Von der Fläche in den Raum

Hans-Jochen Köpper

Von Hans-Jochen Köpper

Di, 28. Oktober 2014

Titisee-Neustadt

Malen – Zerreißen – Schichten: Der Künstler Stefan Kees zerstört seine Bilder und befreit sie dadurch.

TITISEE-NEUSTADT. "Schichtungen auf und mit Papier". Unter diesem Titel stand die Vernissage im Neustädter Kunstforum am Schurthplatz, wo der Maler Stefan Kees bis zum 16. November seine Arbeiten ausstellt. Der Arzt und Chirurg aus Villingen-Schwenningen hat sich über viele Jahre als Autodidakt mit Kunst und Malerei auseinandergesetzt und geht mit seiner Kunst den Weg von der Fläche in den Raum.

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Kunstforums Hochschwarzwald, Rainer Mertens, führte Ariane Faller-Budasz ins Thema ein. Kees’ bringt Künstlermaterial in seinen ursprünglichen Kontext, in dem er formell kompositorische, aber dennoch gegenstandslose Leinwandbilder zuerst mit Hand und Schwamm gestaltet, um sie dann zu zerreißen und daraus Neues zu schaffen. "Zerreißen" als ein vordergründig brachial-zerstörerischer Akt entpuppt sich als ein "Auseinandersetzen" des Bildes und damit auch mit der Kunst an sich, um es im zweiten Schritt dieses konzentrierten intellektuellen Prozess wieder zusammenzufügen. Dekonstruktion – Konstruktion – Subtraktion – Addition, Elemente, mit denen nicht nur die Malerei, sondern im Besonderen der Bildträger emanzipiert und befreit wird.

Die nun sichtbaren Risskanten erklären das Material, und durch die Schichtungen erobert es den Raum in all seinen Dimensionen, so dass nicht nur die Wand, sondern auch Boden und Decke angestammte Plätze sind. Grenzen lösen sich auf. Was für den einen noch ein Bild ist, stellt für den anderen bereits ein Objekt oder eine Skulptur dar. Das ursprünglich scheinbar gültige, zu Ende gedachte Bild, wird damit in Frage gestellt.

Kees forscht, deutet um und schafft mit seinen Arbeiten, die Gedanken über Werden und Vergehen, Anfang und Ende aufkommen lassen auch eine unbequeme Malerei, die sich nicht einsortieren lässt und in der bildliche und objekthafte Formalismen ihrer Enge beraubt und befreit werden. Parallelen zu den Decollagen der 1950er-Jahre drängen sich auf, aber ohne deren politische Intention und überhöhte künstlerische Selbstinszenierung. Oberflächlich sind keine Hinweise auf seine berufliche Tätigkeit als Arzt zu erkennen, bei genauerem Hinsehen sehr wohl. Arzt und Künstler müssen gleichermaßen in ihrem Handeln konsequent, diszipliniert und präsent sein, um im Ergebnis bestehen zu können.

Die Ausstellung ist bis zum 16. November jeden Samstag von 16 bis 18 Uhr und jeden Sonntag von 11 bis 13 Uhr geöffnet.