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19. Mai 2017

Vier Gruppen für 60 Kinder

Stadt baut bei der Arche Noah, Partner ist die evangelische Gemeinde dank guter Zuschüsse.

TITISEE-NEUSTADT. Vier neue Kindergarten- und Kitagruppen für Titisee-Neustadt werden an den Kindergarten Arche Noah am Walter-Göbel-Weg angebaut. Der Gemeinderat hat sich für die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde entschieden. Es ist, wie betont wurde, kein Beschluss gegen den anderen möglichen Partner mit dem Parkplatz altes Krankenhaus als Baugrund; vielmehr will man mit ihm im Kontakt bleiben, sollte weiterer zusätzlicher Bedarf entstehen.

Die Stadt Titisee-Neustadt wird Bauherrin. Die Kosten belaufen sich auf 1,8 Millionen Euro. Sie können sich durch Zuschüsse auf 1,3 Millionen Euro verringern. Die Kirchengemeinde wird die Einrichtung betreiben, wohl zwei Kindergarten- und zwei Kleinkindgruppen mit zusammen 40 und 20 Jungen und Mädchen. Die Gemeinde wird sich in den kommenden zehn Jahren mit einem Betriebskostenzuschuss beteiligen. Inbetriebnahme muss im Spätherbst 2018 sein.

Die Lösung ist begünstigt durch einen Durchbruch bei der Landeskirche. Nachdem es lange Zeit nur noch geringe und dann keine Zuschüsse mehr für Kindergartengruppen gegeben hatte, diskutierte die Synode im vergangenen Jahr in Neustadt, ob man doch wieder unterstützend tätig werden sollte. Am Ende stand das Angebot, dass dies per Sonderantrag auf den Weg gebracht werden könne.

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Pfarrer Rainer von Oppen nutzte die Chance eilends – mit Erfolg. Er erzählt, dahinter stecke auch die Überlegung, dass über kurz oder lang ein Familienzentrum entsteht, das beispielsweise der Diakonie oder anderen Gruppen Treffpunkte bietet und Angebote macht.

Von Oppen freut sich, dass Titisee-Neustadt zum Zug kommt und dass sich seine Gemeinde in eine wichtige Aufgabe einbringen und – gerade in der Diaspora – ihr christliches Menschenbild einbringen kann. Er bedankte sich am Ende der Sitzung ausdrücklich für das Vertrauen.

Die evangelische Gemeinde wird mit dem Kindergarten einiges zu tun bekommen, dessen ist sich Pfarrer von Oppen bewusst. Für den neuen Kindergarten – Arche Noah zählt derzeit um die 60 Jungen und Mädchen – wird sie zweistellig Personal zulegen müssen, auch dürften neue Strukturen erforderlich sein.

Die Zustimmung des Gemeinderats stand nicht in Frage. Für die SPD freute sich Markus Schlegel über den "erfreulichen Trend", dass die Zahl der Kinder steigt. Für die CDU zählte Gustl Frey die Zuschüsse zusammen. Leopold Winterhalder (Grüne) nannte die Initiative der Kirchengemeinde erfreulich. Die Pläne seien bereits vorhanden, das Vorhaben müsste demnach schnell umgesetzt werden können. Das Angebot könne auch dazu helfen, dass Arbeitsplätze in der Stadt nicht nur Pendlern gehören, soll heißen: Es könnte Anreize für Neubürger schaffen. Er kritisierte nur, bei den Haushaltsberatungen sei noch keine Rede davon gewesen, dass die Not so akut ist. "Wo kommen die 1,3 Millionen Euro nun her", wollte er wissen. Er mahnte in dem Zusammenhang, dass die Stadt auch mit den Schulen in Zeit- und Finanznot sei.

Kleine Titiseer müssen künftig nach Neustadt

So gut die Nachricht ist, dass für Eltern weitere Kindergarten- und Kitaplätze in Neustadt geschaffen werden, so schwer könnte die Situation für die Väter und Mütter aus Titisee werden. Auf die Frage von Titisees Stadtrat Christian Winterhalder, wie es um den dortigen Kindergarten St. Raphael steht, erwiderte Lothar Willmann vom Hauptamt, die Situation sei beengt. Tatsächlich sind dort bereits zwei Kinder mit einer Ausnahmegenehmigung. Er ergänzte, wenn die Räume in Titisee nicht mehr ausreichten, müssten die Kinder nach Neustadt gehen.

Klaus Menner (Bürgerliste) merkte an, dass die Entwicklung den Prognosen zuwiderläuft und man sich vor 15 Jahren schon überlegte, welche Kindergartengruppen wohl zuerst geschlossen werden müssen. Seine Folgerung: Vorhersagen machen die Zukunft problematisch. Er hofft, dass der Andrang auf Kindergärten und Kitas "nicht nur eine Bugwelle ist".

36 Parkplätze verschwinden

Fast am Rand kam heraus, dass der Beschluss Nebenwirkungen hat. Herrmann Faller (CDU) wies darauf hin, dass fast zwei Drittel der bisherigen Parkplätze beim Landratsamt entfallen, genau 36 von 60, weil das Gelände zum Bauplatz wird. Arche Noah steht auf eigenem Gelände, in Richtung Goethestraße gehört alles der Stadt. Ersatz zu finden wird keine leichte Aufgabe werden, die Verwaltung steigt jetzt in Gespräche ein. Um die 200 000 Euro teuer könnte es werden, neue Plätze zu schaffen, sagte Stadtbaumeister Christoph Meßmer.

Über 470 Kindergartenplätze verfügt die Stadt derzeit, darunter 75 für die Kleinsten bis zum dritten Lebensjahr. Der Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) will Ausnahmeregelungen in Kindergärten nicht länger genehmigen.

Mit dem jetzigen Beschluss ist eine Kombi-Lösung Kindergärten, Zusatzräume für die Realschule und die Mensa für die Real- und die Hansjakobschule vom Tisch. Sie war die eigentliche Favoritin der Verwaltung gewesen: zwei Gruppen beim evangelischen Kindergarten mit der evangelischen Gemeinde als Partner, zwei auf dem Parkplatz altes Krankenhaus mit einem anderen Partner, der noch eigene Ideen umsetzen wollte.

Autor: Peter Stellmach