"So eine Sagengestalt muss weiterleben"

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Von vwe

Do, 08. Februar 2018

Todtnau

KURZ GEFRAGT bei Thomas Ruf aus Geschwend, der für die Fasnacht eine neue Figur erschaffen hat: den Nachtgrabb.

TODTNAU. Thomas Ruf war zum zweiten Mal am Besenbinderball mit einer neuen Einzelfigur der Todtnauer Narrenzunft, dem Nachtgrabb. Die Idee zu dieser finsteren Figur hatte er selbst. BZ-Mitarbeiterin Verena Wehrle sprach mit Thomas Ruf über die Gestalt und ihre Geschichte dazu.

BZ: Wie kamen Sie auf die Idee, den Nachtgrabb als Fastnachtsfigur zu entwickeln?
Ruf: Ich war zirka 22 Jahre lang bei den Präger Gletschergeistern tätig, zu denen ich übrigens immer noch eine sehr nette Freundschaft pflege. Irgendwann aber hatte ich Lust, was Neues zu machen, und da kam die Idee auf, eine Einzelmaske zu kreieren. Die Holzmaske habe ich selbst aufgezeichnet und das Häs selbst entworfen. Das Ganze passte dann, als ich unabhängig von allem einen Geburtstagsgutschein für eine Maske bei einem Holzschnitzer geschenkt bekam. Das musste wohl so sein – und dann ging‘s los.
BZ: Was ist die Geschichte zur Figur?
Ruf: Die Figur Nachtgrabb ist ja im Alemannischen bekannt, bei den Jüngeren vielleicht weniger. So eine Sagengestalt muss weiterleben. Das Tier Rabe fasziniert mich darüber hinaus, eine perfekte Figur für Fastnacht.

BZ: Unheimlich soll Ihre halb tierische, halb menschliche Gestalt sein. Warum so eine finstere Figur?
Ruf: Da ich viele Jahre zuvor schon "geistergeprägt" war, war eigentlich klar, dass es nur so etwas sein konnte. Früher weißer Pelz – nun schwarzes Federkleid! Spaß beiseite; ich habe mir unter dem Nachtgrabb immer ein rabenähnliches Geschöpf vorgestellt. Und die Mischung mit einem gemein grinsenden Gesicht hat dann schließlich für mich gepasst.
BZ: Hat die Figur mit Ihrer Kindheit zu tun?
Ruf: Ich denke, viele kennen den Ausdruck: "Komm aber heim, bevor’s dunkel wird, sonst holt dich der Nachtgrabb." Ich kenne den Wortlaut noch von meinen Großeltern. Das ist mir geblieben. Und spannend fand ich es trotzdem, weil keiner sagen konnte, was denn dieser Nachtgrabb genau ist und wie er aussieht.

BZ: Beim diesjährigen Besenbinderball hast du als erster Geschwender eine beachtliche Leistung in der Bütt abgelegt. Wird man dich dort öfters erleben?
Ruf: Auf jeden Fall hat es mir sehr viel Spaß gemacht. Eine Büttenrede selbst zu schreiben, ist doch etwas aufwendig und benötigt ein wenig Zeit. Klar, ich bin keinesfalls abgeneigt, auch in Zukunft wieder etwas zu machen. Ich bin ja auch immer wieder mal in Präg und Geschwend fastnachtstechnisch unterwegs. Schau mer mal, was sich ergibt. Die besten Ideen kommen doch immer sehr kurzfristig. Und ganz ohne Fastnacht geht es definitiv nicht.

Thomas Ruf ist 42 Jahre alt, arbeitet als Techniker in Binningen (Schweiz), hat zwei Kinder und lebt in Geschwend.