Auf einst blühenden Wiesen wachsen Bäume

Paul Berger

Von Paul Berger

Mo, 13. Februar 2017

Tunau

Bürgerversammlung in der knapp 200 Einwohner zählenden Gemeinde Tunau / Breitbandanschluss bis Ende 2018 / Wohin mit den drei zugewiesenen Flüchtlingen?.

TUNAU. Die Themenliste, die Bürgermeister Klaus Rümmele am Freitagabend in der gut besuchten Bürgerversammlung im Schützenstüble von Tunau präsentierte, war sehr umfangreich. Diskutiert wurde über die weitere Entwicklung der knapp 200 Einwohner zählenden Gemeinde. Dazu zählen die schwierige Suche nach möglichen Bauflächen im Dorf, aber auch die Offenhaltung der Landschaft und der Natur, die Breitbandversorgung (Internet) sowie der geplante Bau einer Feuerwehrgarage in Tunau.

Auch die Unterbringung von Flüchtlingen sowie Aktivitäten auf dem Gebiet des Tourismus und des Fremdenverkehrs im Belchenland standen zur Diskussion.



Breitbandanschluss: Während sich die Suche nach geeignetem Bauland derzeit als recht schwierig erweist, gibt es im Hinblick auf die geplante Breitbandversorgung einen Lichtblick: Wie Bürgermeister Rümmele ankündigte, sollen bis Ende 2018 die Leitungen von Schönau über Bischmatt bis Michelrütte verlegt sein. Sämtliche Häuser an dieser Trasse können dann angeschlossen werden. Um die kalkulierten Gebühren von rund 600 Euro pro Hausanschluss halten zu können, ist eine Eigenbeteiligung von 60 bis 80 Prozent erforderlich. Näheres zum Thema schnelles Internet soll 2018 in einer Veranstaltung vorgestellt werden.

Landschaftspflege:
Als ein ernstzunehmendes Problem in Tunau wird die Offenhaltung der Landschaft rund um das Dorf gesehen. Ein Grund dafür ist die ständig abnehmende Zahl der Landwirte. Über die Frage, wie die Natur auch in Zukunft erhalten werden kann, gab es längere und zum Teil auch heftige Diskussionen. Ein Hindernis, warum im ein oder anderen Fall auf diesem Gebiet zu wenig getan wird, sieht ein Diskussionsteilnehmer in den bestehenden Naturschutzbestimmungen. Denn auf Flächen, die als Biotope ausgewiesen sind, wage heute kaum jemand einen Baum zu fällen. Problematisch wird es vor allem dort, wo freie Flächen zu Wald werden. Die große Frage und damit auch ein wichtiges Thema für Tunau: Schafft man es – eventuell durch freiwillige Arbeitseinsätze – die betreffenden Flächen frei zu halten? Auf einst blühenden Wiesen wachsen heute Bäume heran.

Auch die Vergabe von Pflege- und Holzfällerarbeiten an Fremde wird von den anwesenden Bürgern nicht ohne Skepsis gesehen. "S gueti Holz haue si ab und nehme’s mit und d’Sauerei löhn sie liege" hieß es. Es gab Überlegungen, wie in dieser Sache Abhilfe geschaffen werden kann, etwa durch den koordinierten Einsatz von freiwilligen Helfern aus dem Dorf. Einiges getan hat sich in jüngster Zeit laut Bürgermeister Rümmele bei der Sanierung der Wanderwege sowie bei der Erneuerung von Ruhebänken und den Hinweisschildern für die Wanderrouten. Auf diesen Gebieten arbeitet die Gemeinde eng mit dem Schwarzwaldverein sowie der Tourismusvereinigung "Schwarzwaldregion Belchen" sowie den Langlauf-Loipen Notschrei und Hohtann-Belchen eng zusammen. Leider nehme das Angebot an Ferienwohnungen deutlich ab.



Flüchtlinge: Wie von Schönaus Hauptamtsleiter Dietmar Krumm zu hören war, ist die Gemeinde Tunau nach dem vorliegenden Verteilerschlüssel des Landratsamtes in Lörrach verpflichtet, in diesem Jahr drei Flüchtlinge aufzunehmen. Die Vermieter, so Krumm, erhalten von der Gemeinde die Garantie, dass die Miete bezahlt wird. Aus der Runde gab es auch Gegenargumente wie die fehlende Mobilität ohne öffentlichen Nahverkehr. Teilnehmer plädierten für eine gemeinsame Lösung sämtlicher Kommunen im Gemeindeverwaltungsverband. Im Raum blieb dennoch die Anregung von Dietmar Krumm: Wer Wohnraum zur Verfügung hat, möge dies der Gemeinde melden.