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17. Juni 2012 13:04 Uhr

Gruppe A

Tschechien und Griechenland im Viertelfinale

Die möglichen Viertelfinalgegner Deutschlands stehen fest: Tschechien hat mit einem 1:0 gegen Polen die Gruppe A der EM gewonnen. Die Griechen warfen Russland mit einem 1:0 aus dem Turnier und ziehen als Zweite ins Viertelfinale ein.

  1. Torschütze Petr Jiracek (links) feierte mit seinem Mannschaftskollegen Milan Baros seinen entscheidenden Treffer. Foto: AFP

  2. Die griechischen Fans feierten den Erfolg ihrer Mannschaft in Athen. Foto: AFP

EM-Aus für Geheimfavorit Russland, Griechenland darf sensationell in der "Euro-Zone" bleiben: Der Ex-Europameister bezwang die überhebliche Sbornaja nach einer beeindruckenden Defensivleistung in bester Otto-Rehhagel-Manier mit 1:0 (1:0) und präsentierte sich beim Einzug ins Viertelfinale acht Jahre nach dem EM-Triumph unter ihrem deutschen Volkshelden mal wieder als Favoritenschreck. Nun sind die Griechen als Zweiter der Gruppe A hinter Tschechien potenzieller deutscher Gegner in der ersten K.o.-Runde. Die Russen fielen durch die erste Niederlage nach 16 Spielen auch durch den 1:0-Sieg der Tschechen im Parallelspiel gegen Co-Gastgeber Polen auf den dritten Platz zurück.

Ein Remis hätte der Elf von Dick Advocaat bereits sicher zum Viertelfinaleinzug gereicht. Schütze des goldenen Tores der Griechen war Kapitän Georgios Karagounis, der in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit nach einem schweren Abwehrpatzer der Russen traf - ausgerechnet in seinem 120. Länderspiel, das ihn zum Rekordnationalspieler seines Landes machte. 55.614 Zuschauer im nicht ganz gefüllten Warschauer Nationalstadion sahen eine ebenso tempo- wie abwechslungsreiche erste Halbzeit, in der die seit 16 Spielen ungeschlagenen Russen insgesamt mehr vom Spiel hatten. Griechenland zeigte in der von Stürmer Theofanis Gekas als "wichtigstes Spiel seit zwei Jahren" bezeichneten Begegnung eine kampfstarke Leistung, setzte mit Kontern immer wieder Nadelstiche und lieferte den Russen lange ein Duell auf Augenhöhe. Auch die erste gute Chance der Begegnung gehörte den Griechen, als Russlands Keeper Wjatscheslaw Malafejew in letzter Sekunde vor dem ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönig Theofanis Gekas rettete (6.). Anschließend hatten die technisch starken Russen ihre beste Phase und zogen ihr gefürchtetes Kombinationsspiel auf: Andrej Arschawin scheiterte am glänzend parierenden Ersatztorhüter Michalis Sifakis (10.), Alexander Kerschakow verfehlte mit einem Distanzschuss das Tor nur um wenige Zentimeter (13.).

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Nach dem furiosen Auftakt verflachte die Begegnung zunächst. Während die Griechen das hohe Tempo oft nicht mitgehen konnten, leisteten sich phasenweise aufreizend lässigen Russen im Mittelfeld zu viele Unachtsamkeiten. So auch in der 29. Minute, als Kerschakow im Strafraum lauerte, Kyriakos Papadopoulos von Schalke 04 jedoch zur Stelle war und klärte. In der 40. Minute verfehlte Roman Schirkow mit einem Schuss vom Strafraumeck das Tor der Griechen nur knapp. Nach der Pause wuchs die Spannung minütlich. Russland warf angesichts des drohenden Ausscheidens alles nach vorne, ermöglichte den Griechen aber auch gute Konterchancen. Knifflig wurde es in der 61. Minute, als der starke Karagounis im russischen Strafraum nach einer Berührung zu Fall kam und vehement Elfmeter forderte. Schiedsrichter Jonas Eriksson (Schweden) entschied auf Schwalbe und zeigte dem Kapitän Gelb. In der Schlussphase rollte ein Angriff nach dem anderen auf das Tor der Griechen, allerdings fehlte den Russen gegen die kompakte Abwehr der Griechen die rettende Idee. Fast wäre gar das 2:0 für Griechenland gefallen, als ein Freistoß des zuletzt von Eintracht Frankfurt nach Monaco ausgeliehenen Giorgos Tzavellas am Pfosten landete (70.). In den letzten Minuten rannte Russland verzweifelt auf das Tor von Sifakis an. Beste Spieler der Griechen waren der Schalker Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos, Georgios Samaras und Torschütze Karagounis. Bei den enttäuschenden Russen konnten allenfalls Roman Schirokow und Igor Denisow überzeugen.

Polen ist tief enttäuscht – Smuda tritt zurück

Polen ist verloren, Tschechien dagegen steht als möglicher Gegner der deutschen Nationalmannschaft im EM-Viertelfinale. In einem direkten Duell um den Einzug in die K.o.-Runde unterlag Co-Gastgeber Polen nach zuvor zwei Unentschieden dem EM-Finalisten von 1996 mit 0:1 (0:0) und ist damit als zweiter Ausrichter einer EM-Endrunde nach Österreich 2008 ohne Sieg bereits in der Vorrunde gescheitert. Nationaltrainer Franciszek Smuda legte umgehend sein Amt nieder. "Das ist zu einhundert Prozent das Ende meines Weges. Mein Vertrag läuft mit dem Ende der EM aus", sagte der langjährige Nationalspieler dem polnischen Fernsehsender TVP. Smuda (63) hatte den Posten am 29. Oktober 2009 vom Niederländer Leo Beenhakker übernommen.

Nach dem Abpfiff waren die Bialo-Czerwoni (Weiß-Roten) entsetzt und ausgelaugt zu Boden gesunken. "Wir hatten einige sehr schöne Momente bei dieser EM", sagte Jakub Blaszczykowski von Borussia Dortmund. "Leider ist es jetzt vorbei. Wir danken all unseren Fans." Die Tschechen beendeten durch den späten Treffer von Petr Jiracek vom VfL Wolfsburg (72.) die Gruppe A als Tabellenerster vor Griechenland. Sie treffen damit am Donnerstag in Warschau auf den Zweitplatzierten der deutschen Gruppe B - nicht zuletzt, weil Michal Kadlec von Bayer Leverkusen mit einer schier unglaublichen Rettungstat in der vierten Minute der Nachspielzeit die Chance von Blaszczykowski zum Ausgleich verhinderte, der für Polen wertlos, aber für den Gegner verheerend gewesen wäre. "Es ist unglaublich", sagte Tschechiens Weltklasse-Torhüter Petr Cech, "der Druck war riesengroß. Vor allem nach der Pause, da wussten wir, dass wir drei Punkte brauchen. Aber wir wurden besser und besser und haben den Sieg verdient." Dann äußerte er einen Wunsch für das Viertelfinale: "Es ist besser, den Deutschen aus dem Weg zu gehen." Da Griechenland zur Halbzeit gegen Russland führte, waren nach der Pause vor 41.480 Zuschauern in Breslau Polen und Tschechen zum Toreschießen verdammt - oder mussten auf russische Schützenhilfe hoffen. Der Druck schien jedoch beide Mannschaften zunächst zu lähmen.

Die Tschechen fühlten als Erste ihre Chance, suchten sie, bekamen sie - und dann stürzte Jiracek die Gastgeber in ein Tal der Tränen. Hatten die Polen Cechs Tor in den ersten 45 Minuten noch unter Dauerbeschuss genommen, kam danach nur noch wenig - zu wenig. Auch das Dortmunder Meistertrio Robert Lewandowski, Blaszczykowski und Lukasz Piszczek, in das der zweimalige WM-Dritte große Hoffnung gesetzt hatte, konnte nichts mehr ausrichten - es war sogar eine einzige Enttäuschung. Nachdem Robert Lewandowski, Jakub Blaszczykowski und Co. mit 35.000 euphorischen Landsleuten "Noch ist Polen nicht verloren" gesungen hatten, begann das Spiel mit einer Kracherchance für Tschechien. Vaclav Pilar, der künftige Wolfsburger, wurde von Theodor Gebre Selassie perfekt freigespielt, säbelte zehn Meter vor dem Tor aber am Ball vorbei. Hätte Pilar ihn vernünftig getroffen, Tyton wäre wohl geschlagen gewesen. Dann rissen die Polen das Spiel an sich, Tschechien bekam Probleme im Minutentakt. Blaszczykowski - Außennetz, Blaszczykowski - Cech, Lewandowski - Außennetz, Sebastian Boenisch - Cech. Die Tschechen kamen kaum zum Luftholen, doch das poröse Abwehrbollwerk überstand im Wolkenbruch einige weitere Szenen, die äußerst brenzlig waren. Die polnischen Fans schienen zu verzweifeln, nach dem griechischen Tor in Warschau schlugen sie entsetzt die Hände vors Gesicht.

Im Aufbau waren die Tschechen ohne den angeschlagenen Spielmacher Tomas Rosicky von allen guten Geistern verlassen. Daniel Kolar von Viktoria Pilsen war auf EM-Niveau überfordert, den Mitspielern fehlten Ordnung, Übersicht und vor allem Ruhe. Immerhin: Nach 25 Minuten ließ der Dauerdruck der Polen nach - Tschechien hatte nun ab und an zumindest längere Phasen von Ballbesitz. Nach der Pause war Polens Torhüter Przemyslaw Tyton das erste Mal richtig gefordert. Er reagierte glänzend, nachdem der tschechische Abwehrspieler Tomas Sivok freistehend aus drei Metern Entfernung auf das Tor geköpft hatte. Smuda war stinksauer, ruderte mit den Armen, doch es schien, als könne nur ein Geschenk des Himmels noch die Wende bringen. Die Wende kam nicht. Stattdessen Jiracek.

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Autor: sid