Echo-Verleihung

Toten-Hosen-Sänger Campino greift umstrittene Rapper Kollegah und Farid Bang an

dpa/afp

Von dpa & afp

Fr, 13. April 2018 um 07:02 Uhr

Rock & Pop

Die Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Rapper Kollegah und Farid Bang haben die Verleihung der Echos überlagert. Toten-Hosen-Sänger Campino las den beiden Musikern die Leviten.

Drei Preise für Ed Sheeran, Rekord für Helene Fischer und viel Kritik an umstrittenen Rappern: Das war die Echo-Musikverleihung am Donnerstagabend in Berlin. Der große Gewinner des Abends war der Brite Ed Sheeran. Er wurde in den Kategorien Album des Jahres, Hit des Jahres und bester internationaler Künstler geehrt, nahm die Auszeichnungen aber nicht persönlich entgegen. Der 27-Jährige bedankte sich per Videobotschaft aus Japan.

Helene Fischer räumte in der Kategorie Schlager ab. Mit ihren inzwischen 17 Echos ist sie die Rekordhalterin. "Ich genieße diesen Erfolg gerade unfassbar", sagte die 33-Jährige auf der Bühne.

Für die größte Aufregung sorgte aber eine andere Auszeichnung: Die umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang gewannen den Echo in der Kategorie Hip-Hop/Urban National - nach einer Debatte über ihre als antisemitisch kritisierten Texte. Im Zentrum der Kritik steht die Textzeile "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen".

"Bei Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit ist eine Grenze überschritten" Campino
Toten-Hosen-Sänger Campino griff die beiden in seiner eigenen Dankesrede für die Auszeichnung seiner Band für den Preis in der Kategorie Rock national scharf an. Campino sagte, "im Prinzip halte ich Provokation für gut und richtig". Für ihn sei aber die Grenze überschritten, wenn es um frauenverachtende, homophobe Texte oder die Diskriminierung von Religionen gehe, sagte der Punkrocker unter Applaus des Publikums der Festgala. Er hoffe, dass die Diskussion über Kollegah und Farid Bang wieder zu einem anderen Bewusstsein führe, "was als Provokation noch erträglich ist und was nicht". Die Toten Hosen hatten zuvor den Preis als bester nationaler Rock-Act gewonnen.

"Ich will hier keine Politikdebatte daraus machen", sagte Kollegah zur Kritik. Campino habe sich als moralische Instanz aufgespielt, das gebühre einem so großen Musiker nicht, sagte Kollegah weiter als er den Preis auf der Bühne entgegennahm - und erntete laute Buh-Rufe und Pfiffe aus dem Publikum.



Die frühere Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zeigte sich entsetzt über den Echo für die Rapper. Es sei "ein verheerendes Zeichen", den wichtigsten deutschen Musikpreis an vermeintliche Künstler zu verleihen, die ein gesellschaftliches Klima bedienen, in dem Antisemitismus offenbar wieder normal sei, erklärte Knobloch in München.

Seinen ersten Echo gewann der Sänger Mark Forster. Der 34-Jährige erhielt den Preis in der Kategorie Künstler Pop national. "Ich hatte heute als ich hergekommen bin richtig Bock, einen Echo zu gewinnen", sagte er auf der Bühne. Forster war schon öfter nominiert, hatte aber noch nie gewonnen.

"Ich hatte heute als ich hergekommen bin richtig Bock, einen Echo zu gewinnen" Mark Forster
Zuvor hatten Alice Merton (Künstlerin Pop national), Milky Chance (Band Pop national) und Haiyti (Kritikerpreis) Preise abgeräumt. Wincent Weiss gewann die Auszeichnung als nationaler Newcomer. Luis Fonsi wurde als internationaler Newcomer geehrt. Der DJ Robin Schulz gewann den Echo in der Kategorie Dance national. Er konnte den Preis allerdings wegen Krankheit nicht selbst entgegennehmen.

Zwischendurch sorgten unter anderem die Popstars Kylie Minogue, Rita Ora, Shawn Mendes und Jason Derulo für musikalische Unterhaltung. Zwei eher ungewöhnliche Auftritte legte Fischer hin. Zuerst performte sie ihr Lied "Lieb mich dann" mit dem Jazzmusiker Götz Alsmann und dem Gitarristen Gregor Meyle. Später sang sie gemeinsam mit Luis Fonsi. "Wir vom Schlager sind einfach überall - auch da, wo niemand mit uns rechnet", sagte sie.

Die Nominierungen für den Echo ergeben sich aus den Verkaufszahlen der Musiker: Die fünf erfolgreichsten Künstler kommen auf die Liste. Eine 550-köpfige Jury entscheidet, wer gewinnt. Zu den Juroren gehören Journalisten, Händler, Produzenten, ehemalige Preisträger und Nominierte sowie Label-Vertreter.

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