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31. März 2014 12:58 Uhr

Rettungsübung Todtnau-Fahl

Bergwacht seilt Freiwillige aus Sessellift ab

75 Menschen haben sich aus der Seilbahn bei Todtnau-Fahl von der Bergwacht Schwarzwald retten lassen. Bei der Probeübung am Samstag war auch eine BZ-Mitarbeiterin dabei. Sie berichtet, wie es sich anfühlt, über dem Abgrund zu baumeln.

  1. Die Bergwacht Schwarzwald probt die Rettung von Fahrgästen des Sessellifts bei Todtnau-Fahl. Foto: Susanne Ehmann

  2. Die Bergwacht Schwarzwald probt die Rettung von Fahrgästen des Sessellifts bei Todtnau-Fahl. Foto: Susanne Ehmann

  3. Die Bergwacht Schwarzwald probt die Rettung von Fahrgästen des Sessellifts bei Todtnau-Fahl. Foto: Susanne Ehmann

  4. Die Bergwacht Schwarzwald probt die Rettung von Fahrgästen des Sessellifts bei Todtnau-Fahl. Foto: Susanne Ehmann

  5. Die Bergwacht Schwarzwald probt die Rettung von Fahrgästen des Sessellifts bei Todtnau-Fahl. Foto: Susanne Ehmann

  6. Die Bergwacht Schwarzwald probt die Rettung von Fahrgästen des Sessellifts bei Todtnau-Fahl. Foto: Susanne Ehmann

  7. Die Bergwacht Schwarzwald probt die Rettung von Fahrgästen des Sessellifts bei Todtnau-Fahl. Foto: Susanne Ehmann

  8. Die Bergwacht Schwarzwald probt die Rettung von Fahrgästen des Sessellifts bei Todtnau-Fahl. Foto: Susanne Ehmann

  9. Die Bergwacht Schwarzwald probt die Rettung von Fahrgästen des Sessellifts bei Todtnau-Fahl. Foto: Susanne Ehmann

Plötzlich: Stillstand. Nichts geht mehr. Leicht schwankt der Sessel noch vor und zurück – aber der Lift rührt sich nicht mehr. Nicht einen Zentimeter. Wir stehen. Es ist ruhig, nur das leise Rauschen eines Baches in der Nähe, Vogelgezwitscher. Über uns die Sonne, blauer Himmel, unter uns – der Abgrund.
Eine Durchsage reißt uns jäh aus unseren Gedanken. Die Bahn könne nicht mehr in Betrieb kommen. Die Bergwacht sei informiert. "Bitte bewahren Sie Ruhe," sagt die Stimme. Der Mann hat gut reden. Glücklicherweise ist das nur eine Bergeübung der Bergwacht Schwarzwald. Und die Rothausbahn bei Todtnau-Fahl am Feldberg ist nicht defekt, sondern wurde angehalten, zu Übungszwecken. Trotzdem… ein etwas mulmiges Gefühl ist es doch, dort zu hängen, weit oben, zwischen den Bäumen, der feste Boden unerreichbar, um uns herum nur ein bisschen Sessel und viel nichts. Jetzt heißt es erstmal: warten.

Bahnbetreiber ist für das Rettungskonzept zuständig

Elf Ortsgruppen sind an der Übung beteiligt. Die Bergwacht wird mit etwa 50 Personen vor Ort sein, erzählt Stefan Schaake, Fachbereichsleiter Seilbahnrettung. Zu den Aufgaben der Bergwacht zählt "alles, wo der Rettungswagen nicht hinkommt." Dazu gehören der Wald, Wanderwege, Skipisten, Höhenrettung oder Kletterunfälle. Die Bergretter arbeiten alle in ihrer Freizeit, ehrenamtlich. Bei der Seilbahnbergung ist der Betreiber der Bahn verantwortlich dafür, ein Konzept zu haben, mit denen er die Fahrgäste wieder von der Bahn runter bekommt, wenn die einmal stehen bleibt. Deshalb arbeiten die Betreiber der Bahnen eng mit der Bergwacht zusammen.

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Im Ernstfall droht den Fahrgästen Unterkühlung

An der Rothausbahn ist seit ihrer Eröffnung im Jahr 2006 noch nie etwas passiert, sagt Schaake. Und geht die Bahn doch einmal kaputt, ist das für die Fahrgäste erst einmal nicht gefährlich. "Aber je nach Wetter kann das natürlich ordentlich kalt werden", sagt der Bergretter. "Dann drohen die Fahrgäste zu unterkühlen. Prinzipiell ist aber keine Hektik angesagt."

Die Gefahr der Unterkühlung besteht heute nicht. Die Sonne scheint von einem fast wolkenlosen Himmel, die Temperaturen sind frühlingshaft. Unter uns letzte Schneereste, Geröll, Laub, Äste, dazwischen ein einsamer Handschuh. Wir warten. Der Sessel schwankt leicht. An der Talstation weit unter uns ist noch alles ruhig. Eine weitere Durchsage "Die Bergwacht ist informiert, bitte bewahren Sie Ruhe." Ist gut. Wir schauen umher. Baumeln mit den Füßen. Wir warten.

Über Facebook wurden die Freiwilligen gesucht

Etwa 75 Freiwillige haben sich für die heutige Aktion zur Verfügung gestellt. Die hat Armin Savoy, der Geschäftsführer des Alpin-Center Todtnau-Feldberg über Facebook zusammengesammelt, wie er erzählt. Und die sitzen jetzt auf 48 Sesseln über die ganze Strecke bergaufwärts verteilt. Zum Dank gibt’s später für jeden eine Tageskarte für den Liftverbund Feldberg. "Bei der Übung stehen die Alarmierung und die Rettungswege im Vordergrund. Die Bahnen wechseln sich bei den Bergeübungen ab, so dass alle unterschiedlichen Rettungswege geübt werden können", sagt er noch. Und in diesem Jahr ist eben die Rothausbahn dran.

Da bei der heutigen Übung eine Evakuierungssituation so real wie möglich nachgestellt werden soll, wird auch die Anfangsphase voll mitgeübt, erklärt Stefan Schaake. Das heißt, die Bergwacht ist noch nicht vor Ort. Die verschiedenen Ortsgruppen fahren erst los, wenn der Bahnbetreiber sie alarmiert hat. Daher kommen die Einsatzteams zeitversetzt an. Dazu kommt noch das Fahrzeug der Einsatzleitung, von dem aus dann alles organisiert wird. "Das ist das Spannende: Dass alles so ineinander verzahnt ist, dass es funktioniert." Dabei gibt es genaue Zeitvorgaben.

Das Ziel: Alle innerhalb von zwei Stunden retten

Die Bergwacht hat sich zum Ziel gesetzt, die Fahrgäste in einem Zeitraum von etwa zwei Stunden zu evakuieren. Die Zeit ist jedoch abhängig von der Anzahl der Sessel, die sich zwischen den einzelnen Stützen, den sogenannten Stützenfeldern, befinden. Bei der Rothausbahn sind diese Abstände sehr unterschiedlich und so können sich in einem Feld wenig, in einem anderen aber auch bis zu acht Sessel befinden, die dann nacheinander geleert werden müssen – und das kann dauern.

Heute klappt es mit dem Zeitplan. Das große Fahrzeug der Einsatzleitung rollt langsam auf den Platz vor der Talstation. Menschen steigen aus, laufen geschäftig hin und her. Unser Sessel schwankt sanft. Ein leichter Wind kommt auf, es rauscht in den Bäumen um uns herum.

Einer rettet, einer sichert und einer betreut den Geretteten

Das Material für die Bergungen liege an zentraler Stelle am Feldberg bereit, so Stefan Schaake. Es gehört der Bahn, die Bergwacht kümmert sich jedoch um die Instandhaltung. "In den Rucksäcken befindet sich alles, was man so braucht. Für jedes Stützenfeld gibt es einen, so kann in den einzelnen Stützenfeldern gleichzeitig mit der Bergung begonnen werden." Und das spart Zeit. In Dreierteams verteilen sich die Bergretter dann über die ganze Seilbahnstrecke: Einer rettet, einer sichert und einer betreut die Geretteten.

Haken klicken, Metall schlägt auf Metall

Wir verrenken uns die Hälse, um etwas erkennen zu können, der Sessel schwankt bedrohlich. Drei Personen springen von der Ladefläche – unser Rettungsteam ist da. Zwei Männer klettern die Stütze hinauf. Sie hantieren mit Seilen, Karabinern, Gurten. Haken klicken, Metall schlägt auf Metall. "Achtung, Seil"– es fällt laut klatschend zu Boden. Einer der Männer klettert hinterher und sichert am Boden das Seil, während der zweite sich am Drahtseil der Bahn hängend zum Sessel vor uns vorarbeitet. Unser Sessel wippt und schwankt – kurze Zeit später sinkt ein Fahrgast nach dem anderen sanft an einem Seil nach unten und wird dort vom dritten Bergretter in Empfang genommen. Derweil kraxelt der oben verbliebene auf dem nun leeren Sessel herum. Unser Puls steigt – wir sind dran. An einer Fahrrolle rollt er am Drahtseil auf uns zu. Nacheinander bekommen wir einen Gurt umgeschnallt und werden am Seil gesichert – erst dann öffnet der Bergretter den Bügel des Sessels. Ein kleines bisschen Überwindung kostet es schon sich ins Nichts fallen zu lassen – doch der Gurt hält uns sicher und sanft gleiten wir hinab, endlich wieder festem Boden entgegen.

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Autor: Susanne Ehmann