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14. November 2009 17:55 Uhr

Rathausplatz

Rheintalbahn: 2000 Demonstanten und drei Schafe

Der Protest gewinnt an Fahrt: Knapp 2000 Menschen aus ganz Südbaden haben in Freiburg gegen die Pläne für den Ausbau der Rheintalbahn demonstriert - und für besseren Lärmschutz.

  1. „Baden 21“ – Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon sprach vor den Demonstranten. Foto: dpa

Die Frist endet in knapp drei Wochen. Bis dahin kann jeder Einwendungen gegen die Pläne der Deutschen Bahn AG zum Ausbau der Rheintalbahn im Freiburger Planungsabschnitt schreiben. Um den Protest gegen das Jahrhundertbauwerk zu untermauern, zogen am Samstagnachmittag knapp 2000 Menschen in einem Sternmarsch zur Großkundgebung auf dem Rathausplatz. Mit dabei waren Betroffene aus der gesamten Region, auf der Bühne standen Politiker fast aller Parteien. Die Bürgerinitiativen warfen der Bahn Lügen und bewusste Täuschungen vor.

Die Demonstranten machten bei der Großkundgebung das, was sie in Zukunft vermeiden möchten: Lärm. Mit Pfeifen und Tröten und am Schluss mit einer umgedichteten Version des Badnerlieds protestierten sie so laut gegen die Pläne der Bahn, dass sich mancher Demonstrant Stöpsel und Papiertaschentücher in die Ohren stopfte. Wenn künftig die Züge auf der neuen Güterbahntrasse an den westlichen Freiburger Stadtteilen vorbei rauschen, könnte es auch laut werden. Die Bürgerinitiativen und auch die Stadtverwaltung Freiburg fordern deshalb mehr Lärmschutz. Aber nicht nur die Menschen werden unter dem Zuglärm leiden. Deshalb nahmen stellvertretend auch drei Schafe vom Tiergehege Mundenhof an der Kundgebung teil. Dort führt die Trasse direkt vorbei, die Stadtverwaltung fürchtet um das Naherholungsgebiet.

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Es war die vierte Großdemonstration, zu der die Bürgerinitiativen eingeladen hatten. 2006 protestierten 3500 Menschen in der Stadt Offenburg, die in der Region am stärksten von den Bahnplänen betroffen ist. Im vergangenen Jahr kamen 1500 Demonstrierende nach Lahr, in Freiburg machten im Jahr 2007 rund 1000 Menschen ihrem Unmut Luft. Diesmal waren es fast doppelt so viele. Denn das Verfahren ist inzwischen auch hier in der heißen Phase angekommen. Der Protest spitzt sich deshalb weiter zu. Vor allem auch, weil die Bahn mittlerweile den Lärmschutz entlang der neuen Güterbahntrasse noch weiter reduziert hat. In den aktuellen Plänen sind im 17 Kilometer langen Freiburger Abschnitt mehrere hundert Meter Schallschutzwände weniger vorgesehen, die verbliebenen sind zudem um durchschnittlich 1,5 Meter geschrumpft. "Das ist ein Skandal und eine Ohrfeige für die Politik", sagte Adalbert Häge von der Bürgerinitiative Igel. Er warf der Bahn "Täuschungsmanöver und Lügen" vor und nannte sie "Betrüger".

HÄGE: "DIESE PLÄNE AKZEPTIEREN WIR NIE UND NIMMER"

"Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen", sagte auch Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon kämpferisch. Es sei ein Unding, dass die Bahn Planungen vorschlage, "die aus dem 19. Jahrhundert stammen". Salomon forderte, den Schienenbonus abzuschaffen, der es der Bahn erlaubt, mehr Lärm zu machen als der übrige Verkehr. Solidarität forderte der OB auch von der Landesregierung: "Wer Stuttgart 21 Geld gibt, muss auch Geld geben für Baden 21", sagte Salomon in Anlehnung an die beiden großen Verkehrsprojekte im Land. Dies sicherte Finanzstaatssekretär Gundolf Fleischer in seiner Rede zu. Auch Noch-Ministerpräsident Günther Oettinger habe in einem Telefonat bestätigt, dass das Land die Region nicht im Stich lassen werde, berichtete Dorothea Störr-Ritter, Landrätin des Kreises Breisgau-Hochschwarzwald.

Kritik gab es von den Bürgerinitiativen auch am Regierungspräsidium: Dieses hält am Ablauf der Genehmigungsverfahren fest, obwohl derzeit noch über alternative Trassen diskutiert wird. Der Protest werde deshalb weiter gehen, sagte Igel-Sprecher Adalbert Häge: "Die derzeitigen Pläne akzeptieren wir nie und nimmer." Zur Not werde die Bürgerinitiative auch vor einem Gang vor das Bundesverwaltungsgericht nicht zurückschrecken.

 

Autor: Beate Beule