten stammt, hochdeutsche Texte ins Alemannische. Das war so bei "Der Untergang von Guta", der 2011 aufgeführt wurde, danach 2015 bei "Die treue Theresia" und auch am aktuellen Stück habe sie noch etwas "umgetüftelt", weil der Baaremer Dialekt von Autor Hubert Mauz sich doch etwas unterscheide vom Hochschwarzwälder Idiom.

Faszination Theaterspielen

Als Mitglied der fünfköpfigen Spielleitung um Regisseurin Barbara Rießle ist Monika Ketterer unter anderem auch an der Besetzung der Rollen beteiligt. Von einzelnen Rollen habe man eine bestimmte Vorstellung. Für "Die treue Theresia" wurde noch ein "Italiener" gesucht. Ketterer hatte eine Idealbesetzung vor Augen: Markus Wangler, der ihr bei der Breitnauer Bauernbühne aufgefallen war. Sie fasste sich ein Herz und bot ihm am Telefon die Rolle an. Wangler verriet ihr, er hätte sich schon lange einen Auftritt bei den Jostäler Kollegen gewünscht – der "Italiener" war gefunden und Markus Wangler spielt auch diesmal mit.

Die Kontakte auch zu Auswärtigen, das Zusammenwachsen von Jung und Alt, das Erleben von Gemeinschaft, all das macht für Monika Ketterer einen großen Teil der Faszination Theaterspielen bei der Freilichtbühne aus: "Es ist einfach eine harmonische Sache, richtig toll."

Aufführungen letztmals heute, Samstag, und Sonntag, 12. August, jeweils um 20 Uhr. An der Abendkasse sind noch wenige Restkarten erhältlich. Preise: Jugendliche bis 16 Jahre zehn Euro, Erwachsene 23 Euro.


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