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12. November 2010

Ursprung von Marotte und Schellen

Von Narren und Teufeln: Vortrag des Freiburger Ethnologen Werner Mezger zum Thema "Narrenidee und Fastnachtsbrauch".

  1. Oberzunftmeister Jürgen Wehrle mit Professor Mezger. Foto: ulrike Jäger

TODTNAU. In einen Hörsaal hatte die Todtnauer Narrenzunft kurzerhand den katholischen Pfarrsaal verwandelt: Der Freiburger Ethnologe Werner Mezger entführte die rund 120 Besucher der "Vorlesung" mit dem Thema "Narrenidee und Fastnachtsbrauch" in die Kulturgeschichte der sogenannten tollen Tage.

Bevor zum 11.11. die neue fünfte Saison eingeläutet wurde, hatte die Narrenzunft zum Abschluss ihres Jubiläumsjahres zu diesem Vortrag eingeladen. Mezger erläuterte in seinen rund zweistündigen, sehr komplexen Ausführungen, die von eindrucksvollen Bildern begleitet wurden, die Geschichte der Fasnet, ihre Verquickung mit der Religion, ihre Symbole und ihre bildnerische Darstellung in den letzten Jahrhunderten.

Die Fastnacht, die Nacht vor der Fastenzeit, die mit Völlerei und ausschweifenden Feiern begangen wurde, bevor die Zeit des Darbens anfing, war, wie man auf den Darstellungen des 15. und 16. Jahrhunderts erkennen kann, zotig und derb. Viele Künstler wie Holbein, Dürer oder Breughel haben den Gegensatz der Fastnacht zur Fastenzeit in ihren Bildern, Holzschnitten, Kupferstichen oder Grafiken dargestellt. Der Narr erscheint bereits in mittelalterlichen Psalmillustrationen, in Psalm 52 negiert er die Existenz Gottes. Alle Ungläubigen wurden als Narren bezeichnet, und der Narr, der keine Caritas, keine Nächstenliebe kennt und nur sich selbst liebt, wird in den bildlichen Darstellungen mit der "Marotte" (dem Narrenzepter), dem Spiegel (in den er selbstverliebt blickt) und Schellen und Rollen gezeigt, die die Sünden darstellen. Attribute, die auch heute noch in der Fastnacht eine Rolle spielen.

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Der Hahnenkamm und die Wurst, Symbole für sexuelle Begierde und Fleischeslust, Eselsohren als Symbol für Torheit und die Blase, die das Platzen der Welt darstellen soll, sind weitere Merkmale, die sich durch die geschichtlichen Abbildungen der Fastnacht und Narren wie ein roter Faden ziehen. Mezger bezieht sich auch immer wieder auf das spätmittelalterliche Werk "Das Narrenschiff" von Sebastian Brant , ein moralsatirisches Buch, in dem Laster und Fehlverhalten beschrieben werden. Lange Zeit widmet Mezger, der unter anderem an der Universität Freiburg Europäische Ethnologie lehrt, der Interpretation des Gemäldes "Streit des Karnevals mit dem Fasten" von Pieter Breughel, das im Museum in Wien hängt. Hier stehen sich die zwei Welten der Fastnacht (Civitas Diaboli) und der Fastenzeit (Civitas Dei) eindrucksvoll gegenüber, was jedoch viele Betrachter ohne "Anleitung" wohl so nicht erkennen würden.

Die Inszenierung des Teufels war im 15. Jahrhundert nicht für die Fastnacht, sondern für die Fronleichnamsprozession gedacht. Das zeigte Mezger anhand von Bildern aus dem süditalienischen Campobasso. Dort spielen die Teufel auch heute noch bei der Prozession eine herausragende Rolle und verhalten sich wie die heutigen Fastnächtler bei ihren Umzügen, indem sie sich einzelne Besucher heraussuchen und ärgern.

Autor: Ulrike Jäger