Die Verlockung einer kurzen Schwimmstrecke

Lukas Karrer

Von Lukas Karrer

Mi, 09. Mai 2018

Triathlon

Die zehnte Auflage des Rheinfelder Triathlons lockte mit kurzen und langen Distanzen.

TRIATHLON. Verlockender könnte es kaum klingen. Bei sommerlichen Temperaturen ins Wasser springen, ins erfrischende Nass tauchen, sich ein bisschen treiben lassen. Doch sich im Wettkampf den Weg durch das Wasser zu bahnen, unter Druck von Zeit und Konkurrenz, ist weitaus weniger entspannend. Und doch können dieser Herausforderung zahlreiche Sportler einen gewissen Reiz abgewinnen. Nicht so Sebastian Retzlaff. Schwimmen zählt nicht gerade zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Doch als Triathlet lässt sich der Sprung ins Wasser kaum vermeiden, und daher schwamm auch der Sportler des TV Grenzach regelmäßig gegen Zeit, Konkurrenz und seinen inneren Schweinehund, nahm zweimal am Ironman auf Hawaii teil.

Doch dank des Duathlons hat Retzlaff mittlerweile eine passende Alternative gefunden. "Ich wollte in meiner Freizeit ausschließlich noch Dinge tun, die mir Spaß machen", erklärt Retzlaff, warum er bereits vor Jahren zum Duathlon gewechselt ist. Auch der Zwei-Disziplinen-Wettbewerb ist in drei Abschnitte eingeteilt – Laufen, Radfahren, Laufen. Kein Schwimmen. Das überzeugte Retzlaff, der sich 2012 den deutschen Meistertitel über die Duathlon-Langdistanz sicherte.

In Rheinfelden, im Rahmen des zehnten Sparkassen-Triathlons, überquerte Retzlaff nach Rang fünf im Vorjahr die Ziellinie im Europastadion diesmal als Erster. Für fünf Kilometer Laufen, 43 km Radfahren und elf km Laufen benötigte er 2:10:46 Stunden. "Insgesamt bin ich doch sehr zufrieden mit meiner Zeit. Gerade auf dem Rad habe ich mich sehr wohlgefühlt", sagte Retzlaff, der sich gegenüber 2017 um 1:27 Minuten gesteigert hat. Die Konkurrenz konnte dem Grenzacher nicht folgen, erst 8:54 Minuten später kam der zweitplatzierte Schweizer Roman Mundschin ins Ziel.

Allerdings war das Teilnehmerfeld im Duathlon auf nur 15 Männer geschrumpft (Vorjahr: 32). Bei den Frauen waren sogar erneut nur zwei Athletinnen am Start, abermals siegte Sonja Koglin vom TV Grenzach und verbesserte ihre Siegerzeit um 4:02 Minuten auf 2:36:18 Stunden.

"Leider ist es uns nicht gelungen, die Duathlon-Szene mehrheitlich an den Start zu bringen", kommentierte Hans Winzen, Vorsitzender des Veranstalters Triathlon Team Rheinfelden, die überschaubare Konkurrenz. Es war ein kleiner Wermutstropfen auf ein zufriedenstellendes Resümee. Für den Schwund an Teilnehmern im Duathlon sah Retzlaff zwei Hauptgründe: "Am selben Tag fanden Konkurrenzveranstaltungen statt, und die Schwimmdistanz in der olympischen Disziplin war sehr kurz." So vermutet er, dass sich angesichts einer recht kurzen Wasserstrecke (700 m) viele schwächere Schwimmer, die eher dem Duathlon zugeneigt sein dürften, diesmal für den Triathlon entschieden hatten.

So fand die Olympische Distanz mit insgesamt 195 Teilnehmern (161 Männer/34 Frauen) die größte Resonanz der vier Disziplinen. Dass Thomas Bosch die Herausforderung von 700 Meter Schwimmen, 43 Kilometer Radfahren und elf Kilometer Laufen in hohem Tempo meistern kann, hatte der Triathlet des Bundesligateams Neckarsulmer Sportunion bereits vor zwei Wochen bei seinem Triumph in Backnang demonstriert. In Rheinfelden setzte sich der favorisierte Bosch in einer Zeit von 1:55:48 Stunden durch. Die Entscheidung um die weiteren Podestplätze fiel erst auf der Zielgeraden, Richard Westover (Tri-Sport Lübeck/ +1:57 Minute) verwies den Schweizer Samuel Jud (LC-Meilen TRI-Team) um vier Sekunden auf den dritten Rang.

Als erster Athlet aus der Region kam Magnus Gohn als 16. ins Ziel, exakt 14 Minuten nach Bosch, ein beeindruckender Auftritt des Triathleten der Turnerschaft Langenau. In seiner Altersklasse 30 waren nur vier Athleten schneller. Auf (Gesamt-)Rang 26 folgte Bernd Striegler vom TriTeam Hochrhein (2:12:53), die Top-50 verpasste Mike Rosenkranz (SG Rheinfelden/2:22:10) um einen Platz. Schnellster Athlet des Veranstalters Triathlon Team war Tobias Hacuk (55./2:23:01). Bei den Frauen erreichte Nina Möbius (Langenau) in 2:26:05 den sechsten Platz, sie blieb 17:03 min hinter der Siegerin Karoline Brüstle (Mengens Triathleten) und gewann die TW 35.

Turnerschaft Langenau Dritter der Landesliga

Im Rahmen der Volksdistanz trug die Landesliga Süd in Rheinfelden ihren zweiten Saison-Wettkampf aus, das Quartett der Tsch Langenau – Daniel Wiesner, Daniel Spitzer, Moritz Kuhnert und Nils Schmidt – belegte unter 14 Teams Platz drei. Die Langenauer hätten "ein sehr überlegtes Rennen" geliefert, resümierte Trainer Hubert Klemm, die angedachte Taktik sei voll aufgegangen. Im Schwimmen (400 m) wurde Routinier Wiesner "im Wasserschatten seiner Mannschaft zu einer Top-Zeit mitgezogen", so Klemm. Die gesparten Körner nutzte Wiesner, um auf der 21,5 km langen Radstrecke mit bis zu zwölf Prozent Steigung das Tempo zu machen. Das Langenauer Quartett erzielte die beste Radzeit, behauptete auf der 5,5 Kilometer langen Laufstrecke seine Position und kam nach 1:08:26 Stunden auf Rang drei ins Ziel.

Ein erfreulicher Wettkampftag nicht nur für die Langenauer – Rennleiter Gunter Kunze verwies auf einen positiven Aspekt: der hohe Anteil an weiblichen Starterinnen, "hier haben wir im Vergleich zu den vergangenen Jahren zulegen können", sagte er. So nahmen allein in der Volksdistanz (120 Starter) 40 Frauen teil, schnellste war die ehemalige Langenauerin Céline Kaiser (Wildcats Swiss Triathlon Team/SV Basel) in 1:09:23 Stunden.

Im kommenden Jahr steht für den Rheinfelder Triathlon die elfte Auflage an. Ob Duathlon-Sieger Sebastian Retzlaff seinen Hattrick anpeilen kann? Noch stehe nicht fest, ob es auch nächstes Jahr wieder einen Duathlon geben werde, merkte Hans Minzen an. Zur Not muss Sebastian Retzlaff vielleicht doch noch einmal den Sprung ins Wasser wagen.