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13. September 2011

Regionalmuseum auf Zeit als Spektakel des Jahres 2011

Zum 25-jährigen Bestehen des Kunstforums werden an drei Orten Bilder gezeigt, die Mitglieder aus Ausstellungen gekauft haben.

  1. kunstforum Foto: peter stellmach

  2. kunstforum Foto: peter stellmach

TITISEE-NEUSTADT. Eine reizvolle Idee hat eine Kunstausstellung hervorgebracht, die fortan in der Galerie des Kunstforums Hochschwarzwald im Haus Salzstraße 16, im Foyer der Sparkasse Hochschwarzwald sowie im Obergeschoss des Rathauses in Neustadt betrachtet werden kann.

Sie vereint von Mitgliedern des Kunstforums erworbene Bilder und Objekte von Künstlern, die im Lauf der 25-jährigen Vereinsgeschichte vertreten waren. Eröffnet wurde sie im Anschluss an den Festakt zum Jubiläum des Kunstforums am Samstag (die BZ berichtete).

Rainer Mertens, stellvertretender Vorsitzender des Vereins und Mitglied im künstlerischen Beirat, erläuterte den rund 50 in der Galerie versammelten Kunstfreunden die der Werkschau zugrundeliegende Konzeption beziehungsweise "Nicht"-Konzeption: "Eine Sammlung im engeren Sinne sehen Sie hier nicht", führte er aus. Vielmehr habe die räumliche Gegebenheit des Kunstforums die Anordnung der Bilder und Objekte maßgeblich bestimmt. Wie bereits in der Renaissance das "Modell Wunderkammer" eine frühe Form gewesen sei, Dinge zu versammeln, handle es sich auch bei der hiesigen Ausstellung um eine "Art Wunderkammer aus den Schätzen von vielen verschiedenen Besitzern", deren Zusammenstellung an ästhetischen Gesichtspunkten ausgerichtet sei: "So ist es nicht verwunderlich, dass einige Besitzer ihre Werke hier in ungewohntem Kontext wiederfinden."

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In diesem Sinne finde "ein kleines Spektakel der Ausstellungssaison 2011 in Neustadt" als Regionalmuseum auf Zeit statt. Ein Spektakel ohne Effekthascherei: "Hier wird Kunst nicht als Hit präsentiert, sondern als Haltung einer Interessengruppe." Demzufolge dürfe man, pointiert, von einer "Leistungsschau der Mitglieder" sprechen. Da weder didaktische Ambitionen noch monografische Täfelchen oder Einführungstexte den offenen Blick des Betrachters verschränkten, könne diese Schau als "keine Schau für Spezialisten" angesehen werden. Die Hängung und Drapierung der Bilder und Objekte stelle die Exponate individuell in kollektive Zusammenhänge. Dadurch erwachse die Bedeutung der Dinge weniger aus ihnen selbst als aus dem Hin und Her zwischen Betrachter und Gezeigtem. Die sich dadurch einstellende freischweifige Deutungslust befördere die Authentizität und Aura der Exponate. Gerade aus den Grenzen des Deut- und Beschreibbaren erwachse die "Triebkraft für eine gelungene Wahrnehmung von Kunst".

Willkürlich seien die Kunstwerke dennoch nicht angeordnet worden. Der Dialog zwischen Betrachter und Gezeigtem und zwischen den Einzelobjekten folge einer auf der Kunst des "Ausstellungsmachers" basierenden Steuerung. Diese Wahrnehmungslenkung führe zur Knüpfung neuer Verbindungen und könne verborgene Zusammenhänge aufdecken. Diese komplexe Aufgabe habe Professor Volker Ellwanger vom künstlerischen Beirat des Kunstvereins ausgeführt, er habe die umfängliche Vorarbeit der Zusammenstellung an allen Orten geleistet.

Den Bogen zurück zur grundlegenden Idee für die Ausstellung schlagend, rezitierte Mertens das bekannte Schaustellermotto aus Goethes "Faust", an das er sich mit Blick auf den "unbewerteten Ausschnitt aus der Sammlertätigkeit unserer Mitglieder innerhalb von 25 Jahren" erinnert fühlte: "Die Masse könnt ihr nur durch Masse zwingen, ein jeder sucht sich endlich selbst was aus. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen; und jeder geht zufrieden aus dem Haus."

Zufriedenheit über die drei gelungenen Ausstellungen, Stolz auf das Geleistete und Motivation, den Weg der Kunst auch künftig durch das Kunstforum Hochschwarzwald zu ebnen und zu verfolgen, mochte wohl auch die Mitglieder des Vereins beim Blick auf die vielen Kunstfreunde erfüllt haben, die mit großem Interesse das Gezeigte betrachteten und die vielfältigen künstlerischen Eindrücke auf sich wirken ließen.

Autor: Sigurd Kaiser