B31

Neustadts Bürgermeister nennt Freiburger Fahrverbotspläne "bodenlose Frechheit"

Peter Stellmach

Von Peter Stellmach

Do, 20. Dezember 2018 um 14:56 Uhr

Titisee-Neustadt

Bürgermeister Hinterseh sieht Neustadt durch Freiburgs beantragtes Lkw-Durchgangsverkehrsverbot gefährdet. Er spricht von einer "bodenlosen Frechheit" und sagt: "Das ist indiskutabel." Er befürchtet Ausweichverkehr, denn auch ein Fahrverbot auf der B500 ist mit eingeplant.

Von einer "bodenlosen Frechheit" hat Bürgermeister Armin Hinterseh in der öffentlichen Gemeinderatssitzung gesprochen. Zornig macht ihn der Eindruck, dass Freiburg seine Probleme – hohes Verkehrsaufkommen und schmutzige Luft – ohne Rücksicht auf das Umland lösen könnte. Damit wäre aus seiner Sicht Tür und Tor geöffnet, dass mehr Autos, aber auch mehr Lastzüge durch Neustadt und Hölzlebruck ins Jostal rollen.

Der Bürgermeister hat sich schon im Herbst sorgenvoll geäußert, dass seine Bürger auch Leidtragende von Ausweichverkehr werden könnten. Am Dienstagabend war ihm das Thema erneut wichtig. Der Verkehr könnte in Hinterzarten auf die B 500 wechseln und dann seinen weiteren Weg suchen. Hinterseh fürchtet jedoch, dass er schon in Neustadt-Mitte abgeht und über die Hoch-Kreuzung, die Titiseestraße und die Freiburger Straße ins Jostal weiter fährt.

"300 Lastwagen am Tag, stellen Sie sich das vor", sprach er den Gemeinderat an – die Zahl entstammt einem Antrag für mögliche Umleitungsstrecken, der über das Landratsamt eingetroffen ist. Er stellte sich die Zustände an der Jostal-Kreuzung vor, sprach von Chaos auf winterlichen Straßen und im Sommer mit den Touristenströmen. Sein Fazit: "Das ist indiskutabel". Ihn ärgert, dass man nicht vorher mit den Gemeinden im Umland gesprochen habe, sondern sie vor vollendete Tatsachen stelle.

Freiburg solle für seine Probleme eigene Lösungen finden

Man müsse sich im Einklang mit dem Landratsamt "massiv wehren", forderte Hinterseh, und zwar gemeinsam mit den anderen Kommunen im Hochschwarzwald. Freiburg müsse für seine Probleme eine eigene Lösung finden.

Er erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass Titisee-Neustadt seit vielen Jahren vergeblich versuche, Tempo 80 auf der B 31 zu erhalten, in Freiburg der Verkehr aber "kriechen" dürfe.

Gustl Frey (CDU) regte einen Verbund der betroffenen Gemeinden an, darunter St. Märgen. Klaus Menner (Bürgerliste) zog den Vergleich mit den Bürgerprotesten in Frankreich und meinte, vielleicht müsse man gelbe Westen anziehen.

Neu angestoßen worden ist die Diskussion durch den Freiburger Gemeinderat. Der hat vorige Woche den Antrag beschlossen auf ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen über zwölf Tonnen mit überregionalem Ziel zwischen den Autobahnen A 5 und A 8, also auch auf den Bundesstraßen 31 und 500 sowie 33. Im Antrag ist die Rede vom Wunsch nach einer Erprobung nachts zwischen 20 und 8 Uhr.

Regierungspräsidium zeigt sich skeptisch

Beim Regierungspräsidium Freiburg weiß man von dem Antrag, und sobald er vorliegt, soll er geprüft werden. Nach den Worten von Sprecher Matthias Henrich steht man dem Ansinnen jedoch "sehr skeptisch" gegenüber, weil keine geregelten Umfahrungsmöglichkeiten bestünden. Das Regierungspräsidium habe die Sorgen und Nöte der Umlandgemeinden im Blick, zitiert er zu den Bedenken des Hochschwarzwalds Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Das Umland, das sind vor allem die Gemeinden Glottertal, St. Peter und St. Märgen sowie jetzt auch Titisee-Neustadt, die Sorge haben, dass durch die grüne Umweltzone in Freiburg der Auto- und Schwerverkehr über die Ortschaften ausweicht.

Glottertals Bürgermeister Karl Josef Herbstritt wertet den Antrag als massiven Affront gegen die Umlandgemeinden. "Hier soll nach dem Sankt-Florians-Prinzip der Verkehr von der eigenen Bundesfernstraße auf die Landes- und Kreisstraßen verlagert werden." Er spricht von einer "unglaublichen und provokanten Gesinnung".

Stadt und Umland müssen gleichzeitig geschützt werden

Der Freiburger Antrag umfasst auch ein Fahrverbot auf der B 500 und der B 33, um Ausweichverkehr entgegenzutreten. Stadträte hatten darauf hingewiesen, dass Stadt und Umland gleichzeitig geschützt werden müssten und deshalb eine großflächige Lösung angestrebt werden sollte. Eine Lösung zu Lasten des Umlands zu finden, hätte dem Vernehmen nach nur wenige Befürworter.

Im Freiburger Gemeinderat wird der eigene Antrag offenbar nicht so hoch gehandelt. Man rechne sich nicht all zu große Chancen aus, hört man. Den Anwohnern des Dreisamufers entgegengekommen zu sein, habe auch mit dem anstehenden Wahlkampf zu tun.