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26. November 2009

Tonaufnahme bringt neue Erfahrung

Die Big Band der Jugendmusikschule Hochschwarzwald hat im Haus des Gastes in Saig ihre zweite CD aufgenommen

  1. Mit Studio-Trennwänden wurde der Saal bei den Aufnahmen aufgeteilt. Foto: Privat

  2. Die Trompeter der Big Band der Jugendmusikschule in Aktion Foto: privat

TITISEE-NEUSTADT. Die Big Band der Jugendmusikschule Hochschwarzwald legt ihre neue, die zweite CD vor. "Zweitzeit" wird in einem Konzert am Samstag, 28. November, von 20 Uhr an im Kurhaus Titisee vorgestellt. Solisten sind Rainer Lenz (Gesang), Tobias Schwab (Gitarre) und Sven Klammer (Trompete, Flügelhorn). Nach einer Vorbereitungszeit von gut einem halben Jahr, einem intensiven Probenwochenende und fünf Konzerten im Umland, um das Repertoire "ins Laufen zu bringen", wie Bandleader Götz Ertle sagt, nahm die neu formierte, 22-köpfige Big Band die neue CD unter Leitung von Tonmeister Thomas Schmidt an drei Tagen im Haus des Gastes in Saig auf.

Wie es bei solchen Aufnahmen zugeht, hat Schlagzeuger Frank Hättich für die BZ zusammengefasst:

Die Räumlichkeit im Haus des Gastes in Saig wurde aufgrund der positiven Erfahrung von Götz Ertle ausgewählt, der dort einst mit der Musikverein Saig eine CD aufgenommen hatte. Die akustischen Voraussetzungen sind nahezu optimal. Doch ging es nicht ohne ein gewisses Feintuning: Aus München wurden von Sigfried Engesser, der in der Band Posaune spielt, mehrere Studio-Trennwände geholt, um die Blasinstrumente gegeneinander abzuschirmen. Schließlich sollen hinterher auf der Aufnahme der Saxofone nicht auch die Trompeten oder Posaunen zu hören sein. Das gilt natürlich auch für das Schlagzeug, das deshalb im Lesesaal untergebracht wurde und dadurch im Hauptsaal fast nicht mehr zu hören war. Um hier den Sichtkontakt zu gewährleisten, wurde die Trennwand zum Saal an einer Stelle geöffnet und eine Art Türe mit Sichtfenster eingeschoben. Besonders empfindlich für Störgeräusche ist der Kontrabass, der auch ein eigenes Kämmerchen bekam. Diese Vorbereitungen und der Aufbau der Mikrophone benötigen eine gewisse Zeit und so wurde "das Studio" im Haus des Gastes bereits am Donnerstagabend eingerichtet.

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Ungewohnter Klangeindruck aus den Hopfhörern
Doch bevor es richtig losgehen konnte, mussten sich die Musiker beim Soundcheck am Freitagmorgen erst einmal auf den ungewohnten Klangeindruck aus den Kopfhörern einstellen. Für die Bläser war es hier wichtig, die Rhythmusgruppe, insbesondere das Schlagzeug, gut zu hören. Umgekehrt war es für Schlagzeuger Frank Hättich von großer Bedeutung, einen ausgewogenen Mix der ganzen Band auf seinem Kopfhörer zu haben, da er sonst außer sich selbst nichts gehört hätte. Aber auch die Kommunikation zwischen Tonmeister Thomas Schmidt, der mit seiner mobilen Aufnahmetechnik "unsichtbar" in einem kleinen Raum unterhalb der Bühne untergebracht war, lief über die Kopfhörer.

Als erstes Stück stand "Fun Time" von Sammy Nestico auf dem Programm und man merkte deutlich, dass die Band nicht in ihrer Konzertaufstellung spielte, sondern weit auseinandergezogen im ganzen Raum verteilt war. Hinzu kam, dass bei allen irgendwo im Hinterkopf ständig der Gedanke war, dass man ja nun aufgenommen wurde. Das hemmt mitunter ein wenig die Lockerheit und erhöht die Angst vor Fehlern. Doch nach dem zweiten "Take" fühlten sich alle sicherer und Thomas Schmidt sorgte mit seinen lockeren Sprüchen aus dem "off" stets für eine gute Stimmung.

Aber mitunter auch für Ernüchterung. Mit seinem sehr gut ausgebildeten Gehör konnte man manchmal den Eindruck gewinnen, dass er einfach alles hört und ihm kein noch so kleiner Fehler entgeht. Dann kam auch sofort ein Pfiff über die Kopfhörer und die Aufnahme war abgebrochen. Doch glücklicherweise muss in solch einem Fall nicht wieder ganz von vorne anfangen. Mit der heutigen Aufnahmetechnik ist es möglich, kurz vor dem Fehler wieder einzusetzen und ab dort einfach weiter aufzunehmen, ohne dass man das hinterher hört. Auf diese Art lassen sich dann sogar einzelne Töne "reparieren". Oder die Aufnahme der Rhythmusgruppe lässt man stehen und nur die Bläser spielen ihren Part teilweise neu ein. Reparaturen sind allerdings nur in begrenztem Maße möglich. Man muss so perfekt, wie möglich spielen, um eine gute Grundlage für das spätere Abmischen der Aufnahmen zu erhalten.

Am Ende des ersten Tages hatte die Band die ersten vier Stücke "im Kasten", unter anderem das erste Gesangsstück. Die beiden anderen Gesangsstücke sollten am Samstagmorgen aufgenommen werden, da am Nachmittag der erste Solist des Albums dazu kam, um seine Songs aufzunehmen: Rainer Lenz aus Freiburg ist ein sehr erfahrener Sänger, der im Vorfeld der Aufnahmen schon mehrfach mit der JMS-Big-Band zusammen aufgetreten war. Seit 2004 ist er Sänger und Akkordeonist bei der Ska-Band Blue Babies. Und wie sich herausstellte, hatte die Band ihm die ideale Grundlage geschaffen, um seine Titel zu interpretieren. Bei "Mr. Bojangles" von Sammy Davis Junior entwich ihm gar der Ausspruch: "Das könnte ich noch x-mal singen" und unterstrich damit seine Begeisterung.

Nach den Gesangsaufnahmen war für die Band noch lange nicht Feierabend: Mit "People" sollte noch ein, vor allem für die Bläser, schwieriges Stück den Abschluss des Samstags bilden. Technisch nicht einmal so anspruchsvoll, sind die Harmonien und die Stimmung extrem wichtig und das Gehör der Instrumentalisten von entscheidender Bedeutung. Auch hier galt es, den Boden für den Solisten zu bereiten, der am folgenden Tag das Flügelhornsolo darüber spielen sollte.

Ein warmer Empfang für die beiden Solisten
Die zwei anderen Solisten und ehemaligen Bandmitglieder, Sven Klammer und Tobias Schwab, stießen am Sonntag zur Band. Tobias Schwab hat mittlerweile bei 18 Musicalprojekten als Gitarrist, Bandleader oder Arrangeur mitgearbeitet. Musikalisch am wichtigsten ist ihm seine Band Patty Moon, mit der er seit zehn Jahren unterwegs ist. Seine kabarettistisch-musiklische Leidenschaft tobt er mit den Wilden Wäldern im Hochschwarzwald aus. Sven Klammer (Klavier und Trompete) hat bereits zahlreiche Konzerte mit namhaften Größen wie Kenny Wheeler, Albert Mangelsdorf und Jiggs Whigham bestritten. Eine besondere Auszeichnung war der Gustav Mahler Kompositionspreis im Jahr 2001. Ihnen wurde ein warmer Empfang bereitet, so dass es den beiden nicht schwer fiel, sich bei "Fried Buzzard" nahtlos in die Reihen der Musiker einzufügen. Mit "Zweitzeit" folgte dann endlich auch die eigens bei Tobias Schwab in Auftrag gegebene Komposition, die der CD ihren Namen gibt.

Nach Abschluss dieser Aufnahme zeichnete sich ab, dass nicht alle geplanten Titel auch aufgenommen werden können und man musste sich unter zwei Titeln von Pat Metheny entscheiden. Die Wahl fiel auf den Titel "Every Summer Night", nicht weniger schwer als "People". Und so sollte auch am Sonntag doch noch einige Zeit vergehen, bis die Aufnahmen endlich abgeschlossen werden konnten und die Band die letzten drei Tage bei einem wohl verdienten Abschlusstrunk noch einmal Revue passieren lassen konnte.

Autor: bz