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13. August 2010 13:24 Uhr

Bonndorf

Tschernobyl-Kinder kommen an mit nichts

BONNDORF. Der Supergau von Tschernobyl beeinträchtigt das Leben der Menschen in der Region nach wie vor. Anna und Dzmitry haben das Glück, ihre Sommerferien bei Ulla und Maik Schropp sowie Karina und Thomas Meier in Bonndorf verbringen zu können.

  1. Drzmitry und Anna (auf der Schaukel) aus der radioaktiv belasteten Region Gomel verbringen unbeschwerte Ferien bei den Familien Schropp und Meier im Lerchenweg. Foto: Martha Weishaar

  2. Zahnärztin Gudrun Holm (zweite von rechts) und ihr Team untersuchten die Zähne der Kinder aus Belarus und behandelten sie kostenlos. Foto: Martha Weishaar

BONNDORF. Der Supergau von Tschernobyl ist zwar auch hierzulande noch in aller Munde, in Vergessenheit geraten jedoch die Menschen, deren Leben durch diesen Unfall erheblich beeinträchtigt ist.

Anna und Dzmitry haben mit weiteren 32 Kindern das Glück, wenigstens eine zeitlang aus den nach wie vor stark radioaktiv belasteten Gebieten der Region Gomel in Belarus rauszukommen. Sie verbringen seit dem 18. Juli ihre diesjährigen Sommerferien bei Ulla und Maik Schropp sowie Karina und Thomas Meier im Lerchenweg. Vor einigen Jahren wurden Ulla und Maik Schropp durch einen Zeitungsbericht auf die Situation der Kinder und den Verein "Zukunft für Ritschow" aufmerksam. Sofort fassten sie den Entschluss, hier zu helfen, und zwar nicht einfach mittels einer Spendenüberweisung, sondern mit persönlichem Einsatz.

Vor drei Jahren nahmen sie zum ersten Mal eines der betroffenen Kinder für die Zeit der Sommerferien auf, damals war Anna acht Jahre alt. Mittlerweile ist Anna bereits zum dritten Mal in Bonndorf, sie spricht sogar schon etwas deutsch. Ihre Ferien verbringt sie nun im Haus nebenan bei Karina und Thomas Meier, die in Anbetracht des Engagements der Schwester und des Schwagers ebenfalls beschlossen, tatkräftig mitzuwirken. Dadurch konnten Ulla und Maik Schropp nun den neunjährigen Dzmitry aufnehmen.

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Obwohl Ulla Schropp sich in den zurück liegenden drei Jahren den einen oder anderen Begriff auf russisch beibrachte, ist die Verständigung nicht einfach. Irgendwie klappt die "Kommunikation" dennoch. Für alle Gasteltern ist klar, dass die Kinder hier mit nichts ankommen. Dzmitry kam beispielsweise gerade mal mit Unterhosen und Socken bekleidet in Deutschland an. Die Gastgeber plündern dann die Schränke der eigenen Kinder oder nehmen die Kleiderkammer des DRK in Anspruch.

Großes Glück haben die Gäste, dass Zahnärztin Gudrun Holm kostenlos ihre Zähne untersucht und notwendige Behandlungen unentgeltlich durchführt. Bei Anna musste sie schon acht Plomben einsetzen und auch bei Dzmitrys Zähnen musste einiges in Ordnung gebracht werden. Die Zähne der Kinder aus Belarus sind in sehr schlechtem Zustand, wenn es notwendig ist, nimmt Gudrun Holm sogar Wurzelbehandlungen vor. Großzügig zeigte sich außerdem Berthold Meier, der Anna kostenlos eine Brille anpasste, auf die sie in der Heimat niemals eine Chance hätte. Natürlich haben die Kinder auch mal Heimweh, da gilt es dann besonders sensibel auf sie einzugehen. Nach einem Telefonat mit den Familien in der weißrussischen Heimat ist die Welt jedoch meist wieder in Ordnung.

Seit nun auch hierzulande Ferien sind, unternimmt man einiges mit den jungen Gästen. Doch auch ohne großes Programm fühlen sich die Gäste bei den Alterskollegen im Lerchenweg wohl. Anna versteht sich prima mit Miriam, Dzmitry mit Jo. Außerdem bietet der Verein aus Albbruck ein abwechslungsreiches Programm an. Der Abschied am heutigen Samstag dürfte allen nicht leicht fallen.

Nähere Informationen zu dem Projekt finden sich unter de" alt="" title="" target="_blank" class="ngLink">http://www.ritschow.de

Autor: Martha Weishaar