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16. Dezember 2011
"Uns stehen die Türen offen"
BZ-Interview mit Jörg Scheiderbauer über Triathlon, Mountainbike-Weltcup und Mountainbike-Marathon-Challenge.
Im Sportkalender des Jahres 2012 wird der Offenburger Triathlon wohl fehlen. Es steht nur noch die offizielle Bestätigung für dessen Absage aus. Terminschwierigkeiten im Sommer sind der Grund für diese Entwicklung, wie der Veranstalter Jörg Scheiderbauer von der Firma Scheiderbauer Sports im Gespräch mit Uwe Schwerer erklärte. Aber er hegt die Hoffnung, dass der Mountainbike-Weltcup wieder nach Offenburg kommt.
BZ: Der Triathlon in Offenburg findet im kommenden Jahr nicht statt?Scheiderbauer: Im Moment sehe ich es eher als schwierig an. Die Problematik liegt im Terminkalender 2012, auch durch uns selbst bedingt. Wir haben die Mountainbike-Marathon-Challenge wegen des Naturschutzes auf den 7. und 8. Juli verschoben. Das ist unsere größte Veranstaltung, deshalb war es uns wichtig, dass die funktioniert. Im Juli gibt es schon einige große Mountainbike-Events. Wir wollten die anderen Veranstalter auch nicht verärgern, deswegen war es sehr schwierig, zunächst einmal einen guten Termin für die Mountainbike-Challenge zu finden. Und die Challenge platzt jetzt in ein Wochenende rein, an dem der Triathlon hätte stattfinden sollen. Das nächste Problem sind die Olympischen Spiele, die Ende Juli beginnen. Deshalb wird es sehr schwierig, Profis zu verpflichten. Man darf nicht vergessen: Unser Triathlon ist kein Weltcup, da muss man sich schon bemühen, dass man an die Profis rankommt. Und wenn wir den Profi-Wettbewerb nicht anbieten können, machen wir auch den Jedermann-Triathlon nicht. Das hängt zusammen.
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BZ: Triathlon in Offenburg gibt es dann erst wieder im Jahr 2013?
Scheiderbauer: Es sieht tendenziell so aus, dass wir es erst wieder 2013 machen. Es gab Überlegungen, den Triathlon im kommenden Jahr am Wochenende nach der Mountainbike-Challenge zu veranstalten, aber wir trauen uns das nicht zu. Man muss sich vor Augen halten, dass wir dort in diesem Jahr fast 3000 Teilnehmer hatten. Wir kriegen das nicht auf die Reihe, wir würden uns auch organisatorisch kaputtmachen. Die Mountainbike-Challenge war eine Riesennummer, einer der größten Marathons in Deutschland und Europa – und nach sieben Jahren, in denen er im Mai stattfand, nehmen wir den und knallen ihn in den Juli rein. Das nächste Problem ist, wir haben im Moment das drittbeste Mountainbike-Team auf der Welt. Da haben wir fünf Olympia-Kandidaten, zum Beispiel Adelheid Morath. Dazu kommt, dass wir auch selbst in London sein werden.
BZ: Haben Sie bewusst in Kauf genommen, dass der Triathlon den anderen Prioritäten zum Opfer fällt?
Scheiderbauer: Die Gefahr war da. Es war schon damit zu rechnen, dass das passieren könnte. Die Veranstaltung findet ja auch in Offenburg statt. Wenn sie in Holland oder sonst wo gewesen wäre, sähe das anders aus.
BZ: Im Jahr 2012 muss die Region bekanntlich auf den Weltcup verzichten. Wie stehen die Chancen, ihn 2013 wieder zu bekommen?
Scheiderbauer: Momentan ist diese Frage komplett offen. Wir stellen, was gar nicht so bekannt ist, als Agentur auch LED-Wände auf. Zum Beispiel im nächsten Jahr beim Weltcup-Rennen in La Bresse in Frankreich. Die haben im Prinzip unseren Platz eingenommen. Wir stehen mit dem Veranstalter dort in Kontakt. So wie es aussieht, werden die sich 2013 nicht bewerben, aber da muss man abwarten. Das wird dort ein sehr starker Weltcup. Die werden richtig viel Geld investieren, wir kriegen das ja mit. Wir bauen dort drei LED-Wände auf, in Offenburg hatten wir nur eine. Alleine beim Entertainment nehmen die das Dreifache von uns in die Hand. Ich glaube, es besteht die Chance, dass wir 2013 auch wieder zum Zug kommen mit Offenburg, wir wollen das auch wieder versuchen. Aber ich glaube, dass der Weltcup, so wie er war, in den letzten Jahren gelaufen ist, künftig auf ein anderes Niveau gehoben werden muss.
BZ: Was heißt das?
Scheiderbauer: Die ganze mediale Vermarktung wird eine große Rolle spielen. In Frankreich haben sie mit Servus-TV einen Vertrag abgeschlossen. Da geht was. Wir dürfen da nicht schlafen. Aber wir wurden dieses Jahr als zweitbeste Weltcup-Veranstaltung bewertet, obwohl wir 2012 nicht dabei sind. Der Veranstalter in Nove Mesto in Tschechien, der gewonnen hat, war aber klar besser als wir. Die hatten mehr Zuschauer, mehr Livebilder, mehr Kameras, die haben einfach mehr Gas gegeben. Und wir sind hier begrenzt. Ich habe einen Haushalt, mit dem ich seriös arbeiten muss. Die UCI gibt Bewertungen zu den Weltcups ab, das letzte Fazit dort heißt: Der Weltcup in Offenburg zählt mit zu den Besten in der Welt. Deshalb stehen uns die Türen meiner Meinung nach offen. Man merkt auch, dass die Stadt Offenburg dieses Event unbedingt wieder haben möchte. Im Übrigen ist es auch eine Katastrophe für die starke deutsche Zweirad-Industrie, dass im kommenden Jahr kein Weltcup in Deutschland gefahren wird. Wir werden schon versuchen, ihn wieder zu bekommen, wenn es finanziell machbar ist. Aber grundsätzlich ist es gut, dass es 2012 ruhiger wird, dann können wir uns erholen. Es war ein Riesenstress in diesem Jahr.
Autor: bz


