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01. Februar 2012
"Wir brauchen deutlich mehr Geld, sonst gelingt nicht alles"
Christoph Bayer bringt den Standortvorteil ins Spiel und rät interessierten Eltern und Schulen, sich möglichst weit Kontakte zu schaffen und zu informieren.
Konzepte gut und schön, aber wie soll man sie verwirklichen? Der Theorie folgt die Praxis, der Bildungsexperte muss sich einigen Fragen stellen.
ZWEIFEL KLINGEN ANGuido Mattisseck, CDU-Stadtrat, stellt das Konzept in Frage und fürchtet, dass man zwar besser wird in der Breite, dafür aber die Spitze leidet. Bayer hält dagegen, dass beim gemeinsamen Lernen von Schwächeren und Stärkeren beide etwas davon haben werden.
Alwine Ahles-Betz, Elternvertreterin, kann sich nicht vorstellen, dass es mit dem Wegfall der Grundschulempfehlung funktioniert – Bayer berichtigt sie, dass nicht die Empfehlung wegfällt, sondern deren Verbindlichkeit; man setze auf Eigenverantwortlichkeit und freie Entscheidung der Eltern, dies nach eingehender Beratung der Lehrer, die noch mehr dafür geschult werden sollen.
Nach den schönen Bildern aus Schliengen ist Petra Pollack als Elternvertreterin nicht die Einzige, die nach Ausstattung der Schule und Qualität der Lehrer fragt, auch Michael Schreiner als Verwaltungsleiter von Mariahof, der Kinderbetreuung und Schulbetrieb kennt, und Rektor Gustl Frey von der Grund- und Hauptschule Löffingen haken ein. Bayer sagt es deutlich: In Schliengen sind Bürgermeister, Verwaltung und Gemeinderat einig, dass Bildung ein Standortvorteil sein kann, und entsprechend wird etwas dafür getan, auch Eltern bringen sich ein. Er räumt ein, dass der Einsatz für die Fortbildung ein "Nasenwasser" ist, wie es Schreiner formuliert hat, "aber besser als das, was bisher war", erst recht angesichts der politischen Kämpfe um das Sparen. Bayer geht nicht ab von seinem roten Faden, es müsse mehr investiert werden: "Wir brauchen deutlich mehr Geld, sonst gelingt nicht alles." Pädagogische Hochschulen und Unis müssten sich in der Ausbildung angleichen.
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Freys Frage, ob die Gemeinschaftsschule der Rettungsanker für Standorte mit geringen Schülerzahlen sei, verneint Bayer: Nein, es brauche ein Konzept, und "alle müssen den Weg gehen wollen". Frey scheint es zu wurmen. Er kritisiert eine Bevorzugung der Gemeinschaftsschule etwa beim Klassenteiler und findet, so viel Unterstützung für die Hauptschule wäre schön gewesen. Bayer kann die Bevorzugung nicht erkennen angesichts der Größe der Aufgabe. Die Lehrer brächten "unglaubliches Engagement" dazu, der kleine Klassenteiler solle die Schule voranbringen, sei aber kein Garant. Er lobt: Hauptschullehrer seien die kreativsten überhaupt für ihre Schüler, doch leider stimmten Eltern und Schüler mit den Füßen ab.
DIE GRUNDSATZFRAGE
stellt als erster Roland Weis. Der Moderator und frühere SPD-Stadtrat verteidigt die Städte und Gemeinde, die immer willens gewesen seien, in die Bildung zu investieren. Doch wie will die Landesregierung vorgehen, fragt er: Wenn keine Initiative kommt, bleibt es dann beim Zustand? Bayer bestätigt: Verordnet werden sollen die neuen Strukturen nicht, langfristig würden sie sich durchsetzen und man werde sich anpassen müssen. Titisee-Neustadts Bürgermeister Armin Hinterseh verdeutlicht das Problem der Räume und der Kosten und drängt auf Unterstützung, denn "mit der Wahlfreiheit allein ist es nicht getan". Bayer erwidert, dass es eine gemeinsame Aufgabe sei und verweist auf den "Pakt mit den Kommunen", der die Städte und Gemeinden "besser als je zuvor" stelle. Doch er sagt auch: Das Land sorgt für Personal, der Schulträger für Räume. Hier stecke der Anteil des Landes in den Schulbauförderrichtlinien, hier könne etwas getan werden, dazu gehörten Bereitschaft, Kreativität sowie prozessorientiertes Denken.
Stefan Krauss von der Elterninitiative Gemeinschaftsschule Hinterzarten/Breitnau drückt das Problem, wie es läuft, "wenn man Zweizügigkeit nur träumen kann", und die Frage nach dem richtigen Vorgehen: Handeln oder Warten. Bayer rät ihm zum Vorstoß über die Kommune an die Schulverwaltung und empfiehlt weitreichende Vernetzung. Man könne sich auch an die eigens dafür eingerichtete Stabsstelle beim Kultusministerium wenden, irgendwann werde sich erweisen, ob das Vorhaben geht oder nicht.
Georg Mayer, SPD-Stadtrat aus Löffingen, möchte wissen, wie man Eltern, Schulen und Schulträger am besten ansprechen soll. Auch Gustav-Adolf Haas, Ex-Landtagsabgeordneter, drängt auf die Handreichung. Für Bayer einfach, geradezu selbstverständlich: Man müsse das Thema nur regelmäßig auf die Tagesordnung bringen; wie man Flächennutzungspläne erarbeite, könne man Bildungslandschaften gestalten. Schließlich Löffingens Bürgermeister Norbert Brugger: In der Baarstadt habe man das Bildungswesen gut im Griff, und "es war ja auch nicht alles schlecht". Man wolle das Frühjahr und die Anmeldefristen abwarten, auf Notwendigkeiten könnte man sofort reagieren: "Wenn der Schulträger will, ist viel möglich". Auf der anderen Seite sei zu überlegen, ob man eine intakte Struktur umkrempeln müsse.
SCHÖNE BILDER
in Schliengen, raue Wirklichkeit in Neustadt: Doris van Teeffelen-Klüttermann, Grünen-Stadträtin und Mutter, schildert einen Lehrerausfall an der Realschule seit Schuljahresbeginn. So wird es dieses Jahr keine Note im Fach Physik geben. Bayer räumt ein, die Vertretungsreserve sei "ganz unten".
Autor: pes
