Schwarzwaldvereine im Hochschwarzwald verabschieden Positionspapier zur Windkraft

Ute Aschendorf

Von Ute Aschendorf

Mi, 03. April 2013

Titisee-Neustadt

Schwarzwaldvereine im Hochschwarzwald verabschieden Positionspapier zur Windkraft / Sechs Standorte werden kritisch gesehen .

HOCHSCHWARZWALD. Die historisch gewachsene naturnahe Kulturlandschaft des Hochschwarzwaldes, die als Erholungs- und Wanderregion herausragende Bedeutung hat, muss bei den Planungen für Windkraftanlagen angemessen berücksichtigt werden. Diese Forderung erheben die Schwarzwaldvereine des Hochschwarzwaldes in einem Positionspapier, das kürzlich in einer Arbeitstagung des Bezirkes verabschiedet wurde. Sechs mögliche Standorte beurteilen die Schwarzwaldvereine besonders kritisch.

In der Sitzung im Jostal beschäftigten sich die Funktionsträger der Schwarzwaldvereins-Ortsgruppen mit der Energiewende und den Windkraftanlagen im Hochschwarzwald. Der Hauptfachwart für Naturschutz, Karl-Ludwig Gerecke, und Bezirksnaturschutzwart Gerrit Müller erläuterten die Einstellung des Verbandes und informierten über die nach dem Flächennutzungsplan möglichen Standorte von Windkraftanlagen. Grundsätzlich befürwortet der Schwarzwaldverein den Ausstieg aus der Atomenergie. Bereits heute werde in der Hochschwarzwaldregion durch Wasserkraft und Bereitstellung von Energieholz ein Beitrag zur regenerativen Energieerzeugung geleistet. Für den Schwarzwaldverein stehen ästhetische Dimensionen des Naturschutzes und die Erhaltung landschaftlicher Vielfalt, Eigenart und Schönheit gleichrangig neben den Zielen des Biotop- und Artenschutzes im Blickfeld, heißt es im Positionspapier.

Das vom Planungsverband beauftragte Planungsbüro hat derzeit 16 mögliche Standorte für Windräder ins Auge gefasst. Der Schwarzwaldverein befürwortet am ehesten den Standort Olpenhütte auf Lenzkircher Gemarkung, wo bereits ein Windrad und eine Hochspannungsleitung stehen. Die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes sei dort erheblich geringer als an den anderen Standorten. Ebenfalls durch bauliche Anlagen vorgeprägt sei der Standort Glasberg in Titisee-Neustadt, wo der Anblick von Windrädern vermutlich nicht erheblich stören würde. Eine ebenfalls geringe Fernwirkung habe der Standort Großholz in Löffingen, der jedoch bisher keine technischen Bauwerke vorzuweisen habe.

Erholungswert wird erheblich beeinträchtigt

Ein näher zu untersuchendes Konfliktpotential zwischen Windkraftanlage und Landschaftsschutz bestehe nach Meinung der Wanderer und Naturschützer an den Standorten Fehrn, Feuerberg und Rauh in Titisee-Neustadt, dem Pflumberg in Lenzkirch und Oberholz in Löffingen. Um an diesen Orten den Eingriff ins Landschaftsbild abschätzen zu können, sei eine Visualisierung erforderlich, sagte Gerecke.

Besonders kritisch betrachtet der Schwarzwaldverein sechs mögliche Standorte, an denen die Landschaft und ihr Erholungswert durch Windräder erheblich beeinträchtigt würden. Der Ahaberg in Schluchsee, Windeck in Hinterzarten, die Weißtannenhöhe und der Haldenbuck in Breitnau, der Hochfirst in Neustadt und der Bossenbühl oberhalb von Waldau sollten nicht als Standorte für Windkraft in Betracht gezogen werden. Auf dem Rücken des Ahabergs, der bisher von technischen Anlagen unberührt ist, wäre die optische Beeinträchtigung besonders von der Südseite des Schluchsees gesehen, zu dominant. Am Windeck wären neben der verstellten Aussicht auch ein Wasserschutzgebiet und ein angrenzendes Vogelschutzgebiet betroffen. Die Weißtannenhöhe im bisher unberührten Landschaftsraum sollte ebenso wie der Haldenbuck von Windrädern freigehalten werden. Auf dem Hochfirst würden Windräder eine enorme Fernwirkung entfalten. Außerdem sei der Hochfirstkamm ein unverzichtbarer Trittstein für das Auerwild. Der Bossenbühl und das Dorf Waldau mit seinen umliegenden Schwarzwaldhöfen stellen laut Gerecke ein herausragendes und schützenswertes Landschaftsensemble dar. An diesen Standorten sollten Planungen nicht weiterverfolgt werden, zumal es geeignete Alternativstandorte gäbe.

Für den Standort Platte und Hinterer Hochwald bei St. Peter, wo die Landschaft bereits vorgeprägt ist, hält der Schwarzwaldverein einen Zubau weiterer Windräder für sinnvoll, wenn dadurch Windparks an bisher unbelasteten Orten vermieden werden können. Doch stelle sich die Frage, wann die Grenze der Belastbarkeit einer Landschaft und deren Bewohner erreicht seien.

Schwarzwaldverein kann nur Empfehlungen aussprechen

Ehrengauobmann Karl Harter erinnerte an die Entrüstungsstürme, die der Bau des Feldbergturmes ebenso hervorrief wie die späteren Abrisspläne für den Turm. Eines Tages würden die Menschen vielleicht anders auf Windräder blicken als heute und diese als imposant und schön empfinden. Bezirksvorsitzender Harald Fritsche verdeutlichte, dass der SWV keine Entscheidungsbefugnis habe, sondern nur Empfehlungen aussprechen könne. Wichtig sei es, eine differenzierte und im Einzelfall abwägende Position zu beziehen.

Nach verschiedenen Diskussionsbeiträgen und reiflicher Überlegung stimmten die Vertreter der Schwarzwaldvereins-Ortsgruppen der Stellungnahme zu. Das Positionspapier wurde von Fritsche an die Bürgermeister der Gemeinden verschickt, die zum Planungsverband Windenergie Hochschwarzwald gehören. Er hoffe, dass die Position des Schwarzwaldvereins in die Planung einbezogen werde, erklärte Harald Fritsche.