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13. September 2017

Schätze kommen unter die Lupe

In Todtmoos werden Wallfahrtskirche, Pfarrhaus und Heimatmuseum auf ihr Inventar untersucht.

  1. Mit Interesse, aber auch Ehrfurcht betrachten Michael Asal und Pater Roman (von links) ein Buch aus dem Jahr 1523. Es gehört zu den Kunstschätzen in Todtmoos, die derzeit inventarisiert werden. Foto: Christiane Sahli

TODTMOOS. Die kircheneigenen Kunstschätze in Wallfahrtskirche, Pfarrhaus und Heimatmuseum sollen in den nächsten Wochen inventarisiert und das Gnadenbild einer fachlichen Untersuchung unterzogen werden. Am Dienstag verschafften sich Ingo Gabor, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Referat "Kirchliches Kunstgut und Diözesanmuseum" der Erzdiözese, Restauratorin Johanna Quadmann und Fotograf Michael Eckmann zunächst einen Überblick, bevor die eigentlichen Inventarisierungsarbeiten begannen.

Zwei Ziele werden mit der Inventarisierung verfolgt, sagte Kunstwissenschaftler und Volkskundler Ingo Gabor: Zum einen gelte es, einen Überblick über die Kunstschätze zu gewinnen, zum anderen diene die Inventarisierung dem Schutz vor Diebstahl. Und auch für die anlässlich des 750-jährigen Jubiläums von Todtmoos von der Kirchengemeinde geplante Ausstellung wird die Sichtung der Kunstgegenstände eine wichtige Rolle spielen.

Gemeinsam mit Pater Roman, Gertrud Freitag, Brigitte Ernst und Michael Asal von der Kirchengemeinde sowie dem Vorsitzenden des Förderkreises Heimatmuseum und Geschichte Klaus Lange machten sich die Fachleute auf den Werg.

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Zunächst nahm man in der Sakristei die alten Messgewänder und die beiden Monstranzen, eine von ihnen aus der Zeit des Barock, in Augenschein. Er beabsichtige, die Messgewänder, aber auch die Mäntel und Schleiertücher des durch einen Brand beschädigten Gnadenbildes auf Ständern ausgehängt vor einem grauen Hintergrund zu fotografieren, sagte Fotograf Eckmann.

Über eine steile und enge Wendeltreppe ist der Raum über der Sakristei zu erreichen. Dort sind weitere Messgewänder und Kerzenleuchter aufbewahrt. Besondere Schätze birgt der über weitere steile Stufen erreichbare, begehbare Tresor der Kirche: Bücher.

Ehrfurchtsvoll betrachteten und berührten die Versammelten ein in Holz gebundenes Buch aus dem Jahr 1523. "In 500 Jahren wird man vielleicht einen Speicherchip aus unserer Zeit genauso interessiert ansehen", sagte Michael Asal schmunzelnd.

Weiter führt die Wendeltreppe auf den Dachboden der Wallfahrtskirche, wo es mehrfach galt, angesichts niedriger Balken den Kopf einzuziehen. Zu sehen gab es dort unter anderem Kirchenbänke, Engelsfiguren, ein Kruzifix und einiges mehr. Aber allein schon die Architektur des Dachgeschosses mit Glockenturm war sehenswert. Nicht so ganz zu dem sonstigen Gegenständen passen wollte allerdings ein Herz aus Holz mit der Aufschrift: "Wer küsst die Musik?", das für einiges Schmunzeln sorgte.

Schätze birgt auch das Pfarrhaus. Pater David zeigte den Versammelten ein Requiliar mit verschiedenen Reliquien, unter anderem einem Teil von einem Tuch oder Schleier der Gottesmutter Maria, eine hohe Auszeichnung für Wallfahrtskirchen, so der Pater. Eine Urkunde von 1744 bestätigt die Echtheit der Reliquie. In dem Tresor des Pfarrhauses werden ebenfalls zahlreiche Bücher aufbewahrt.

Nach einem Besuch des Pfarrhauses und des Heimatmuseums nahmen die Fachleute ihre Arbeit auf. Die Kunstwerke werden nicht nur fotografiert, sondern auch vermessen und dokumentiert. Am heutigen Mittwoch und am Dienstag und Mittwoch der kommenden Woche werden die Inventarisierungsarbeiten vor Ort fortgesetzt, anschließend werden die Kunstgegenstände in die Datenbank der Diözese eingepflegt, umriss Gabor den Zeitplan. Die Untersuchung des Gnadenbildes wird voraussichtlich Mitte Oktober erfolgen, sagte Johanna Quadmann. Zu diesem Zweck wird die Pieta dann von dem Hauptaltar heruntergeholt werden.

Weitere Bilder von der Aktion gibt es unter mehr.bz/kirchenschatz

Autor: Christiane Sahli