Pfeile, Scheren, Keramikkunst

Martin Hannig

Von Martin Hannig

Di, 30. September 2014

Titisee-Neustadt

Annette Schwarte stellt beim Kunstforum Hochschwarzwald in ihrer Heimatstadt Neustadt aus.

TITISEE-NEUSTADT. Annette Schwarte stellt ihre Werke im Kunstforum Hochschwarzwald an der Salzstraße aus. Fotografen, Kunstlehrer und Kunstinteressierte waren anwesend, um die Kunstwerke der in Neustadt aufgewachsenen und jetzt in Freiburg lebenden Keramikgestalterin in Augenschein zu nehmen.

Die Vorsitzende des Kunstforums, Karin Hessler, begrüßte die hereinkommenden Gäste, während die bereits Anwesenden schon neugierig um die ausgestellten Skulpturen herumgingen. Die Vernissage wurde dann von Nils Grobmeier mit der Laudatio eingeleitet.

Er umriss das Leben der Künstlerin und berichtete über ihren Werdegang und über die Entstehung der Ausstellung. Er bezeichnet es als Heimspiel für Schwarte, denn ihre Liebe zu ihrer Heimat, dem Schwarzwald, ist in ihren Arbeiten ersichtlich. Schwarte war für einige Zeit in England tätig und begann dort mit verschiedenen Drucktechniken zu experimentieren. Sie fand ihren ganz eigenen Stil und die Möglichkeit, die grafische Gestaltung am Computer und die künstlerische Gestaltung mit der Materie zu verschmelzen. Keramische Objekte, die oftmals hauptsächlich Gebrauchsgegenstände sind, benutzt Schwarte als Leinwand für grafische Arbeiten. Häufig verwendet sie auch Fotografien. Mit alten Drucktechniken, Siebdruck, Umdruck oder anderem, erstellt sie Druckvorlagen, die später spontan überarbeitet werden. Überwiegend verwendet sie Porzellan als Werkstoff und vermischt diesen unter anderem mit iso-floc, um dem Material Stabilität zu geben. Weiterhin erzählte Grobmeier über die einzelnen Kunstwerke und sagte, dass ihn persönlich das Zusammenspiel von Bild und Form bei Schwartes Kunstwerken fasziniert.

Schwartes Kunstwerke sind wie Bücher, die man nicht nach dem Umschlag beurteilen darf, sondern erst lesen muss, um den Inhalt zu kennen. So bestehen einige ihrer Werke aus einfachen Grundformen, wie Quadern oder Kreisen, andere dagegen sind komplexe Gebilde. Jedes hat jedoch einen ganz besonderen Inhalt und nur, wer sich die Zeit nimmt, diesen zu "lesen", entdeckt die individuelle Geschichte, die jedes Kunstwerk erzählt.

Sie verwendet zum Beispiel gerne Pfeile oder das "Hier abschneiden"-Symbol, mit der aufgezeichneten Perforation und der kleinen Schere. "Es ist das Spielerische, was es interessant macht, das Collageartige", erklärte sie und erzählte dann, dass die Pfeile nicht immer Sinn ergeben, sondern auch in die falsche Richtung lenken oder sogar irreführen können.

Auch das Scherensymbol wirkt skurril; soll das Kunstwerk zerschnitten werden? Lässt sich Keramik denn wirklich zerschneiden? Warum soll es an dieser Stelle zerschnitten werden? Spätestens wenn sich die Besucher solche Gedanken machen, hat Schwarte ihr Ziel erreicht und die gewünschte Aufmerksamkeit auf ihre Kreationen gelenkt.

Schaut man sich die Skulpturen an, kann man Grafiken erkennen, Schriften und Barcodes lesen oder verfremdete Fotografien darauf entdecken. "Ganz Schwarzwälderin ist Annette Schwarte zurückhaltend mit eigener Interpretation ihrer Werke. Vielmehr ist es ihr Anspruch, die Betrachter zu eigenen Reflexionen anzuregen", sagte Grobmeier.

Schwarte achtet nicht nur auf den Detailreichtum ihrer Kunstwerke, auch die Ausstellungsräume sind besonders wichtig. An der Salzstraße sind es weiße Wände, die als Ausstellungsort dienen. Schwarte ist manchmal selbst überrascht, welchen Unterschied es macht, ob ihre Werke in ihrer Werkstatt mit unruhigem Hintergrund, vielen Werkzeugen und Gegenständen stehen, oder ob sie in einem neutralen und beinahe monochromen Raum wie dem an der Salzstraße positioniert werden. Sie hat etwa auch schon in Scheunen ausgestellt, wo dunkles Holz als Präsentationsfläche dient.

Geöffnet noch bis 19. Oktober. Nähere Infos im Internet unter www. kunstforum-hochschwarzwald.de