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07. März 2011

" Falschgesang" geahndet

Narrengericht Todtnau: Alle Angeklagten wurden für schuldig befunden .

  1. Angeklagter Heiko Mühl (links), Zeuge Heinz Winkler und Noldi Seger mit dem entwendeten Badteppich. Foto: Ulrike Jäger

  2. Dachten sich wieder gemeine Strafen für die Angeklagten aus: Die Richter des Todtnauer Narrengerichts, Volker Kaiser, Roland Walleser und Jürgen Wehrle (von rechts). Foto: Ulrike Jäger

TODTNAU. Ein letztes leises "Määh" durfte der angeklagte Zunftrat Harald Brender ins Mikrophon hauchen, dann wurde natürlich auch er für schuldig befunden. Das hohe Narrengericht, das am Freitag auf dem Todtnauer Marktplatz tagte, verurteilte das "Unschuldslamm" wegen tätlichen Angriffs auf das närrische Exekutivorgan Noldi Seger, Chefankläger und Narrenoberpolizist.

Dem hatte er nämlich nach dem Besenbinderball in den frühen Morgenstunden den Blinkstab abgenommen und sich auch noch dessen Dienstmütze aufgesetzt. Auch alle Versuche des Verteidigers (Christoph Buck), die Unschuld des Bauernlümmels aus Hofsgrund zu beweisen, konnten die ehrenwerten Richter (Volker Kaiser, Roland Walleser und Jürgen Wehrle), die von Buck als "schwarzberocktes Kasperlegremium" bezeichnet wurden, nicht überzeugen.

Um sich auch in Zukunft besser selbst verteidigen zu können, hatte Noldi der Narrenoberpolizist sogar extra die neue asiatische Kampfsportart "Skischuhschlittschuh" erlernt und gab unter großem Gegröle und Applaus zu den Klängen von "Kung-Fu-Fighting" auch gleich eine Kostprobe seines Könnens.

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Hart aber fair waren die gesprochenen Urteile des Narrengerichts, das sich wieder einmal so manchen verbalen Klops, witzigen Schlagabtausch mit dem Verteidiger und geniale Wortakrobatik leistete. Eine Stunde lang dauerte die Verhandlung und ließ beim Publikum, beziehungsweise "im Gerichtssaal", kein Auge trocken. Heiko Mühl von den Gletschergeistern, wegen hochverräterischer Machtergreifung angeklagt, wurde, unterstützt durch die Zeugenaussage des Hofnarren Heinz Winkler, für schuldig befunden und erhielt als Prinz Peinlich von der Gletscherspalt ebenso den Verurteiltenorden und eine saftige Strafe, wie Martin Wunderle von den Dahlauern, der "Downtown" Todtnau zum Jubiläumsumzug einen völlig falschen Narrenmarsch ins Mikrophon von Fernsehmoderatorin Sonja Schrecklein gesungen hatte, weswegen sich der traumatisierte Tontechniker bis heute in psychiatrischer Behandlung in Emmendingen befindet.

Auch die Zeugenaussage des Gerhard Knotz trug hier zur Verurteilung der "Handorgelverstimmungskanone" bei, alles Jammern half da nichts. Wegen Falschgesangs, lebensgefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung hat auch der dritte Angeklagte zum Verurteiltenball am Fasnachtsdienstag im Gasthaus Sonne zu erscheinen, um seine Strafe zu verbüßen.

Dank eines Schnäpschens, das sich die ehrenwerten Richter zwischendurch gönnten, gingen ihnen die Urteile immer flüssiger über die Lippen. Zum Auftakt der Verhandlung hatte der Fanfarenzug der Zundelmacher schon mit heißen Rhythmen eingeheizt und den Einzug der Angeklagten unter der Bewachung durch die Ranzengarde begleitet.

Fast frühlingshafte Temperaturen und herrlicher Sonnenschein sorgten ebenso wie das bestens aufgelegte und zahlreich erschienene Publikum für rundum gute Stimmung bei der Gerichtsverhandlung unter freiem Himmel.

Autor: Ulrike Jäger