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28. Oktober 2010
Reduziertes Land im Strich
Marianne Maul fasziniert der Rhythmus des Zeichenstiftes / Ausstellung im Kunstforum.
TITISEE-NEUSTADT. "Klack, klack, ta-ta klack", – wenn Marianne Maul an ihren Zeichnungen arbeitet, hört man das. Jedes ihrer Werke entsteht mit einem eigenen Rhythmus, der die Künstlerin während ihres Schaffens begleitet. Die Zeichnungen wirken zumeist schwarz-weiß, doch auf den groben Untergrund der weiss grundierten Hartfaserplatte mischt sich ab und an ganz zart etwas gelb, etwas rot vielleicht, unter das Schwarz der Tusche und zwischen das Anthrazit des Bleistiftes. Die Freiburger Künstlerin Marianne Maul stellt ihre Landschaften zart bis stark abstrahiert dar – die Reduktion bis hin zum nur noch absolut Notwendigsten findet in den neuesten Werken, die zur Zeit im Kunstforum in Neustadt gezeigt werden, einen vorläufigen Höhepunkt.
Die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft spielen eine der Hauptrollen im künstlerischen Schaffen der Marianne Maul. Eine weitere wird vom begleitenden Rhythmus gespielt, der vom Bleistift erzeugt wird, der mit der geballten Energie der Künstlerin auf die Hartfaserplatte trifft. Kraftvoll und dunkel ist der dynamische Strich, doch lange kann dieser Zustand nicht beibehalten werden. "Ich kann nicht zwei Stunden am Stück so arbeiten", erzählt die "Zeichnerin", so nennt sie sich selbst bisweilen. Dieser schöpferische Prozess koste auch Energie, und so schmiegt sich anschließend ein feinerer, zarter Zug an das sich entwickelnde zweidimensionale Werk.
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Die Künstlerin erträgt beim Schaffen keine Musik, still muss es sein in ihrem Atelier. Dieser eigene Rhythmus jeder Zeichnung hat sie dabei derart inspiriert und fasziniert, dass sie davon Tonaufnahmen gemacht hat.
Die Tuschezeichnungen, die ebenfalls auf Hartfaser oder Papier entstehen, entblößen durch die Eigenart des Instrumentes Feder ihre Individualität. Marianne Maul empfindet gerade die Schilfrohrfeder als besonders widerspenstig. Ist die Spitze frisch gefüllt mit Tusche, ist auch der Strich breit und satt. Doch plötzlich lässt die Farbintensität nach, oder sie stockt aus anderen Gründen. Korrigiert wird nichts, das Medium Feder ist maßgeblicher Teil des Entstehungsprozesses. Die Landschaften sind nicht real, nur aus ihrem Inneren heraus entstehen Felsen, Küsten, Wasser oder Gras. Manchmal scheinen die Bilder wie ein Blick über das dunkelnde Meer. Zeichnung für Zeichnung verdichten sich dessen düstere Wellen zu einer schlafenden See. So gehen auch die Zeichnungen untereinander in Beziehung, manchmal trennt sie nur der schmale Grat Luft, der zwischen den einzelnen Bildern schwebt. Manchmal holt die Künstlerin die Landschaften genau auf Augenhöhe, um durch diese Perspektive die räumliche Tiefe auf kleinem Format auf ein Maximum zu steigern. Dieser karge und zugleich aussage-schwere Effekt verblüfft und fesselt den Betrachter zugleich. Tief in den Raum scheinen die Landschaften sich stumm und tonlos zu bewegen – und sind doch nur Tuschestriche auf weißem Grund.
Autor: Marion Pfordt
