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25. Juni 2012 16:26 Uhr

Soiree im Salmen

Tomi Ungerer: zwischen geiler und heiler Welt

HARTHEIM AM RHEIN. Mit seinem Vortrag über Tomi Ungerer befand er sich wieder in seinem Element. Gemeint ist Eddy Weeger, von Beruf Archivar in Hartheim, Pfaffenweiler und Ebringen und in seiner Freizeit zweiter Vorsitzender des Salmenvereines. Es war seine Idee, im Schwanitzhaus eine Soiree über Künstler aus der Region anzubieten. Auch der Vortrag über Tomi Ungerer, den elsässischen Zeichner, Grafiker, Cartoonisten und Schriftsteller, der 2011 seinen 80. Geburtstag feiern konnte, war gut besucht.

Ungerer sei ein außergewöhnlich kreativer Mensch, der allein Zehntausende Zeichnungen erstellt habe, stellte Weeger fest. Davon konnten sich die Besucher selbst überzeugen, denn einige Kostproben wurden zum Anschauen verteilt. Dazu kommen viele Titelbilder für Zeitschriften und neben Kinderbüchern auch erotische Sujets und Karikaturen, die, legt man Ungerers Spruch "Ich bin ein Pendler zwischen heiler und geiler Welt" zu Grunde, zu seinem Image gehören.

Ein "Tomi", der Hans heißen sollte

Weeger zitierte aus dem Buch "Die Gedanken sind frei", wo beschrieben wird, wie Ungerer im Juni 1940 plötzlich Deutscher und später wieder Franzose wurde. Was ziemlich kompliziert war. Denn wegen seines Rufnamens "Tomi" gab’s Komplikationen mit den Nazis. Die bestanden nämlich darauf, dass er "Hans" heißen müsse. Nach seiner Odyssee durch Nordfrankreich ist Ungerer in den 50er-Jahren ohne Geld nach Amerika ausgewandert. Dort hat er viele Aufträge erhalten und Buch um Buch – gute und weniger gute – geschrieben. "Eigentlich konnte ich nur zeichnen und hatte einen Hang zum Schreiben", zitierte Weeger Ungerer und las auch gleich ausführlich aus dem Buch "Far Out isn’t Far Enough" vor, wie er später in Kanada mit Hilfe seiner Nachbarn das erste Schwein auf kanadische Art (zuerst an den Beinen aufgehängt) schlachtete, als er sich dort als Landwirt niedergelassen hatte.

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Weitere köstliche Begebenheiten im Leben von Ungerer, die bei dieser Vorlesung zu Tage kamen, wurden von den Zuhörern mit großer Heiterkeit quittiert. Besonders spannend war die Geschichte mit der Schlange "Crictor", die es fertiggebracht hatte, einen Einbrecher zu umwickeln und so lange festzuhalten, bis die Polizei eintraf.

Provozierende Bilder von Ungerer zeigte Weeger auch aus dem Buch "Party". Diese hatten gar den Protest einiger amerikanischer Pädagogen nach sich gezogen, weil sich diese Bilder für einen Kinderbuchautoren nicht gehören würden.

Seine Kindheit im Elsass beschrieb Ungerer in dem Buch "Die Gedanken sind frei". Genau wie seine Mutter konnte er nichts wegwerfen. Weswegen dieses Buch hauptsächlich aus Erinnerungen aus Ungerers Kindheit und aus seinen Eintragungen in seinen Schulheften entstand. Bereits dort hatte er schriftlich festgehalten, dass er ein Wanderer sein werde. Von klein auf wurde der spätere Cartoonist ermutigt zu zeichnen und zu schreiben, zumal er das "Nesthockerle" war, da seine Geschwister alle 10 und mehr Jahre älter waren als er. Ungerer war noch keine vier Jahre alt, als sein Vater Theodor starb. Weeger rezitierte aus seinem Buch "Es war einmal mein Vater" auch folgenden Satz: "Der Tod meines Vaters hat mir die Fähigkeit geschenkt zu leben." Auch dieser, der aus einer Uhrmacher-Dynastie stammte, war künstlerisch sehr begabt. Viele Zeichnungen von ihm existieren noch.

Paul Altenburger, Erster Vorsitzender des Salmenvereines, hatte seinen Stellvertreter Eddy Weeger mit dem Versprechen angekündigt, dass er den Besuchern Tomi Ungerer von einer ganz anderen Seite näher bringen werde. Das ist ihm auf jeden Fall gut gelungen. Hervorragend begleitet wurde der Vortrag durch die erfrischenden musikalischen Einlagen von Severin Stief auf dem Klavier.

Autor: Otmar Faller


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