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15. Juni 2011

Zurück zu den Anfängen der Blasmusik

Jubiläumskonzert der Trachtenkapelle Todtnauberg / Geschichte des Orchesters nach Noten.

  1. Die Trachtenkapelle Todtnauberg hatte zum Jubiläumskonzert ins Kurhaus eingeladen. Foto: Ulrike Jäger

TODTNAU-TODTNAUBERG (kr). Mit Stücken, die in den vergangenen 90 Jahren eine Rolle für die Trachtenkapelle Todtnauberg spielten, blickten die Musiker am Pfingstsonntag musikalisch auf die Vergangenheit zurück und begeisterten mit ihrem Jubiläumskonzert das Publikum.

"Bravo" ertönte es laut bereits nach dem ersten Marsch "In die weite Welt", dem "Weber-Karle-Marsch" wie er früher nach einem Orchestermitglied genannt wurde. Diese und weitere Anekdoten hatte Moderator Dietmar Schubnell, aus den früheren Zeiten der "Berger Musik" zusammengetragen. Wie diese damals auftrat, zeigten fünf Mitglieder der Kapelle, als sie in steifen grauen Uniformen durch den Saal liefen und wenig enthusiastisch einen Prozessionsmarsch, wie er früher traditionell zum Repertoire gehörte, spielten. Schwierige Musikstücke hatte Dirigent Ralph Stellbogen für diesen Abend ausgesucht. Jeder Ton saß und die Kapelle hatte sichtlich Spaß an der Herausforderung und den Märschen aus vergangenen Zeiten.

Das Konzert war auch ein Ausflug in die Geschichte der Blasmusik. Auf der Suche nach den alten Stücken in staubigen Registern hatten die Musiker einige "Perlen" gefunden, andere alte Stücke längst vergessener Komponisten erwiesen sich hingegen als sperrig. Barocke Elemente fand man in den drei Sätzen des "Concerto 87" von Hans Kolditz, und auch wenn "Heinzelmännchens Wachtparade" nach einem netten kleinen Musikstückchen klingt, ist diese Salonmusik von Kurt Noack äußerst schwierig, es dominieren die hohen "heiklen" Lagen. Präzise gespielt und hervorragend gemeistert wurde auch "de schwerscht im Chaschte" wie die Musiker es damals schon ausdrückten. Der Traditionsmarsch "Zum Städtle hinaus" von Georg Meißner war ein Schreckgespenst für die hohen Instrumente, wie Schubnell schmunzelnd erzählte. Im traditionsreichen Lied "Die Post im Walde" mit Trompetensolo zeigte er dann, dass er nicht nur als Ansager gut unterhalten, sondern ebenso hervorragend Trompete spielt. Im "historischen Block" standen d"Ehemalige" am Dirigentenpult und hatten jeweils ein Stück aus ihrer Zeit im Gepäck. Nach der Ouvertüre aus "Jagdschloss Waldenbuch" von Hans Freivogel, ging es mit einem weiteren "Freivogel-Schinken", so Dietmar Schubnell, weiter. Der "Dienstälteste" Erwin Schubnell, selbst Posaunist und jahrelang Dirigent der Trachtenkapelle, hatte die "Schwarzwälder Posaunenpolka" einstudiert. Gute Texte und blasbare Musik sollten die Stücke für Michael Schneider haben, und er bot mit "Leningrad" von Billy Joel eine Melodie aus der heutigen Zeit. Während die Finger über die Tasten fliegen und die Stöcke des Schlagzeugers wirbeln, die Pauken und Trompeten erklingen und die Kastagnetten nur so klackern, steht Matthias Pietsch wie gewohnt ruhig auf dem Podest und kann sich sicher sein, dass die Kapelle ihr "Spanish Fever" bravourös meistert und das Publikum mitreißt. Vor sieben Jahren hatte der Vorgänger von Ralph Stellbogen diese beeindruckende Musik von Jay Chattaway mit der Kapelle einstudiert und tosender Applaus war auch an diesem Abend wieder die Belohnung. Man sah sie förmlich vor sich, die Pickelhauben aus der Zeit von "Preußens Gloria", als Dietmar Schubnell, der vielseitige Moderator, Trompeter und nun auch Dirigent den Marsch von Gottfried Piefke zum Besten gab. Auch diese geniale Komposition zeigte deutlich das Können der 41 Musiker auf der Bühne und vor allem ihre Vielseitigkeit. Zum Abschluss und vor den drei heftig eingeforderten Zugaben gab es noch den "131er Marsch", der von den Alten in Anlehnung an Otto Gutmann, einem Musiker, der im Hauptberuf mit Strom zu hat, in "Pfuus-Marsch" (für die Nicht-Alemannen: Pfuus bedeutet Strom) umbenannt wurde. Lang anhaltender Applaus war den Akteuren an diesem Pfingstsonntagabend sicher. Die Jubiläumsfeiern enden mit einem Festwochenende am 29. bis 31. Juli.

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Autor: kr