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08. Februar 2012 21:20 Uhr
Messungen
Titisee friert zu – doch das Kerneis ist nicht dick genug
Der Titisee friert zu. Am Wochenende könnten Tausende aufs Eis wollen. Doch aus Sicht der Stadt spricht der Zollstock eine klare Sprache: Das Kerneis ist noch nicht so dick, wie es sein soll.
Mittwochmorgen, –11 Grad, keine Menschenseele weit und breit am Titisee. Drei Männer im Leuchtorange des städtischen Bauhofs gehen am Tretbootstrand auf das Eis. Marcel Falke hält einen Beutel unterm Arm, der fragende Blick des Reporters lässt ihn antworten: Ein Seil – falls einer einbricht, sollte man ihm doch wenigstens das zuwerfen können, um ihn sichern und aus dem Wasser ziehen zu können. Schöne Aussichten.
So kalt es ist, so hitzig ist die Diskussion, und wenn man so will, hat alles eine weihnachtliche Note: alle Jahre wieder... Alle Jahre wieder dreht es sich um die Frage, ob das Eis schon Spaziergänger, Langläufer, schlittenziehende Papas und kinderwagenschiebende Mamas, Eislaufprinzessinnen und Schlittschuhcracks sowie Eisstockschützen trägt. Wo es doch seit Tagen knackekalt ist.
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Dabei war der See am 1. Februar sogar noch offen, versichert Bauhofleiter Marcel Falke, dessen Männer seit Montag regelmäßig kommen und die Stärke messen.
Freigegeben in dem Sinn, dass das Amt eine Unbedenklichkeit ausstellt, wird der Titisee sowieso nie. Es wird nur gemessen, ob die Mindestkriterien erfüllt sind und man die ufernahe Teilfläche an der Promenade beim Schwarzwaldhotel herrichten kann für das Eisvergnügen. Sie sind vor vielen Jahren in einer Besprechung mit dem Hafenmeister von Konstanz festgelegt worden. Danach muss auf dem Wasser eine 18 bis 20 Zentimeter starke Schicht Kerneis aufliegen: glasklar und hart. Darauf kann trübes Eis, Harsch, fester und lockerer Schnee liegen. Mancher Seemer nimmt den Hammer mit und hofft beim Klopfen auf einen satten Ton, toi, toi, toi. Falke und seine Männer wollen es genauer wissen.
50 Meter weit draußen scharren drei Füße den Schnee weg. Dann setzt Mario Falk viermal die Motorsäge an, das Eis verschluckt halb den Lärm, es spritzt. Michael Welte zieht mit einem gebogenen Stab den Eisblock aus dem Wasser. Falke legt den Zollstock an: 15 Zentimeter, davon 12 Kerneis und der Rest kühlfachweiß. Weiter geht’s, hinaus auf den See. Voraus schimmert es dunkel, wie runde Schatten. Falke zieht die Augenbrauen hoch. Schon auf der Fahrt hatte er angedeutet, wie man zwischen den Stühlen sitzt, hier die Erwartung der Öffentlichkeit, dort das Risiko. Falke: "Ich habe keine Lust, jemanden da rausholen zu müssen."
Auf Höhe des Bootshauses, rund 150 Meter vom Ufer entfernt, glänzt es nass, der Schnee ist hier matschig. Falke trifft mit einem Schneeball, Welte nimmt den Stab, streckt sich und rührt in dem Loch herum. Trotzdem setzt Falk einige Meter vom Loch entfernt die Säge an, Welte hebt den Block heraus, Falke nimmt Maß: 12,5 Zentimeter, davon 9,5 Kerneis. Weit entfernt von der Mindeststärke.
Mit Michael Welte weist Falke auf die Gefahren hin, die von Zuflüssen ausgehen, weil sie eine gleichmäßige Ausbildung des Eises beeinträchtigen. Vom Eisweiher vor allem, aber auch vom Südufer, vier an der Zahl sind es. Sorgen bereitet ihnen auch, dass auf Titiseer Seite überall die Warnhinweise stehen, auf Gemarkung des Nachbarn Hinterzarten aber nicht. Mit der Folge, dass von dort immer wieder Spaziergänger kommen, die im vollsten Vertrauen ihren Weg nehmen. Welte hat erst vor ein paar Tagen ein Schweizer Ehepaar angesprochen, das vom Alemannenhof kam – die älteren Leute waren überrascht, gaben sich aber einsichtig und dankbar. Das hat Falke schon ganz anders erlebt.
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Autor: Peter Stellmach


