06. Februar 2009 08:28 Uhr
Import aus Frankreich
Torhüter Simon Pouplin hat sich beim SC etabliert
Privat hat Simon Pouplin einiges über Mülltrennung gelernt, auch beruflich ist der Keeper des SC Freiburg längst angekommen. Der Franzose fühlt sich in Freiburg wohl. Und genießt dank seines Könnens große Akzeptanz

- Simon Pouplin baut darauf, mit dem SC den Sprung in die erste Bundesliga zu schaffen. | Foto: seeger
Ein bisschen sei er belächelt und mit Unverständnis konfrontiert worden, als er im vergangenen Sommer vom französischen Erstligisten Stade Rennes in den Breisgau übersiedelte. Nach Deutschland, und dann noch in die zweite Liga? Mittlerweile, sagt Pouplin, habe man in Westfrankreich aber kapiert, weshalb er den Schritt über die Grenze gewagt hat. Schließlich genügt ein Blick auf die Tabelle. Dort ist der SC Freiburg derzeit an der Tabellenspitze aufgeführt – und Simon Pouplin ist sich ziemlich sicher: "Wir können den Aufstieg schaffen."
Robin Dutt darf sich auf die Schulter klopfen. Mit Pouplin hat der SC Freiburg einen Top-Keeper zwischen den Pfosten. Jedenfalls sagt das die Statistik, die der Coach aus der Schublade zieht. Auf Platz fünf der Zweitliga-Schlussleute ist Pouplin dort notiert. 48 Bälle kamen demnach bisher auf seinen Kasten zugeflogen, 72,7 Prozent davon hat er abgewehrt. Ein Spitzenwert. Nur der Duisburger Tom Starke hat einen Wert von über 80 Prozent vorzuweisen, die drei Kollegen dazwischen liegen alle nur knapp vor Pouplin. "Er strahlt Sicherheit aus", sagt Robin Dutt über seine Nummer eins, "und verfügt über eine große Akzeptanz." Unumstritten sei er auf seiner Position. Wohl auch, weil Simon Pouplin nicht nur ein guter Fänger ist, er weiß auch mit dem Ball am Fuß etwas anzufangen.
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Das Eingewöhnen in der fremden Umgebung sei für ihn im Herbst einfach gewesen, sagt der stets modisch gekleidete Pouplin. Erstens sei die französische Heimat nah, zweitens sprächen einige SC-Spieler Französisch. Dass er mittlerweile mehr als respektabel Deutsch kann, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit: "Ich will schließlich mehr von meinem Gastland lernen, als hier nur Fußball zu spielen."
Wo er gelandet ist, hat Pouplin rasch registriert. "Freiburg sei nicht nur schön, sondern eine Stadt der Natur und der Ökologie", sagt der 23-Jährige, der sich deshalb auch schon mal mit dem Fahrrad fortbewegt. Und die Mülltrennung hat er auch verinnerlicht. Manches hat ihn zudem staunen lassen. Zum Beispiel, dass Nachbarschaftsverhältnisse gut ausgeprägt sind und die Post darauf vertraut: "Ich kenne es aus Frankreich nicht, dass Mitbewohner für mich Briefe entgegennehmen dürfen – und dies auch tun."
Über die Offensive zum Erfolg
Im Übrigen gefällt ihm auch, wie hierzulande Fußball gespielt wird. In Frankreich, sagt er, sei die Aufmerksamkeit mehr auf die Defensive gerichtet. Stets heiße es in der Taktikbesprechung: Sicherheit zuerst. In Deutschland sei dies anders: "Uns erklärt der Trainer immer, wie wir über die Offensive zum Erfolg kommen sollen." Das entspreche viel mehr seiner Auffassung des Fußballs. Was er noch schätzt: "Alles ist hier klar und straff organisiert." Ein bisschen deutsch eben. Diese Strukturen erleichterten aber auch vieles; "man weiß immer, was man zu tun hat".
Das Nächste, was Simon Pouplin machen möchte, ist in der ersten Liga zu spielen. Deshalb sei er schließlich in den Breisgau gekommen. Die Perspektiven des Sportclubs, wie sie ihm Trainer Dutt in den Wechselgesprächen aufgezeigt habe, hätten ihn überzeugt: "Die Mannschaft hat großes Potenzial."
Pouplin kann sich durchaus vorstellen, noch ein paar Spielzeiten in Freiburg zu bleiben. Doch langfristiges Planen ist seine Sache nicht. Der Fußball sei schnelllebig. Deshalb könne es gut sein, dass er später noch einmal eine andere Auslandsstelle ansteuere. Lernen und Erfahrungen sammeln, so könnte man Pouplins Lebensmotto umschreiben.
Sein in der Winterpause erlittener Muskelfaserriss ist übrigens vollends ausgeheilt. "Ich bin fit", sagt er und setzt ein schelmisches Grinsen auf. Schon heute Abend gegen den VfL Osnabrück will er mit seinem Mannschaftskameraden wieder einen weiteren Schritt in Richtung erste Liga tun. Und vermutlich werden dann in Rennes auch wieder ein paar Fernsehgeräte eingeschaltet werden.
Autor: Michael Dörfler





