Ein Koffer für alle Fälle

Ulrike Jäger

Von Ulrike Jäger

Di, 16. Mai 2017

Todtnau

Bergwacht in Muggenbrunn präsentiert neues Einsatzfahrzeug.

TODTNAU-MUGGENBRUNN. Das neue Fahrzeug für die Bergwacht-Ortsgruppe Muggenbrunn wurde am Sonntag eingeweiht und von Pfarrer August Schuler gesegnet. Zum Fest rund um die Gemeindehalle waren viele Bergwachtkollegen erschienen, darunter der Landesvorsitzende Adrian Probst.

Pfarrer August Schuler sprach das Segensgebet und wünschte augenzwinkernd, dass es am besten wäre, wenn das Fahrzeug gar nicht zum Einsatz käme. Er zitierte aus dem Römerbrief: "Helft einander, wenn ihr in Not seid." Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Stefan Iwertowski, sagte, dass es "ein langer Weg" bis zur Einweihung gewesen sei. Der Ford Ranger mit Kofferaufbau ist eines von zwei Fahrzeugen, das erstmals nach 16 Jahren mit einem Förderzuschuss von 90 Prozent angeschafft werden konnte, statt wie bisher üblich mit nur 70 Prozent. Zehn Prozent sind von der Ortsgruppe selbst zu finanzieren. Das Fahrzeug sei zwar etwas kleiner ausgefallen, eine Patientenmitnahme sei nicht mehr möglich, doch würde dieser kleine Mangel kompensiert durch die Zusammenarbeit mit der Ortsgruppe Todtnauberg, die immer gleichzeitig alarmiert und ausrücken werde.

Im sogenannten Kofferaufbau seien alle Hilfsmittel untergebracht wie Notfallausrüstungen, Helme, Seile. Im Sommer kommt die Gebirgstrage hinein, im Winter der Rettungsschlitten (Akja). Digitalfunk und Navigationsgerät sowie das neue Convexis-System, mit dem die Einsatzleitstelle den Einsatzort direkt aufs Navi programmieren und auch den Standort des Fahrzeugs verfolgen kann, gehören ebenfalls zur Ausstattung. Auch die Kosten für Winterreifen, Schneeketten und Rettungsschlitten hätte man, teils durch Spenden, selbst finanziert, erklärte Iwertowski, der dem Landesvorsitzenden dafür dankte, dass die Anliegen der Bergwacht inzwischen mehr Gehör in der Presse und bei der Landesregierung finden. Adrian Probst wünschte den Rettern, dass das neue Fahrzeug Motivation sein möge und vor allem, dass alle immer sicher wieder zurückkehren. In Muggenbrunn werde ein neues Gerätehaus für die Feuerwehr gebaut, ein Stellplatz für das Bergwachtfahrzeug sei hier mit eingeplant. Die Bergwacht habe zusagen müssen, die anteiligen Kosten in Höhe von 70 000 Euro zu übernehmen, so Probst. Mit leichtem Bauchweh habe man eine Kostenzusage über eine Bürgschaft gemacht, doch Probst hofft auf eine Landesförderung.

In der sehr gut besuchten Gemeindehalle gab es dann noch einen Vortrag von Christoph Iwertowski, Ausbilder Notfallmedizin, über die "Rettung im Gelände mit den neuen technischen Möglichkeiten", und rund um die Halle konnten die Gäste die Fahrzeuge der Bergwacht besichtigen.

Zahlen und Fakten: Ford Ranger, Baujahr 2017, 160 PS, Digitalfunk, Seilwinde 30 Meter / 4 Tonnen, Baumrettungsset für Gleitschirmbergung, mobile Seilbahn für Einsätze in der Schlucht, Gebirgstrage oder Akja. Notfall- und Notarztrucksack