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17. Oktober 2013

Treppe japanischer Bauart

Buddhistisches Zentrum gestaltet neue Räume nach eigenem Gusto und holt sich einen Fachmann.

  1. In einer aufwändigen traditionellen japanischen Technik baut Mathieu Peeters mit handsigniertem Werkzeug eine Treppe, die zugleich die Handwerkskunst des Vorbesitzers mit dem gedanklichen Hintergrund der Buddhistischen Gemeinschaft verbinden soll, der das Gebäude inzwischen gehört Foto: Karin Stöckl-Steinebrunner

HERRISCHRIED. Im Buddhistischen Studienzentrum in Großherrischwand herrscht derzeit reges Treiben. Die ehemaligen Gebäude der Firma Hotzenholz werden gerade dem neuen Besitzer angepasst. Zu Gast ist deswegen ein belgischer Handwerker, der eine Treppe in traditioneller japanischer Bauweise anfertigt.

Der Johanneshof als Ort, an dem Zen-Buddhismus in Praxis und Lehre alltäglich angeboten und gelebt wird, bietet außer dem Eintauchen in einen klösterlichen Tagesablauf auch persönliche Rückzugsmöglichkeiten außerhalb des klösterlichen Zeitplans, etwa in Form von Seminaren aus den Bereichen Psychologie und Körperarbeit an.

Durch die Erweiterung des Platzangebotes kann der Johanneshof künftig auch regelmäßig eine jährliche 90-tägige Praxisperiode abhalten, die gerade zum ersten Mal stattfindet und deren Besonderheit es ist, dass die Praktizierenden den Hof die ganze Zeit über nicht verlassen. Im oberen Teil des ehemaligen Holzbaubetriebs soll ein Meditationsraum entstehen. Hier wird von Mitgliedern der Vorgängerfirma, die noch in der Gegend tätig sind, eine Außenwand versetzt, um den vorhandenen Raum zu erweitern. Im unteren Teil wird eine Verbindungstreppe eingefügt, um den großen Seminarraum, der neu entstehen soll, an die übrigen Stockwerke anzubinden.

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Diese Treppe baut ein belgischer Experte in einer traditionellen japanischen Technik. Damit, so der Abt des Johanneshofes Richard Baker, wird schon rein optisch die Verbindung geschaffen zwischen der Handwerkskunst, die Vorbesitzer Wolfram Graubner in das Gebäude eingebracht hat, und der Ausrichtung des Johanneshofes am Zen-Buddhismus.

"Hätte Wolfram Graubner das Gebäude nicht auf einem derart hohen gedanklichen wie handwerklichen Niveau erstellt, auf dem wir aufbauen können, dann wäre diese Treppengestaltung gar nicht denkbar gewesen", erklärt Baker.

Er habe die Idee Graubners übernommen, die Treppen im Gebäude nicht gradlinig, sondern verschachtelt mit mehreren Richtungswechseln von einer Etage zur nächsten quasi fließend zu gestalten. Die neue Treppe sollte ein Widerhall dieser Idee in Kombination mit traditioneller japanischer Architektur werden. Das handwerkliche Know How zur Verwirklichung liefert Mathieu Peeters.

Peeters lernte die japanische Treppenbaukunst bei einem Amerikaner, der seinerseits in Japan ausgebildet worden war. Sechs Wochen Vorarbeit waren nötig, um die Grundbausteine der Konstruktion zu fertigen, bei der außer zwei holzverkleideten Bolzen, der statisch erforderlichen Verbindung zum tragenden Balken, kein einziges Metallteil Verwendung findet. Stattdessen wird die Treppe von einem ausgeklügelten System von Steck- und Schiebeverbindungen innerhalb des Holzes selbst gehalten. Drei Wochen arbeitet Mathieu Peeters in Großherrischwand, um die Feinheiten abzustimmen.

Peeters benutzt spezielles Werkzeug, seine Tätigkeit besteht fast nur aus Handarbeit. Das Eschenholz, aus dem die Treppe besteht, wird gehobelt, was ihm eine samtweiche Oberfläche verleiht, die zugleich eine natürliche Versiegelung darstellt. Faszinierend findet Richard Baker die Sorgfalt, mit der Peeters arbeitet. Er mutmaßt, dass das damit zusammenhängt, dass japanische Werkzeuge immer zum Benutzer hin gezogen werden.

Autor: Kerstin Steinebrunner