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02. Januar 2010
Auf der Spur der Todtnauer Fasnet
Zum 150. Jubiläum der Narrenzunft Todtnau startet die BZ eine Serie / Teil I: Der Schwizerkarle und die Verbrennung des Böckle.
TODTNAU. Am 16. und 17. Januar des neuen Jahrer feiert die Todtnauer Narrenzunft ihr 150-jähriges Bestehen frei nach dem Motto "immer no närrsch". Grund genug für die Badische Zeitung, sich mit einer Mini-Serie der Geschichte der Todtnauer Fasnet zu widmen. Mehr aus der Geschichte der Todtnauer Fasnet gibt es im 238-seitigen Jubiläumsbuch, das ab 9. Januar in Todtnau zu haben sein wird.
Was war 1860 los? 1860 war die erste organisierte Fasnet in Todtnau. Unter dem Motto "Die Verbrennung des Böckle" bewegte sich der erste Umzug durch die winterliche Bürstenmacherstadt. Das Wort "Böögg" ist ein alter hochalemannischer Ausdruck für eine vermummte Gestalt, die Kinder erschreckt, Unfug treibt oder bettelnd durch die Straßen zieht. In Zürich wird der "Böögg" – eine Schneemannfigur, die den Winter symbolisiert – im Rahmen eines Frühlingsfestes (Sechseläuten) verbrannt. Schon seit dem 15. Jahrhundert ist die Bezeichnung belegt. Womöglich hatte der Todtnauer Böögg eine kleinere Schneefußgröße und erhielt deshalb die Endung "le".Werbung
Und wer weiß, vielleicht wurde der Todtnauer Böögg aus Zürich ins Städtli gebracht. Denn ums Jahr 1860 arbeiteten Buchhalter und Prokuristen aus der Schweiz in Todtnauer Papier-, Textil und Bürstenfabriken. Die Firmeninhaber Joseph Eduard Faller und Johann Michael Thoma knüpften in jener Zeit familiäre Bande in die Nordschweiz. Carl Thoma I, der als Händler viele Bürstenwaren in das Nachbarland verkaufte, erhielt von den Todtnauern sogar den Spitznamen "Schwizerkarle". In der Todtnauer Fasnetchronik, die am 9. Januar erscheint, heißt es zur Böögg-Herkunft deshalb: "Also s’cha scho so gsi si – oder au it!"
Doch wer sich ganz zu den Anfängen der Todtnauer Fasnet begeben möchte, muss auch ganz früh aus den Federn, um in einer Urkundenabschrift auf das Wort "alte Fasnacht" zu treffen. Durch eine Stiftung von hundert Mark Silber von wohlhabenden Todtnauer Bergleuten, sollte ab 1339 täglich eine Frühmesse gelesen werden. Das aus Holz und Stein gebaute Todtnauer Gotteshaus hatte damals noch keine Kirchenuhr und keine Glocke.
Also ließ der damalige Abt von St. Blasien, über den Beginn verlauten: "So die Sonne an die Berge schinet, man sie in dem Thal siehet schinen" und zwar vom "Allerheiligen Tage bis zur alten Fasnacht". So ist es in der Urkundenabschrift aus dem Provinzialarchiv Freiburg zu lesen, auf die der Stadthistoriker Benno Dörflinger bei der Fasnetchronikrecherche getroffen ist.
Im Todtnauer Ratsbuch vergangener Jahrhunderte taucht immer wieder der Begriff "Vasnacht" auf. Der Tag galt als wichtiger Zinstag, auch Schulden wurden zurückbezahlt und Verträge abgeschlossen. Es war auch der Tag, an dem Bergmänner und Bauersleute noch einmal richtig auf den Putz hauten, sich in der Trinkstube das eine oder andere Vierteli genehmigten, bevor beispielsweise im Jahr 1499 nur eine Woche darauf 42 Mann aus dem kleinen Schwarzwaldstädtli Todtnau Richtung Waldshut in die Schweizer Kriege ziehen mussten und das Leben eine todernste Wendung für sie nahm.
Ab 1860 fanden dann fast jedes Jahr Umzüge statt. 14 Jahre alt war Julius Faller im Jahr 1860. Er sollte später eine die Fasnet prägende Person werden. Denn er brachte die ganze Bevölkerung auf Trab. Wie? – das lesen Sie im zweiten Teil der Serie. Fortsetzung folgt.
Autor: Karin Maier
