Grüne gegen neues Hotelprojekt

Verena Wehrle

Von Verena Wehrle

Di, 11. September 2018

Todtnau

Die Todtnauberger Bürgerinitiative (BI) gegen das geplante Hotelprojekt am Radschert erhält Unterstützung aus der Politik.

TODTNAU. Die Todtnauberger Bürgerinitiative (BI) gegen das geplante Hotelprojekt erhält Unterstützung von der Partei Die Grünen im Landkreis. Das wurde bei einer spontanen Demonstration auf dem Radschert deutlich.

Mit Bannern und Traktoren stellte die BI am Freitagabend ihre Anliegen dar. Zirka 300 Menschen waren auf die grüne Wiese gekommen, auf der Landal Green Park ein Hotelprojekt mit mehreren Bauwerken errichten möchte. Bernhard Gnädinger, Sprecher der BI, sagte unter Applaus, man kämpfe gegen dieses Vorhaben. Heiner Lohmann, Kreisrat der Grünen und Stadtrat in Rheinfelden, war an diesem Tag als Vertreter des BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) Hochrhein anwesend; er informierte, dass die Naturschutzverbände in Sachen FFH-Verträglichkeitsprüfung nicht gehört worden seien, was rechtswidrig sei. In einem ersten Schritt werde man deshalb bei den Behörden Widerspruch einlegen. "Hier dürfen einfach keine Hotels hingebaut werden, das ist eine Verschandelung der Landschaft", so Lohmann. Auch seine Frau Annette Lohmann, ebenfalls Kreisvorstand der Grünen, sprach sich gegen das Projekt aus: "Ich finde es eine Schande, hier so etwas zu bauen. Das, was den Schwarzwald hier schön macht, macht man durch so eine Bettenburg kaputt". Hartmut Schwäbl, ebenfalls vom Grünen-Kreisvorstand, sagte: "Es ist an der Bevölkerung vorbeigeplant worden. Wenn ein ganzer Ortsteil so vehement dagegen ist, reicht das schon, dass man nicht bauen kann". Der Kreisverband der Grünen werde alles unternehmen, diese Anlage zu verhindern, sagte Schwäbl vom Ortsverband Oberes Wiesental.

Auch Landwirt Bernhard Schneider, dessen Tiere auf der für das Hotel geplanten Fläche weiden, wehrt sich gegen den Bau. Um die Dimensionen des Komplexes zu verdeutlichen, wurden einige Traktoren nebeneinandergestellt und mit Spruchbändern versehen. Ein Kran zeigte die Dachfirsthöhe von 18 Metern. "Wenn man dann den Weg hochläuft, läuft man an einer Wand vorbei, ähnlich wie in einer Großstadt, man sieht nichts mehr", so Schneider in Bezug auf die jetzt noch schöne Aussicht auf dem Radschert.

Die Landwirte hätten Auflagen auf dem Schutzgebiet, dem umweltsensiblen Dauergrünland. Hier gebe es ganz klar ein völliges Umwandlungsverbot, außer für öffentliche Belange. Ein Hotel zählt seiner Meinung nach nicht dazu. Die Landwirte würden außerdem Weideland verlieren. Seine Bitte an die Todtnauberger Ortschaftsräte sei, dass sie das Hotelprojekt fachlich und sachlich durchdenken und die Belange der Bürger hinterfragen mögen.

Sabine Ging, Vorsitzende des Grünen-Ortsverbands Oberes Wiesental, sagte, man solle doch lieber die schönen leerstehenden Gasthäuser in Todtnauberg erhalten und ausbauen. Auch Gisela und Alfred Kaiser von der Bürgerinitiative trugen ihre Argumente vor: Hotels in dieser Größenordnung seien weitestgehend autonom, die keine Anbindung an den Ort bräuchten und ihre Arbeitskräfte selbst mitbrächten. Durch Dumpingpreise und Lastminute-Angebote sowie die drei Restaurants würden die Vermieter und die Gastronomie in Todtnauberg leiden. Das Projekt sei absolut ungeeignet, damit sich der Ort weiterentwickle, so Gisela Kaiser. Und Alfred Kaiser argumentierte vor allem mit dem erhöhten Verkehr. Auch die Wasserversorgung werde dann zum Problem.

Als einziger Stadtrat war Jochen Stückler (SPD) anwesend. Er sehe in dem Projekt Chancen für die Entwicklung von Todtnauberg, verstehe aber auch die Menschen, die an der Radschertstraße wohnen und sich dagegen aussprechen.

Fabienne Mühl als Vertreterin des Ortschaftsrats informierte, dass im Ortschaftsrat noch viele Fragen offen seien und sich noch keine Meinung gefestigt habe. Sie selbst aber habe sich von Anfang an dagegen positioniert, da sie in dem Hotel keine Bereicherung für den Ort sehe. "Das sind Dimensionen, die wir gar nicht vertragen – das wird ein Dorf im Dorf und das am schönsten Standort in Todtnauberg", so Mühl.

Wie berichtet, möchte Landal Green Park ein Luxushotel bauen mit Tiefgarage und Restaurants. Nach bislang bekannt gewordenen Plänen sollen elf Häuser gebaut werden, wovon ein Haus eine Grundfläche von 300 Quadratmetern habe. Noch liegt aber kein Bauantrag vor.

Am Dienstag plant das SWR-Fernsehen, in der Landesschau ab 18.45 Uhr auf das Thema einzugehen.