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08. Januar 2010
Narrenvolk aus edel gekleideten Türken und Chinesen
Teil 2 unserer kleinen Serie über die Todtnauer Fasnacht / Die Türkenfasnacht von 1886 war ein aufwändiges Narrenereignis.
TODTNAU. Am Wochenende 16. und 17. Januar feiert die Todtnauer Narrenzunft ihr 150-jähriges Bestehen frei nach dem Motto "Immer no närrsch". Grund genug für die Badische Zeitung, sich mit einer Mini-Serie der Geschichte der Todtnauer Fasnet zu widmen.
Das Interesse der Todtnauer an fremden Völkern kam im 19 Jahrhundert auch an der Fasnet zum Ausdruck. Die Bürger sogen aus Zeitungen und Jahrbüchern Informationen über die Welt auf, beispielsweise über das Osmanische Reich, Kolonien in China und über die Indianer im damals wirklich noch wilden Westen der Vereinigten Staaten von Amerika. Edle Seide trugen die Todtnauer bei den närrischen Veranstaltungen der damaligen Zeit. Die Kostüme fertigte der Schneidermeister Otto Fieger aus Stoffen, derentwegen er bis nach Lörrach und Basel reisen musste.
Auch der Kaufmann, Zeichner, Fotograf und Musiker Julius Faller (1846 bis 1921) verhalf der Todtnauer Fasnet zu großer Pracht. Er übernahm die Vorbereitung, das Anfertigen von Zeichnungen sowie die Leitung der wohl bedeutendsten Fasnet in Todtnau, der Türkenfasnacht im Jahr 1886. Julius Faller entwarf Kostüme, Sänften und Fahnen nach einem Gemälde, welches die "Überbringung des Heiligen Teppichs von Mekka nach Medina" darstellte. Die Gesichter der Teilnehmer wurden nach Angaben von Julius Faller geschminkt.
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Die Sultanin – Malermeister Konstantin Wunderle aus Todtnau – wurde in einer prächtig ausgestatteten Sänfte getragen. Teilnehmer aus dem ganzen Wiesental kamen. Die Schönauer waren so begeistert, dass sie sämtliche Besucher anderntags nach Schönau einluden, doch der Sultan- Fabrikant Berthold Ziegler - telegrafierte aus Todtnau: "Können nicht kommen, Sultan Katzenjammer, Sultanin in anderen Umständen."
Eine prächtig anzusehende Fasnacht muss auch die Chinesenfasnacht im Jahr 1895 gewesen sein, Initiatoren waren neben Julius Faller, Wilhelm Dietsche und Otto Fieger. Auch der 1844 gegründeten Lesegesellschaft hatte es die Fasnet angetan, sie veranstalte Bälle für die bessere Gesellschaft sowie Schlittenfahrten.
Am 19. Juli 1876 war jedoch Schluss mit lustig, denn fast das ganze Städtli lag nach dem großen Brand in Schutt und Asche. Die erste Fasnet danach war 1878 im Gasthaus Sternen in der Friedrichstraße, heute Schuh- und Sporthaus Lehr.
Autor: Karin Maier
