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14. Mai 2010
Triathlet Andreas Niedrig
Der ehemalige Junkie
Menschen und Sport: Andreas Niedrig hat eine ganz besondere Beziehung zum Sport.
TRIATHLON. "Ich weiß, wie sich die Hölle anfühlt", sagt Andreas Niedrig. Als Jugendlicher war er sieben Jahre drogensüchtig. Er fühlte sich damals wie von der Band BAP in dem Lied "Do kanns zaubere" besungen: Es ist zu spät, der Typ ist fertig, ne, den Typ, den kriegste wirklich nicht mehr hin.
Mehrere Therapien hatte er abgebrochen, die Ärzte gaben die Hoffnung auf. Als er nicht mehr tiefer sinken konnte, begann er Sport zu treiben. Erst nur wenige Minuten am Tag, dann immer intensiver. Ja, da war er, der Ausweg aus dem Teufelskreis, das Schlupfloch. Er schwamm, radelte und lief – und nahm schließlich an einem Triathlon teil. Er entdeckte sein Talent für den Ausdauerdreikampf. Der Sport gab ihm die Kraft, die Fesseln der Sucht abzustreifen.
Der ehemalige Junkie wurde einer der besten deutschen Langstrecken-Triathleten: 2001 war er Zweiter beim Ironman in Roth und Siebter beim Ironman Triathlon auf Hawaii. Ein Jahr später belegte er den zweiten Platz beim Ironman Florida. Geoutet hatte er sich schon viel früher, in dem Buch "Vom Junkie zum Ironman", das im Jahr 2000 erschienen war. Das Echo war enorm. Wochenlang war er in TV-Shows zu Gast, seine Geschichte erschien in Zeitungen und Magazinen. Er ging in Schulen, erzählte von Drogen und Sucht und wie man dem entkommen kann.
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2007 kam eine überarbeitete Version seines Buchs auf den Markt, die er größtenteils selbst geschrieben hat. Der Autor der ersten Auflage war Jörg Schmitt-Kilian gewesen, mit dem Ergebnis war Niedrig nicht zufrieden. Ein Schnellschuss sei das gewesen, sagt er, zudem gab es Streit ums Geld.
Der Medienrummel um ihn hat sich wieder gelegt. Gefragt ist Andreas Niedrig aber nach wie vor. Seine Lebensgeschichte wurde verfilmt. "Lauf um dein Leben", heißt der Streifen, der 2008 in die Kinos kam. "Es war mir wichtig, dass der Film keine Heldengeschichte wird", sagt Niedrig. Authentisch sollte er sein, sofern das überhaupt möglich ist, wenn zwei Jahrzehnte in 103 Minuten zusammengefasst werden. "Der Film soll an die Werte der Gesellschaft appellieren und Verständnis dafür schaffen, wie man in so was reinrutschen kann".
Wenn es ihm besser ging, nahm er trotzig immer wieder an Triathlonrennen teil. Bei einem Rennen in Südafrika lief ihm auf der Radstrecke ein Mädchen in die Quere, beim Ausweichmanöver zog er sich einen Muskelfaserriss im Gesäß zu. Der liebe Gott will einfach nicht, dass ich weiterhin Triathlon mache, dachte er damals. "Ich bin in dieser Zeit voll gepumpt worden mit Medikamenten", sagt er, "das war die Hölle". Eine Hölle, die er von früher kannte. Von seiner Sucht. Aber auch dieses Mal entkam er ihr.
42 Jahre alt ist Andreas Niedrig, mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt er in Oer-Erkenschwick, wo er auch aufgewachsen ist. Vom Triathlonsport kann er noch immer nicht lassen. 2008 nahm er an vier Rennen teil und siegte zweimal. Im vergangenen Sommer gewann er den Westfalentriathon, er war Achter beim Ironman Louisiana (USA) und startete im Oktober bei der Mutter aller Triathlonrennen: dem Ironman Triathlon auf Hawaii. "Sport bin ich, ich bin der Sport", sagt er.
Autor: Jürgen Ruoff
