Zeitspuren gegen Verfall und Auflösung

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Di, 05. Juli 2016

Titisee-Neustadt

Das Kunstforum Hochschwarzwald präsentiert eine eindrucksvolle Ausstellung mit Werken von Ute Krautkremer.

TITISEE-NEUSTADT. Etwas abweichend von der üblichen Praxis, vor allem Arbeiten hier in der Region wirkender Künstler zu präsentieren, zeigt das Kunstforum Hochschwarzwald gegenwärtig eine Sammlung von skulpturalen Bildern der Bildhauerin, Malerin und Objektkünstlerin Ute Krautkremer aus Spay in der Nähe des mittelrheinischen Boppard.

Betritt man die Räume des Kunstforums, erscheinen im ersten Eindruck die ausgestellten Objekte an Wand und in der Fläche als botanischer Abfall oder fragmentarische Überbleibsel architektonischer Details. Man blickt einerseits auf Bruchstücke von Deckenstuck und zu einem fliesenartigen Fries zusammengefügte Muster von Marmor- und Holzböden und dominant auf scheinbar echte Zweig- und Baumformen. Erst bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass man es mit Negativstrukturen, abgeformten Hohlkörpern zu tun hat und nicht mit realen Gegenständen. Und damit beginnt die Faszination der durch die spezielle Papier-Abgusstechnik von Krautkremer erzielten Abstraktion. Die Stuttgarter Kunsthistorikerin Claudia Luxpacher fasste dies bei der Vernissage am Freitag in die Worte: "Es geht um reale Fundstücke, die künstlerisch verfremdet und überformt zu etwas Neuem werden". Diese werden bei Krautkremer entweder komplett als abgeformte Papierhohlkörper mit Acryl- und Ölfarben koloriert, oder Baumteile und abgeschlagene Äste werden mit Papierabformungen anderer Äste zu vollkommen neuen Skulpturen komponiert. Die Nahtstellen der abgegossenen Teile bleiben bewusst sichtbar und die Papierhüllen teilweise offen. So kann das Original von Baum oder Zweig nur vor dem geistigen Auge des Betrachters entstehen. Vergänglichkeit wird einerseits konserviert, aber die beabsichtigte Umkehrung von innen nach außen transzendiert die gewohnte, alltägliche Betrachtungsweise der Objekte.

Auf diese Weise wird von der Künstlerin der Ausstellungstitel "Spurensicherung" interpretiert und aus Alltäglichem wird durch künstlerische Neubewertung Spezielles. Es gibt stets einen zweiten, dritten Aspekt und die Provokation zur freien Assoziation ist bei den Werken von Krautkremer involviert. Darin zeigt sich ihre künstlerische Reife. Ute Krautkremer, geboren 1958, hat in Mainz Bildende Kunst und Kunstgeschichte studiert und stellt seit 1984 in zahlreichen Ausstellungen in Galerien, Museen und Kunstvereinen ihr Können unter Beweis. Zweifellos ein verdienstvolles Angebot des Kunstforums und ein Besuch dieser spannungsgeladenen Ausstellung lohnt sich alle Mal.

Die Ausstellung "Spurensicherung" von Ute Krautkremer ist bis zum 24. Juli samstags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 13 Uhr im Kunstforum Hochschwarzwald, Salzstraße 16 in Neustadt geöffnet.