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28. Februar 2011

Kein Mangel an närrischen Visionen

Todtnaus Narren schöpften beim Besenbinderball aus den Vollen / "Todtnau bei Nacht" ist eines näheren Blicks wert.

  1. Foto: Verena Wehrle

  2. Ganz schön synchron schwammen sich die Zundelmacher in die Herzen der Zuhörer. Christoph Buck und Jürgen Wehrle lästerten als alte Herren, was das Zeug hält. Foto: Verena Wehrle

  3. Zuflug aus der Nachbargemeinde: Beim Rab aus Schönau alias Silvia Schneider bekam so mancher sein Fett weg. Foto: Verena Wehrle

TODTNAU. Ding Dong. Es klingelt laut, denn der Narrenoberpolizist läutet den Besenbinderball ein. Schon gleich verspricht Moderator Roland Walliser ein Programm, bei dem Flexibilität gefordert ist. Unter dem Motto "Visione, die sich lohne" wurde am Samstagabend auf der Todtnauer Bühne in der Silberberghalle so einiges geboten.

Die Narren hatten sich selbst Visionen für Todtnau ausgedacht oder die Visionen der Stadtoberhäupter durch den Kakao gezogen. Die Youngsters der Todtnauer Narren hatten die Vision, Olympia im Jahr 2021 nach Todtnau zu holen. Im Schiibeschla würde dann der Touri gegen den Zundler antreten und beim Hürdespringen würden betrunkene Russen gegen sportliche Brasilianer verlieren.

Ein Höhepunkt des Abends war sicherlich die Büttenrede vom Rab, alias Silvia Schneider aus Todtnauberg. Der schwarze Vogel nahm tatsächlich kein Blatt vor den Schnabel. So zog der Rabe übers italienische Städtle her: "Isdiele im Dal die duet doch länge, muss jetzt noch am Bären die italienische Fahne hänge?". Wenn es so weiter gehe, könne man auf der Sparkasse ein italienisches Mafia-Konto eröffnen. Aber auch die Stadtoberhäupte bekamen ordentlich ihr Fett weg: "Hergott schmeiß Hirn vom Himmel runter, vielleicht isch auch ein großes Stück für den Burgi darunter. Schließlich habe dieser nachts einfach die Laternen ausgeschaltet.

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Den Todtnauer Narrenmarsch hat jeder Besucher des Besenbinderballs noch Tage später im Kopf, wurde dieser doch beim Supertalent 2011 auf der Todtnauer Bühne gleich in verschiedenen Variationen präsentiert. Ausgerechnet der Narrenoberpolizist Noldi mit der klaren Stimme setzte sich beim Casting gegen Todtnaus Supermodel und den Wuvusela-trötenden Fips durch. In neuem Häs und mit neuem Programm heizte die Todtnauer Gugge Los Crachos den Zuschauern mächtig ein. Tamobormajor Benjamin Faller hatte sich in einen Schneemann verwandelt, dem an der Möhrennase schon die Eiszapfen wuchsen. Bei ihrem tollen Auftritt wurde schnell klar, diese Gugge hat sich in den vergangenen Jahren musikalisch enorm entwickelt.

Auf den harten Granitblöcken des neugestalteten Rathausgartens saßen die Golden Boys, gespielt von Jürgen Wehrle, Christoph Buck und dem extrem schwerhörigen Roland Walliser. Die "alten Säcke" mit Rollator und Flachmann ausgerüstet, lästerten was das Zeug hält. Demnach sei der Rathausplatz eine Goldgrube, reichten doch Bernd Ropertz nur zwei Sommer aus, um in den Ruhestand zu wechseln. Die Gemeinde sorge dafür, dass im neuen Rathausgarten nichts wächst, auch das letzte Gänseblümchen musste dran glauben. Nach der Pause wurde zum ersten Mal die größte verkleidete Gruppe unter den Zuschauern prämiert. Ein Rudel Teufel erhielt einen ganz geheimen Preis. Der Wettberwerb soll die Gäste des Balls zum Verkleiden anregen und künftig immer stattfinden.

Die Jungs der Zundelmacher traten als Synchronschwimmerinnen auf die Bühne und strapazierten die Lachmuskeln. Diese Nummer hatten sie bereits bei ihrer Fasnachtseröffnung gezeigt, doch kam sie bei den Zuschauern auch dieses Mal wieder saugut an. Die Schatzgräber versuchten, das Visionenloch am Rathaus zu stopfen. Gar nicht so einfach, traten doch beim Ideenwettbewerb der Amtsleiterrunde gleich mehrere kreative Teams auf. So wollte Bummi und der Italiener ein Hotel der Extraklasse bauen, während der Kaiser, der Behringer und der Honeck ein Kur-Hotel für die Alten planten. Adolf Braun will aber lieber ein Parkhaus für die Autos vom Stützle und Axel Rauch würde am liebsten alles so lassen wie es ist. Originalgetreu parodierte Steffen Asal den Amtsleiter Gerhard Asal.

Ziemlich dunkel wurde es dann bei der sehr langen Nummer des Zunftrates "Todtnau bei Nacht". Schutzpatronin Todtnaura, genial gespielt von Jürgen Wehrle, beobachtete, was in Todtnau bei ausgeschalteten Straßenlaternen so alles passiert. Da verläuft sich die Feuerwehr und da fällt Leonhard Zimmermann prompt ins Blumenbeet. Die Tanzgruppe Sirius führte ihr ganz spezielles Alpenglühen vor. Der Fanfarenzug der Zundelmacher sorgte ordentlich für Stimmung, bevor die Gäste zur Musik der Steigerburschen das Tanzbein schwangen.

Der diesjährige Wanderpokal für den originellsten Auftritt ging an den Zunftrat. Fehlt noch was? Ja, die Dalglunki. Diese legten nach zwölf Jahren Besenbinderball in diesem Jahr eine Verschnaufpause ein. Einige der Dalglunki umrahmten aber musikalisch den Programmpunkt "Todtnau bei Nacht". Noch bis in die Morgenstunden wurde gefeiert und die hungrigen Narren trafen sich zum Katerfrühstück.

Mehr Bilder gibt es im Internet unter    http://www.badische-zeitung.de

Autor: Verena Wehrle