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10. Juli 2010

Wachstum sucht Nachwuchs

Testo umwirbt einen Abend lang junge Talente aus der Region.

  1. Manuel Beha und Sabrina Waldvogel Foto: heidi beha

  2. Julia Albrecht mit Mutter Jutta Foto: heidi beha

  3. Andreas Schauer mit Mutter Daniela Foto: heidi beha

HOCHSCHWARZWALD. Schon mal eine Grafikkarte selbst eingebaut, an einer Wasserkühlung gebastelt oder in Mathe gute Noten? Solche Fragen stellte Dirk Thalmann, Elektrotechniker (27) und seit 2004 bei der Testo AG, interessierten Schülern, die an sein Info-Pult kamen. Er und 30 weitere Testo-Eigengewächse präsentierten am Donnerstagabend ihre Berufe und Ausbildungsstationen.

Erstmals veranstaltete die Firma Testo in Lenzkirch einen "Abend der Ausbildung", wobei gut ein Dutzend Berufe vorgestellt wurden, für die das Messgeräte-Unternehmen jährlich etwa 30 Auszubildende und Studenten sucht. "Wir wollen jedes Jahr 10 bis 15 Prozent wachsen und brauchen deshalb mehr Nachwuchskräfte", sagt Stefanie Dörflinger von Testo.

Andreas Schauer ist 16, kommt aus Görwihl bei St. Blasien und möchte frühzeitig wissen, wie seine Zukunft nach der Schule aussieht. In zwei Jahren wird er sein Abitur in der Tasche haben. Er ist technisch und auch betriebswirtschaftlich interessiert, Mathe und Sport sind seine besten Schulfächer. Damit gehört Andreas zur Zielgruppe der Veranstaltung. "Wir wenden uns hauptsächlich an Zehnt- und Elftklässler mit technischen und kaufmännischen Interessen", sagt Christina Sailer, Personalreferentin für kaufmännische Ausbildungsberufe.

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Genaue Vorstellungen von seiner Zukunft hat Andreas noch nicht und darum sei der Info-Abend eine gute Sache, sagt er. Seine Mutter Daniela begleitet ihn und ist der Meinung, dass "es nicht gut ist, wenn man das Abitur geschafft hat und nicht weiß, was danach passiert." Zudem gehöre ihr Sohn zum doppelten Abiturjahrgang, da sei es erst recht wichtig, sich früh um einen Studienplatz zu kümmern. Bei Andreas blieb vor allem das Wort "Australien" im Kopf, das bei der Unternehmensvorstellung genannt wurde. Ihm gefällt es im Schwarzwald, aber er möchte Erfahrungen im Ausland sammeln. "Bei Testo könnte ich vielleicht eine Zeit lang im australischen Tochterunternehmen arbeiten", sagt der Elftklässler.

"Wir brauchen auch

Mitarbeiter, die international kommunizieren und

verhandeln können."

Stefanie Dörflinger, Testo
Auslandserfahrungen sind bei vielen Ausbildungen und Studiengängen bei Testo Pflicht. "Wir brauchen auch Mitarbeiter, die international kommunizieren und verhandeln können, die beispielsweise gleichermaßen mit Italienern, Chinesen und Brasilianern und deren kulturellen Eigenheiten umgehen können", sagt Stefanie Dörflinger. Durch den Info-Abend will die Firma auch den Kontakt mit den Eltern suchen, sodass sie gemeinsam mit den Kindern Fragen stellen und die Talente ihrer Kinder in Berufsvorstellungen übertragen können.

Am Infopult für ElektronikerInnen informiert Sabrina Waldvogel die Schüler. Sie ist 18 Jahre alt und derzeit im zweiten Lehrjahr. Die Distanz zwischen ihr und den interessierten Schülern ist gering. Ihr kleiner Bruder geht mit Manuel Beha in eine Klasse, da sind Fragen leichter gestellt, Ängste schneller geäußert: "Mir hilft das weiter, mit jemandem zu reden, der gerade die Ausbildung macht", sagt der 15-jährige Manuel Beha aus Waldau. Im nächsten Jahr wird er seinen Hauptschulabschluss machen und da er schon ein einwöchiges Praktikum bei Testo gemacht hat, wird er sich wahrscheinlich für einen Ausbildungsplatz bewerben.

Viele der Besucher des "Abends der Ausbildung" waren schon einmal während eines Schulpraktikums bei der Testo AG. Auch Julia Albrecht aus Stegen kennt die Firma bereits durch zwei Praktika. Sie ist 17 und wird 2011 das kaufmännische Berufskolleg mit der Fachhochschulreife abschließen. Nach der Mittleren Reife hatte sie sich bereits bei Testo für eine Ausbildung als Industriekauffrau beworben, wurde aber abgelehnt. "Die Absage hat mich motiviert, weiter auf die Schule zu gehen und ein paar Grundlagen für meinen derzeitigen Traumberuf zu lernen", sagt sie, "damals war ich 15. Jetzt bin ich froh, dass ich durch die Schule noch ein wenig Zeit hatte, älter und reifer zu werden." Für sie sei der Abend eine Entscheidungshilfe gewesen. "Ich habe viele Fragen loswerden können und weiß jetzt besser, was hinter dem Beruf Industriekauffrau steckt."

Zwei Schülerinnen, die nicht namentlich genannt werden wollen, kritisieren den Zeitpunkt der Info-Veranstaltung. "Die Bewerbungsfristen sind für 2010 schon abgelaufen", sagen sie. Sie fänden es besser, wenn der Abend der Ausbildung schon im März oder im April stattgefunden hätte. Aus der Sicht der Testo AG ist der Zeitpunkt genau richtig: Für 2010 sind zwar alle Plätze vergeben, aber die Bewerbungsphase für 2011 dauert für kaufmännische Berufe noch bis Ende September, für technische Berufe bis Ende Oktober an. Zudem sollen die Ausbildungs- und Studienplätze im nächsten Jahr von rund 30 auf 50 aufgestockt werden, sagt Ausbildungsreferentin Christina Sailer. Sie wünscht sich vor allem mehr Bewerbungen für die technischen Berufe, um aus einer größeren Bewerberzahl auswählen zu können.

Bei Christina Sailer standen die Schüler während des Abends oft Schlange: Fragen über Fragen hatten sie, zum Beispiel: "Kann ich nach einem dualen Studium bei Testo auch in einer anderen Firma arbeiten?" oder: "Soll ich den Zivildienst vor oder nach der Ausbildung machen?" Die Mitarbeiterin der Personalabteilung zieht eine positive Bilanz über die Aktion: "Wir legen großen Wert darauf, in Ausbildung zu investieren und mit so einem Abend hoffen wir viele junge Talente aus der Region für uns zu gewinnen."

Autor: Heidi Beha