Trockenheit macht Höfen im Außenbereich zu schaffen

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Do, 08. November 2018

St. Märgen

Durch die heißen Sommer wird die Wasserversorgung auf Höfen rund um St. Märgen zum Problem / Gemeinderat stimmt für ein Strukturgutachten.

ST. MÄRGEN. Wasser ist ein kostbares Gut. Das allerdings vergisst man hin und wieder, weil hierzulande Wasser einfach aus dem Hahn fließt. Doch das war zumindest bei sieben Höfen im Außenbereich angesichts des langen, trockenen Sommers nicht immer der Fall, berichtete St. Märgens Bürgermeister Manfred Kreutz in der Ratssitzung am Dienstagabend. Deshalb warb er darum, ein "Strukturgutachten – Wasserversorgung" für die Gemeinde in Auftrag zu geben, was nach längerer Diskussion schließlich einstimmig beschlossen wurde.

"Die Klimaerwärmung ist bittere Realität", sagte Kreutz. Acht der heißesten Sommer in 50 Jahren seien in den vergangenen zehn Jahren gemessen worden, was teils zu einer Wassernot in den Außenbereichen geführt habe. "Wasserversorgung ist Daseinsfürsorge und weit wichtiger als die Versorgung mit schnellem Internet", machte Manfred Kreutz das Problem deutlich. Aufgabe der Gemeinde sei es, alle seine Bürger auskömmlich mit Wasser zu versorgen, sowohl in Quantität als auch hoher Qualität. "Das war in diesem Sommer bei einigen Familien nicht gegeben."

Bei einem Ausbau des Wassernetzes fordert das Landratsamt ein Strukturgutachten, machte Michael Hölzle von der Firma Zink Ingenieure klar. Nur so sei gewährleistet, dass Fördermittel gewährt würden, für die Gemeinde St. Märgen immerhin in Höhe von 77 Prozent. Langfristiges Ziel müsse es sein, alle Bürger, vor allem auch die in den Außenbereichen wie Schweighöfe oder Glashütte, mit Wasser zu versorgen, mithin strukturelle Defizite zu beseitigen. "In diesem Gutachten werden wir die Versorgungssituation für die nächsten 30 Jahre betrachten", so der Fachmann. "Wir brauchen einen Masterplan", ergänzte Manfred Kreutz.

Bis spätestens Mitte des kommenden Jahres will Michael Hölzle das Gutachten präsentieren. Dabei soll nicht nur das bestehende Wassernetz betrachtet werden. "Wir werden auch prüfen, ob Höfe im Außenbereich nicht mittels Verbundleitungen an Wassernetze von Gemeinden wie St. Peter, Buchenbach oder Breitnau angeschlossen werden können", sagte der Ingenieur, der diesbezüglich mit den Verantwortlichen dieser Gemeinden das Gespräch suchen wird. Reichen die Wasserschutzgebiete? Können Betriebspunkte reduziert werden? Sind örtliche Wasservorkommen zusätzlich nutzbar? Können neue Quellen erschlossen werden? Das sind nur einige der Fragen, die im Strukturgutachten beantwortet werden sollen. Und am Ende stehen Lösungsansätze mit einer Prioritätenliste, machte Michael Hölzle deutlich. "Diese werden wir dann in den Folgemonaten im Rat diskutieren und, falls nötig, Schritt für Schritt umsetzen", sagte Manfred Kreutz.

Auch wenn letztlich das Gutachten einstimmig in Auftrag gegeben wurde, war es zunächst nicht unumstritten. "Ich bin inzwischen allergisch gegen Gutachten. Sie kosten einen Haufen Geld und bringen nichts", sagte Gerhard Dold. Herbert Mark regte an, neue Quellen zu fassen. Und er fragte, ob im Zuge des Ausbaus von Leitungswasser auch das Abwasser berücksichtigt werde. "Nein, Abwasser ist nicht Bestandteil des Gutachtens", antwortete Michael Hölzle. Die Frage war zudem, ob ein weiterer Ausbau des Wassernetzes für die Gemeinde finanzierbar sei. "Wir können tatsächlich nicht Millionen Euro ausgeben, um die Außenbereiche zu versorgen. Aber Schritt für Schritt muss etwas passieren", machte der Bürgermeister deutlich. Denn wichtig sei, die Besiedlung in den Außenbereichen, das sind immerhin rund 200 Höfe, zu sichern. "Wir brauchen dort langfristig verlässlich qualitativ gutes Wasser, sonst stagniert dort die Besiedlung oder geht zurück. Das können wir nicht wollen."

Für das Gutachten nimmt die Gemeinde ordentlich Geld in die Hand. 20 000 Euro sind veranschlagt, wovon das Landratsamt 50 Prozent übernimmt. Wie hoch die Kosten für den Ausbau des Wassernetzes letztlich ausfallen, ist offen. Das Gutachten werde darüber eine grobe Schätzung abgeben.