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20. Februar 2012
Erstmals ein Schönauer angeklagt
Todtnauer Narrengericht: Würstchen als Bestechung / Gegendemo der Männer zur verhandelten Störung der Frauenfasnet .
TODTNAU. Auch wenn es draußen kalt war, ging es in diesem Jahr ganz schön heiß her beim Todtnauer Narrengericht. Mit einer beschwipsten Nummer feierte Christoph Buck seinen Abschied von der Narrengerichts-Bühne. "Hab kei Luscht me", jammerte er, geplagt von Burnout, denn er hat jeden einzelnen Fall verloren.
Sein Nachfolger Clemens Janus wurde von ihm höchstpersönlich aus den vielen Kandidaten ausgesucht und eingekleidet. Doch schon von vorneherein war klar, auch dieser Verteidiger hat keine Chance. Gaetano Bertucci kniete als erster auf dem Gerichtsbänkle, mit gesenktem Kopf. Beim Narrentreffen in Bühl soll der "Oberfummler der Ranzengarde" dem Zwetschengeist verfallen und orientierungslos umher gewandelt sein. So war seine Garde völlig führungslos und dadurch habe sich der Umzug um zwei Stunden verspätet.Die Ranzengarde versuchte mit allen Mitteln, ihren "Commandante" aus dem Kreuzverhör zu befreien – so gibt es Würstchen für die Richter. Doch keine Chance. Schließlich haben sich die ehrenwerten Richter Jürgen Wehrle, Roland Walleser und Volker Kaiser noch nie bestechen lassen. Auch wenn Wehrle gerne nach den Würstchen angelt.
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Die Strafe ist hart: Bertucci muss als Bühler Zwetschgengeist beim Verurteiltenball mit einer Holzleiter aus echtem Bühler Zwetschgenholz, der Zwetschgenkönigin und dem Zwetschgenballett erscheinen. Dann muss er das Zwetschgenlied singen und alle mit Zwetschgenwasser versorgen. Mindestens genauso hart, aber herzlich, trifft es Gerhard Kaiser, der sich in der über 150-jährigen Geschichte der Todtnauer Fasnet als Erster und Einziger als Hahn im Korb in die Frauenfasnacht eingeschlichen hat. Zum hohen Narrengericht mitgebracht hat er eine wild protestierende Männertruppe, die sich einen "Abend nur für Männer" wünscht.
Ganz schön "dappig", wie es die Richter nennen, präsentiert sich der Angeklagte. Denn Kaiser ist wohl der erste, der seine Tat auch noch zugibt. Als aufgeplusterter Paradiesvogel muss Kaiser beim Verurteiltenball ein Liedchen trällern. Das Gericht am Freitag war wirklich ein Ereignis voller Premieren. Zum ersten Mal war ein Schönauer angeklagt: Dieter Reiff – "der Al Capone der Schönauer Zigarettenmafia" – wurde sogar mit dem Feuerwehrauto aus Schönau abgeholt. Und dieser Schönauer ist ein ganz schön harter Kerl, hat er doch gleich mehrere Vergehen hinter sich. Er hat den Todtnauer Rosenmontagsumzug verunglimpft und dazu noch fasnachtsbegeisterten Kurgästen geraten, lieber Skifahren zu gehen. Dann hat er auch noch die mit Bier gefüllte Schelle von Oberpolizischt Noldi geklaut und umgeleert. Und als wäre das nicht genug, entwendete er auch noch den Rab von Silvia Schneider. Zeugen gab es reichlich und so kam auch der Schönauer nicht um eine Strafe herum.
Als Schönauer Rab verkleidet, in der Hand die gefüllte Schelle vom Noldi, muss er auf der Handorgel ein Entschädigungslied vortragen. Die Strafen werden am Dienstagabend beim Verurteiltenball im Gasthaus "Sonne" verbüßt. Sobald die Hexe verbrannt und die letzte Träne vergossen ist, wird es nochmals richtig lustig.
Autor: unserer Mitarbeitein Verena Wehrle


