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07. September 2010

Ganz dicht dran an der Perfektion

Sebastian Retzlaff erreicht beim Duathlon in Zofingen Rang neun.

  1. Geschafft! Der Grenzacher Sebastian Retzlaff hat den Powerman in Zofingen soeben in persönlicher Bestzeit bewältigt. Foto: kirsten stenzel maurer

DUATHLON. Der Gang fällt schwer, jeder Muskel schmerzt, doch Sebastian Retzlaff genießt diesen Zustand totaler Erschöpfung. Einen Tag nach dem Powerman-Spektakel in Zofingen, dem Saisonhöhepunkt für die weltbesten Langdistanz-Duathleten, spürt der Grenzacher dieses Glücksgefühl, das nun über Wochen sein verlässlicher Begleiter sein wird. "Diese Sache gibt mit Energie für das gesamte Leben", sagt Retzlaff. Diese Sache ist ein Traum, dem er seit fast einem Jahrzehnt nachläuft und der sich am Sonntag erfüllt hat: Platz neun in Zofingen, einstellig bei der inoffiziellen Duathlon-WM in der Schweiz.

Und dann noch diese Zeit als Zugabe: Als Retzlaff nach 6:49,16 Stunden die Ziellinie quert, hatte er seine persönliche Bestmarke bei seiner zwölften Teilnahme in Zofingen um sechs Minuten verbessert. "Das Wetter hat schnelle Zeiten fast garantiert", sagt er. Trocken und nicht zu heiß – es herrschten perfekte Bedingungen für die mehr als 300 Teilnehmer des Langdistanz-Wettbewerbs auf den drei Teilstrecken Lauf (10 Kilometer) – Rad (150 Kilometer) – Lauf (30 Kilometer).

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Nachdem Retzlaff im Vorjahr auf der zweiten Laufstrecke einen veritablen Einbruch erlebt hatte, gestaltete er in dieser Saison seine Vorbereitung um: Mehr Training, weniger Wettkämpfe, lautete die Devise. Die Ungewissheit, wo der 38-jährige Ausdauerspezialist des TV Grenzach leistungsmäßig steht, wich im Wettkampf spätestens auf dem Rad der Gewissheit, mit der Weltspitze mithalten zu können.

Vorne hatte sich früh ein Trio mit dem späteren Sieger Andy Sutz aus der Schweiz (6:19,03) abgesetzt. Dahinter führte Retzlaff das kleine Verfolgerfeld im Kampf um Platz vier lange Zeit an, ehe er nach 135 Radkilometern erste Krampfansätze spürte und die Gruppe ziehen lassen musste. "Ich wusste ja, was mich anschließend noch erwartet."

Lörracher Daniel Wiesner Zweiter auf der Kurzdistanz

Nachdem Retzlaff als Achter wieder in die Laufschuhe geschlüpft war, setzte ihm bei Laufkilometer 3 ein starker Krampf im Oberschenkel zu. "Das Ding ging einfach nicht weg", stellt Retzlaff fest. Er musste zeitweise gehen, nahm alles an Nahrung zu sich, was sein Körper in kurzer Zeit vertragen konnte. Und es erholte sich wieder, auch nach ähnlichen Krampfattacken bei Kilometer 6 und 12. Zwischenzeitlich auf Rang elf zurückgefallen, kämpfte er sich wieder nach vorne – und erblickte eineinhalb Kilometer vor dem Ziel den auf Rang neun liegenden Dänen Kenneth Poulsen. Nun zahlte sich seine behutsame Saisonplanung aus. "Ich hatte noch richtig Feuer in mir und genügend Reserven." Retzlaff überholte den Dänen und schaffte als bester Deutscher erstmals eine einstellige Platzierung. "Das war schon nahe an der Perfektion."

Ob er mit 39 noch ein bisschen schneller kann? Retzlaff hat Familie (eine sehr verständnisvolle im übrigen), er arbeitet als Bankkaufmann, sein Zeitbudget ist begrenzt. Und doch soll er jetzt aufhören, wo er noch nie so gut war? Im kommenden Jahr könnte nach zwei Jahren Pause wieder eine offizielle Langdistanz-WM stattfinden. Sogar in Zofingen und damit fast vor seiner Haustür. "Das wäre schon ein großer Reiz", sagt Retzlaff.

Einen sehr guten Eindruck hinterließ auf der Kurzdistanz (10/50/5 Kilometer) Daniel Wiesner aus Lörrach. Der Triathlet vom Tri-Team Hochrhein kam in 2:14,09 Stunden auf Rang zwei, nur 35 Sekunden hinter dem Schweizer Sieger Lukas Gehring. Wiesner konnte auf dem Rad zwischenzeitlich zu Gehring aufschließen.

Autor: Matthias Kaufhold