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12. Januar 2010
Vom Karnevalsprinzen zum Oberzunftmeister
Serie zur Geschichte der Todtnauer Fasnacht (Teil 3 und Schluss) / Prinz Karneval hat im Jahr 1906 seinen ersten Auftritt
TODTNAU. Am 16. und 17. Januar 2010 feiert die Todtnauer Narrenzunft ihr 150-jähriges Bestehen frei nach dem Motto "Immer no närrsch". Grund genug für die Badische Zeitung, sich mit einer Mini-Serie der Geschichte der Todtnauer Fasnet zu widmen.
Im Jahr 1903 gründete der Kaufmann und Heimatforscher Wilhelm Dietsche die Große Karnevalsgesellschaft Todtnau, gemeinsam mit dem Küfermeister Albietz, der kurz vorher von Rheinfelden nach Todtnau umgezogen war. Die Fasnacht wurde auf Grund der Erfahrungen des Rheinfelders nach "Basler Muster" organisiert. Die Karnevalsgesellschaft wies genauso wie damals die Basler Fasnacht starke Züge des rheinischen Karnevals auf. Ein Elferrat wurde gebildet. Die Fasnetsitten zu heben und Ausartungen wie sie früher an der Tagesordnung waren - so gut wie möglich zu verhüten, hatte sich die Karnevalsgesellschaft auf die Fahnen geschrieben. Alle Schichten aus der Bevölkerung beteiligten sich an sämtlichen Veranstaltungen der Gesellschaft.
Erstmals fanden im "Ochsen" große Preismaskenbälle statt. Im 20. Jahrhundert war die Fasnet 1906 mit dem Einzug des Prinzen Karneval die aufwändigste vor dem Ersten Weltkrieg. Im Kriegsjahr 1939 mischten sich die Nationalsozialisten merklich in die Fasnet ein.Damals erhielt Wilhelm Dietsche einen Brief der NS-Organisation "Kraft durch Freude", in dem auf die Verwendung des Wälderswortes Fasnet anstelle von Karneval gepocht wurde.
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Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war das Maskentragen streng verboten, lediglich Kinderumzüge mit der Stadtmusik waren erlaubt. Im Jahr 1950 wurde Alfred Fieger zum Ersten Narrenvater. Sein Vater hatte die Kostüme für die Chinesenfasnacht genäht. "Todtnau im Jahr 2000" lautete im Jahr 1950 das Umzugsmotto. Die Wagen wurden damals noch nicht von den einzelnen Stadtquartieren (Zinken) gebaut, sondern von den verschiedenen Todtnauer Industriebetrieben mit ihren Belegschaften. Die Aufteilung des Stadtgebiets in vier Zinken erfolgte erst 1959. Ab 1955 wollten die Narren mit dem rheinischen Frohsinn nichts mehr an der Kappe haben. Prinz Karneval dankte ab. Das alemannische Brauchtum rückte in den Vordergrund. Die Große Karnevalsgesellschaft wurde umbenannt in Todtnauer Narrenzunft 1860 e.V.
Es gab keinen Elferrat mehr, sondern einen Zunftrat und der Narrenvater hieß seither Zunftmeister. Gleichzeitig gründete der gebürtige Kölner Otto Schüller, der seit 1953 den Vorsitz der Großen Karnevalsgesellschaft übernommen hatte, die allererste Zunft in Todtnau-Stadt: die Schatzgräber. Mit der Gründung dieser Zunftfigur erfüllte die Todtnauer Narrenzunft die letzte Bedingung für die Aufnahme in den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (V.O.N.). Pate standen die Fastnachtsgesellschaft Zell im Wiesental und die Narrenzunft Rheinfelden (Baden). Zu den Zeller Narren haben die Todtnauer seit jeher eine gute Verbindung. Beim Jubiläumsumzug am 17. Januar 2010 wir die Fastnachtsgesellschaft Zell an zweiter Stelle laufen, unmittelbar hinter der Todtnauer Narrenzunft.
Info: Sehenswert war er schon, der Prinz Karneval. Am 16. Januar ist ab 18 Uhr auf dem Todtnauer Marktplatz ein historisches Narrenspiel zu sehen mit über 120 Beteiligten und Prinz Karneval. Jubiläumsinfos im Internet: http://www.todtnauer-narrenzunft.de
Autor: Karin Maier
