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17. August 2009

Wo das Chi fließen muss

Architekt Werner Finner wendet Prinzipien des Feng Shui auf die Gestaltung von Wohnräumen an.

TITISEE-NEUSTADT. "Das Chi muss fließen", so lautet die Devise von Architekt und Feng-Shui-Spezialist Werner Finner aus Titisee. Feng Shui lässt sich im privaten Bereich und im Geschäftsleben anwenden. Bei Beachtung einiger Grundregeln werden die eigenen vier Wände zur Quelle für Energiefluss und Wohlbefinden, behauptet Finner.

Feng Shui – mit diesem Begriff verbinden viele eine Philosophie, die strengen Regeln und Aussagen folgt. Dabei werde gern vergessen, dass es so etwas wie "intuitives Feng Shui" gibt, sagt Architekt Werner Finner, der sich seit 14 Jahren mit der jahrtausendealten chinesischen Naturwissenschaft beschäftigt. Auch wir handelten oft unbewusst im Sinne von Feng Shui. So wie wir es vorzögen, im Restaurant eine schützende Wand im Rücken zu haben mit einem schönen Ausblick nach vorn, so müsse ein idealer Platz im Feng Shui ebenfalls immer Schutz von hinten und eine "Vision" nach vorne aufweisen. Gezielt angewendet, ließen sich mit Feng Shui Räume so gestalten, dass sich Menschen darin wohler fühlen und effektiver arbeiten, erklärt der Architekt.

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Wichtig ist, dass die Energie, das "Chi", ungehindert fließen, sich entfalten kann. "Feng Shui ist wie Akupunktur für Räume", vergleicht Werner Finner, "es geht darum, Stauungen und Blockaden zu lösen." Im Idealfall sollten Feng Shui-Grundsätze bereits bei der Auswahl des Grundstücks berücksichtigt werden. "Man kann jeden Wohnraum, wie beispielsweise das Schlafzimmer,toll einrichten, aber das wird nicht viel nützen, wenn man auf einer Störzone schläft." Empfehlenswert sei daher, Feng Shui von Beginn an in alle Bauphasen mit einzubeziehen. Viele störende Einflüsse ließen sich so bereits im Vorfeld vermeiden.

Diesbezüglich analysiert Werner Finner die Schwingungsenergien von Grundstücken, Häusern und Wohnungen, untersucht Störzonen wie Wasseradern oder Erdverwerfungen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die "Fünf-Elemente-Theorie": Jedem Menschen werde je nach Geburtsdatum eines der fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall oder Wasser zugeordnet. Sie stehen symbolisch für Himmelsrichtungen, Farben und Formen, die beim Hausbau oder Einrichten berücksichtigt werden, um gutes Chi zu erzeugen. Chi braucht Harmonie, sanfte Kurven, Ordnung und Klarheit. "Ist es in ausreichender Form vorhanden, erlebt man seinen Alltag freudvoller und gelassener."

Die Wohnung wird im Feng Shui in Zonen eingeteilt, die wichtige Lebensbereiche repräsentieren. Sie heißen "hilfreiche Freunde", "Karriere", "Wissen", "Familie", "Reichtum", "Ruhm", "Partnerschaft", "Kinder" und "Tai-Chi", das Zentrum der Lebenskraft. Mit einer Art Schablone, dem Bagua, könne man diese Orte in jeder Wohnung genau ermitteln, und auch wenn man Grundstück, Wohnung oder Haus nicht nach Feng Shui aussuchen könne, ließen sich damit Belastungen nachträglich beheben. Ein Umbau der Räumlichkeiten sei nicht nötig.

"Es gibt immer Lösungsmöglichkeiten", weiß Werner Finner, der selbst sein Haus im Nachhinein umgestaltete. Oft genügten bereits Details, auf die zu achten es sich lohne. Vieles lasse sich mit Pflanzen, Kristallen, positiv stimmenden Farben, Wasser, oder guter Beleuchtung optimieren. Ganz wesentlich sei der Eingangsbereich: Damit viel Lebensenergie hereinkomme, sollte er gut sichtbar sein, ein offenes und einladendes Ambiente vermitteln. Innerhalb des Gebäudes gelte es, den Energiefluss dynamisch zu steuern. "Zu vermeiden sind tote Winkel, lange Flure, spitze Ecken oder scharfe Kanten. Runde, fließende Formen sind erwünscht, sie verbreiten Harmonie", sagt Finner, der im Freiburger Institut für Feng Shui eine Zusatzausbildung absolvierte.

Während eines Seminars 1995 ist er zufällig auf Feng Shui gestoßen, das übersetzt "Wind und Wasser" bedeutet. Für den heute 56-Jährigen ein Aha-Erlebnis. "Plötzlich wurde vieles erklärt, was ich unbewusst in mir getragen habe." Eine Erfahrung, die er heute während seiner Beratung immer wieder auch bei Bauherren erlebt. Wie gefragt ist Feng Shui denn im Schwarzwald? "Einzelne Elemente fließen immer mehr in die Planungen mit ein", sagt Werner Finner. "Bei Ehepaaren sind es überwiegend die Frauen, die sich davon angesprochen fühlen. Vielleicht, weil sie intuitiver sind."

Autor: Eva Weise