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17. Juni 2016 13:32 Uhr

Neue Kleinkunstbühne

Wer kann und will soll dürfen

Wenn die Idee zieht, könnte Bubenbach zu einem besonderen Dorf im Hochschwarzwald werden. Denn eine feste Kleinkunstbühne, wo gibt es die? Eine ständige Plattform für Talente und solche, die schon einen Schritt weiter sind, wo findet man das? Nur in dem 300 Einwohner zählenden Ortsteil von Eisenbach.

  1. Roland Hensler (links) und Thomas Schwörer gründen die Kleinkunstbühne Bubenbach. Foto: Peter Stellmach

BUBENBACH. Thomas Schwörer und Roland Hensler haben die Sache in die Hand genommen. Premiere ist am 8. Oktober im Haus des Gastes.

Es drängte sie geradezu, Schwörer (53) und Hensler, zehn Jahre jünger. Der eine ein waschechter Buebacher, der andere ein Isebacher. Der eine Hausdienstleister, der andere Realschullehrer für Englisch und Musik. Sie beide verbindet die Liebe zur Bühne mit Musik, Komödie und Kabarett. Und: Es sind zwei Männer, die gerne hier und mit den Einheimischen leben und allen bieten wollen: Kleinkunst.

Sie machen das schon, denn die Offene Bühne hat im ersten Jahr gut eingeschlagen und zwei weitere erfolgreiche Jahre erlebt. Das Prinzip ist einfach: Wer kann und will, soll dürfen. Von Auftreten ist die Rede, von sich zeigen, sich erproben und Mut für mehr gewinnen. 17 oder 18 Kreative haben schon ihre Auftritte hingelegt. Wer Gage erwartete, konnte auf die Fahrtkosten hoffen, eigentlich wollte aber niemand etwas vor lauter Dankbarkeit für die Gelegenheit zum Auftritt. Ganz ähnlich ist die Kleinkunstbühne angelegt.

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Blick zurück. Das Kulturcafé in Hölzlebruck war viele Jahre lang die Anlaufstelle für die Künstler der Region. Da konnte man sich zeigen. Kam’s an, war’s gut, klappte es nicht, naja, nicht schlimm. Als sich der Abschied von Kneipier Toni Braun andeutete, ahnte Schwörer schon einen "herben Verlust". Wohin künftig, wenn man sich auf die größeren Bühnen nicht traute? Der Abgrund, der sich mit Brauns Abgang auftat, schien groß.

"Ich könnte jeden zweiten Tag auf die Bühne, das wird

immer schlimmer. Sie ist für mich ein Wohnzimmer."
Thomas Schwörer
Bis es Schwörer und Hensler dämmerte: Das Haus des Gastes, Veranstaltungsort des Vereins "Kreatives Eisenbach" und Schauplatz besagter offener Bühne, wäre doch ideal.

100 bis 120 Quadratmeter Platz reichen für Publikum und Atmosphäre, die Bühne ist da. Der Verein bietet Gemeinnützigkeit, Versicherungsschutz und organisatorischen Überbau.

"Wir haben zwar nur 300 Einwohner, aber wir wollen zeigen, dass da etwas läuft", schildert Schwörer, was ihn umtreibt. "Zeigen, dass wir künstlerisch etwas zu bieten haben", will Hensler. Und Jürgen Holtz als Vorsitzender der Kreativen findet es die richtige Idee zur richtigen Zeit, denn die Regionalisierung der Kleinkunst liege im Trend.

Regionalisierung liegt bei Schwörer und Hensler sowieso auf der Hand, man schwätzt, am liebsten jedenfalls, alles außer Hochdeutsch oder so, wie die anderen Leute im Hochschwarzwald auch.

Die beiden Impresarios, wie Holtz Schwörer und Hensler augenzwinkernd nennt, wissen genau, was sie wollen. Weil sie wissen, um was es geht.

Schwörer spielte als Jüngling 15 Jahre lang bei der Band T. J. Art, bestritt dann mit den Decades Konzerte in Baden-Württemberg und darüber hinaus, gründete das Duo "Spitz & Schwö" (mit Simon Spitz) und ist heute einer der "Lümmel Südwest" (mit Claus Hauptvogel und Hannes Stehle). Hensler macht seit seiner Jugend Tanzmusik und hat in der Bandbreite ziemlich viel drauf. Wie Schwörer bei der offenen Bühne selbst mitwirkte, trat Hensler mit seinem Kompagnon Thomas Wehrle auf und spielt mit Magnus Cordes-Schmid; er spielt Oboe im Sinfonischen Orchester, hat Lesungen und andere Veranstaltungen des Kreativen Eisenbach umrahmt, hilft in der Freiburger Philharmonie und beim Theater aus.

Die Idee für die Kleinkunstbühne Bubenbach ein Konzept zu nennen, wäre beiden wahrscheinlich zu hochtrabend. Sie wollen Gelegenheiten für Auftritte schaffen. Termine über den 8. Oktober hinaus stehen nicht im Kalender, man will sich nicht festlegen. Kurzfristig ist möglich, je nach Interesse, selbst zwei Abende hintereinander wären denkbar, wenn Bedarf dafür besteht.

Ob Musik, ob Text, ob Komödiantentum – die Bühne steht offen, nur der Kleinkunstcharakter muss gegeben sein. Im besten Fall macht es allen Spaß, dem Publikum wie dem Künstler. Im allerbesten Fall wird der Auftritt zum Sprungbrett auf die nächste, vielleicht auch größere Bühne.

Die Auftritte werden professionell gefilmt, sodass die Akteure mit dem Clip Werbung in eigener Sache machen können. Das darf man nicht unterschätzen, weiß Schwörer, denn kein Veranstalter kauft heute noch ein, was er nicht kennt. Was möglich ist, zeigt das Beispiel von Kathrin Luhr, die 2015 auf der offenen Bühne stand mit dem Ziel, dass die Brettzer Ihre Zukunft werden sollen. Ob damals jemand lächelte oder nicht, wer weiß. Jedenfalls ist sie mittlerweile im Fernsehen und beim Radio unterwegs. Schwörer versteht Luhr gut: "Ich könnte jeden zweiten Tag auf die Bühne, das wird immer schlimmer. Sie ist für mich ein Wohnzimmer."

Wer Interesse an einem Auftritt hat oder einen Tipp geben kann, wer denn unbedingt einmal auf der Kleinkunstbühne Bubenbach zu sehen sein sollte, kann sich melden.

Die Mailadressen lauten

schwoerrerruf@t-online.de

rolandhensler@t-online.de


Die Premiere am 8. Oktober der Kleinkunstbühne Bubenbach ist schon gut bestückt: Vera Maier und Thomas Allgaier aus Ibach spielen Tavernenlieder, Martin Fies und Sebastian Schmidt aus Rötenbach kommen mit Gitarre und Gesang, Marita Fochler aus Neustadt stellt sich als professionelle Geschichtenerzählerin vor, Christian und Caroline von Mering (Sohn und Tochter von Jürgen Holtz) bringen Klavier und Geige zueinander, Johannes Mager aus Freiburg zeigt, was ein Beatboxer kann, und Simon und Jakob Hacker (Enkel von Joachim Hacker) bringen Japanische Jonglage auf die Bühne.

Mit Martin Wangler hat ein Etablierter aus dem Hochschwarzwald seinen Besuch in Bubenbach zugesagt. Aber das ist wieder etwas anderes und soll auch noch als Überraschung behandelt werden, denn da ist das Fernsehen im Bunde.

Autor: pes