Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
15. Februar 2010
Narrenrichter stehen am Pranger
Überraschung beim Todtnauer Narrengericht: Die Herren Richter werden wegen Inkompetenz verurteilt.
TODTNAU. "So ha i mir des au it vorgstellt im erschte Johr", wehklagte der neue Narrenrichter Volker Kaiser (Nachfolger von Ralf Karle) am Ende seines ersten Narrengerichtsprozesstags auf dem gut besuchten Todtnauer Marktplatz. Die Verhandlungen sorgten dieses Mal nicht nur für Heiterkeitsausbrüche, sondern auch für große Verblüffung - selbst unter den Richtern.
Denn wer hätte schon gedacht, dass am Ende die Narrenrichter Roland Walleser, Oberzunftmeister Jürgen Wehrle, der Neu-Richter, für den allein das Motto "mitgegangen, mitgefangen" galt, Pflichtverteidiger Christoph Buck sowie Narreoberbollizischt Noldi Seger selbst schier wagenradgroße Verurteiltenorden um den Hals baumeln hatten.Dem Gericht wurde narrenrichterliche Inkompetenz im Amt zur Last gelegt. Letztes Jahr war es augenscheinlich einem Schatzgräber-Verwirrspiel zum Opfer gefallen: der einzige Justizirrtum in derzehnjährigen Praxis des Narrengerichts, wie Advokat Buck beteuerte. Es kamen die Bundesnoldis (Zeller Schrätteli) zum Zug als verlängerter Arm des letztes Jahr auf den Plan gerufenen F.B.I. - Fasnächtlichen Bündnisses gegen narrenrichterliche Inkompetenz und des zweifelsfrei höher stehenden Gerichts, das sich auch von der plötzlichen Präsenz von Prinz Karneval Jürgen von Wehrles und durch die aufmarschierte Ranzengarde nicht beirren ließ. Das erstmalig richtende Dreiergespann der Bundesrichter mit Dietmar Böhler, Renate Ernst und Axel Thoma fuhr von den Todtnauer Zundelmachern angeführt per Radlader vor richtete von der Bank der ausgefahrenen Radladerschaufel von oben aus über das Narrengericht.
Werbung
Um dem närrischen Volk den Anblick der Verurteilten in Unterlutten zu ersparen, schüttelte der Verteidiger flugs folgende Ersatzstrafe aus seinem Robenärmel, bei dem auch die Daumen der Bundesverschworenen (Verurteilte aus allen Vorjahren) nach oben gingen: Das hohe amtliche Narrengericht wird am Fasnachtsdienstag nach der Fasnetverbrennung pünktlich um 22.15 Uhr beim Verurteiltenball im Gasthaus Sonne einen Maßnahmenkatalog zur Verhinderung narrengerichtlicher Justizirrtümer präsentieren. Falls dies nicht zur vollsten Zufriedenheit des höheren Gerichts geschieht, muss das verurteilte Gericht eine unübersichtliche Menge an Beteiligten zu einem irrtümlichen Abend an einer verirrten Stelle am Seltenbach einladen und diese mit falschem Hasen, verlorenen Eiern, Lachssurrogat, irischem Bier und sonstigen verlorenen Getränken verwöhnen. Ob die höhere Instanz die Kosten übernimmt, ist noch offen. Beim Verurteiltenball müssen jedenfalls auch Corinna Selke, verurteilt wegen vorsätzlichen Diebstahls mit Vorspielung falscher Tatsachen in Verbindung mit leuchtenden Augen, sowie die Zundelmacher Hacki Wissler, Hansi Asal und Ingo Haller wegen Zündelns in exorzistischer Absicht (Verbrennens einer Hexenpuppe in Gestalt eines Chrüdderwiebles) ihre Strafe antreten.
Autor: Karin Maier
