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16. August 2012 00:31 Uhr

Frauenrechte

Tunesien: Verfassungspläne lösen Proteste aus

Unter emanzipierten tunesischen Frauen geht die Angst um. Eineinhalb Jahre nach der Revolution bangen sie mehr denn je um ihre Rechte.

  1. Polizistinnen demonstrieren in Tunis für Frauenrechte. Foto: dapd

Die islamistische Regierungspartei Ennahda will in die neue Verfassung schreiben lassen, dass Frauen und Männer "sich ergänzen". Gleichstellung klingt anders, warnen Kritiker. Ihrer Meinung nach könnte die Formulierung als Grundlage für erhebliche Einschränkungen der Frauenrechte dienen – und das im einstigen arabischen Musterland für Emanzipation.

Doch der Widerstand gegen die zunehmende Islamisierung und ihre Folgen wächst. Anfang der Woche gingen in der Hauptstadt Tunis Tausende Menschen auf die Straße, um gegen den befürchteten Rechteverlust der Frauen zu demonstrieren. "Wir werden Zeuge, wie bereits Erreichtes wieder verloren geht", schimpft die Aktivistin Zakiya Dhifaoui unter Anspielung auf die Geschichte ihres Landes.
Trotz der Einschränkungen vieler Bürgerrechte galt Tunesien vor dem Sturz von Langzeitherrscher Zine el Abidine Ben Ali als eines der fortschrittlichsten Länder in der arabischen Welt. Kaum woanders haben Frauen so viele Rechte, offiziell gibt es weder Kleidungsvorschriften noch Einschränkungen bei der Berufswahl.

Die Autoren des kritisierten Verfassungsentwurfs sprechen angesichts der Proteste von ungerechtfertigter Panikmache. "Ennahda hat keinerlei Absicht, die Errungenschaften der Gleichberechtigung rückgängig zu machen", sagt Führungsmitglied Abdelhamid Jlassi. Das Thema werde von der Opposition künstlich hochgespielt und solle nur das Image der Partei beschädigen.

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Inzwischen sorgt sich allerdings selbst der Westen. "Eine Verfassungsformulierung, wonach Frauen und Männer einander lediglich ergänzen, statt gleichberechtigt zu sein, wäre ein schlimmer Rückschritt im weltweiten Kampf für die Gleichberechtigung", warnte etwa Bundesfamilienministerin Kristina Schröder am Dienstag in Berlin. Anders als ursprünglich geplant wird der endgültige Entwurf für Tunesiens neue Verfassung wohl nicht im Oktober, sondern erst im kommenden Frühjahr fertig sein. Dann soll es auch Neuwahlen geben. Vor allem liberale Tunesier würden sich nichts mehr wünschen als einen Regierungswechsel. "Ich lebe seit 60 Jahren nicht im Schatten eines Ehemannes, Bruders oder Vaters", sagte eine Lehrerin dem Radiosender RFI. Ihr Vater, ein Bauer, habe ihr sehr früh beigebracht, dass sie eine eigenständige Person sei. Das solle auch so bleiben.

Autor: Ansgar Haase, dpa


11 Kommentare

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Martin Mattmüller

Registriert seit: 13.02.2010

Kommentare: 2031

16. August 2012 - 09:09 Uhr

"... einstigen arabischen Musterland für Emanzipation."

"Trotz der Einschränkungen vieler Bürgerrechte galt Tunesien vor dem Sturz von Langzeitherrscher Zine el Abidine Ben Ali als eines der fortschrittlichsten Länder in der arabischen Welt. Kaum woanders haben Frauen so viele Rechte, offiziell gibt es weder Kleidungsvorschriften noch Einschränkungen bei der Berufswahl."

So ist es auch in Syrien noch, auch dort haben Frauen und übrigens auch Minderheiten wie Christen unter dem weltlichen Regime von Assad relativ viel Spielraum. Aber der Westen will Revolution und die sich für progressiv haltenden Kräfte ziehen im Tross mit den USA, Saudi Arabien, Katar, der Türkei usw. dagegen. Kann mir das jemand erkären?

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

16. August 2012 - 14:15 Uhr

Irgendwie war mir klar, dass ich hier einen der üblichen Kommentare von Ihnen finden werde.

Ich frage Sie zum wiederholten Male, ob der Islam für Sie so furchterregend ist, dass Sie lieber den Massenmörder Assad als Diktator in Syrien behalten wollen.

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Martin Mattmüller

Registriert seit: 13.02.2010

Kommentare: 2031

16. August 2012 - 14:44 Uhr

Gegenfrage, Herr Meierhofer: Finden Sie den Salafismusimport in Syrien durch Saudi Arabien und Katar so lieblich, dass Sie das moderne und weltliche Regime al-Assads weghaben wollen? Oder finden sie die Lage im Irak nach Saddam Hussein so lieblich, dass Sie in Syrien eine ähnliche Entwicklung riskieren wollten? Gewiss, Saddam, Assad und Ben Ali waren Diktatoren und nicht zimperlich. Aber was die Heilsbringer aus den USA dann im Irak bewirkten, stellt alles unter Hussein dagewesene und vorstellbare in den Schatten. Aber egal, Hauptsache Revolution, nicht wahr?

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

16. August 2012 - 15:02 Uhr

Ich finde es wirklich erstaunlich, wie Sie ein durch und durch korruptes und mörderisches Regime die was von Assad als "modern" und "weltlich" verniedlichen können.

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Martin Mattmüller

Registriert seit: 13.02.2010

Kommentare: 2031

16. August 2012 - 15:14 Uhr

Herr Meienhofer, haben Sie, als der Irak eingenommen werden sollte, der Politik und den Medien das Märchen von den Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins geglaubt? Ich vemute, ja. Ich weiß, dass Hussein zahlreiche Gegner auf dem Gewissen hatte. Aber mit der amerikanischen Invasion und in den Jahren danach kamen an die Opferzahl noch ein oder zwei Nullen daran.

Doch nun zurück zum Thema des Artikels: Was sagen Sie zur islamistischen Umgestaltung Tunesiens, gegen die die Frauen demonstrieren?

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Marc A. Willmann

Registriert seit: 04.07.2012

Kommentare: 262

16. August 2012 - 15:29 Uhr

@ Mattmüller

Herr Mattmüller, Sie haben, wenn man Ihren Kommentaren glauben darf, keine Ahnung wovon Sie eigentlich sprechen!

Wie oft waren Sie denn in Syrien und Ägypten, in Katar oder Saudi Arabien? Mit wievielen Menschen haben Sie Gespräche geführt?

Ich für meinen Teil war/bin beruflich in allen diesen Ländern unterwegs und ich kann Ihnen sagen, dass es keine Freude ist, in einem so moderaten und weltlichen Staat wie Syrien unter Assad ständig von mindestens 3 Geheimpolizisten (jedes mal in modischem Beige-Jacket aus dem Staatsladen) verfolgt zu werden.
Ebenso fand ich die Foltergefängnisse in der ägyptischen Wüste für wenig begrüßenswert.

Ich finde diese Denkweise, dass man Diktatoren, die ihr Volk eingeschüchtert haben und Systeme etabliert haben wo Menschen einfach so für immer verschwinden, hofiert, nur weil unter ihnen ein paar Christen (wahrscheinlich auch nur auf dem Papier) ein "besseres" Leben hatten (das sollte allerdings erst bewiesen werden) mehr als menschenverachtend!

Ich stimme mit Ihnen darin überein, dass es zur Zeit radikale Kräfte gibt, die versuchen in dieser Situation ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Aber würden Sie sich nur ein bisschen für dieser Länder interessieren wüssten Sie, dass 90% der Bevölkerung jedwede radikale Kraft ablehnt - die Menschen wollen in Ruhe und Frieden leben (ja, mit dem Islam - es ist nunmal so).
Ich kann als Ausländer auch die NPD in Mecklenburg-Vorpommern als Beispiel für den ausufernden Nationalsozialismus in Deutschland nehmen.

Schauen Sie mal hier, Ihnen machen solche Bilder sorgen:

http://www.epochtimes.de/thumb/topstory/2012-05-05-ProNRW_Salafisten_DI10112-20120505_new.jpg

Einem Menschen aus dem Ausland machen solche Bilder sorgen:

http://www.endstation-rechts.de/images/stories/bilder/veranstaltungen/demonstrationen/2008/20081003-npd-demo-stralsund/3.jpg

Ich will damit sagen, dass Fragmente niemals ein Gesamtbild zeigen können. Sie meinen, der ganze arabische Raum wird radikal islamisiert - Schwachsinn!

Tut mir leid, Herr Mattmüller, wenn ich Sie hier so angehe aber Sie haben keine Ahnung von der Situation vor Ort und schwadronieren in untragbar zynischer Manier über ein Thema, welches zu groß für Stammtischparolen ist.

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Roland Hellbardt

Registriert seit: 08.12.2010

Kommentare: 736

16. August 2012 - 15:30 Uhr

Herr Mattmüller, was es so unmöglich macht, mit Ihnen zu diskutieren ist (ähnlich wie bei Lauser/Hadad/Huber und co bei ihren jeweiligen 'Steckenpferden'), daß Sie verschiedene Themen nach Bedarf mischen, um im Endeffekt doch wieder auf reine Muslimenschelte 'rauszukommen.
Im vorliegenden Fall und den anderen erwähnten, gibt es meines Erachtens 3 Themen, die ggf. einander hervorbringen, aber doch separate Diskusssion und Bewertung erfordern:
- Weltreaktion auf Diktatoren, Unterdrücker und Menschenrechtsverletzer, solange sie im Amt sind
- Propagandistische Vorbereitungen für Einfälle in andere Länder
- Islamisierung, bzw. Vermischung von Religion und Staat, was eigentlich ALLE großen Religionen betrifft.

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Harald Meierhofer  

Harald Meierhofer

Registriert seit: 12.09.2011

Kommentare: 2115

16. August 2012 - 15:37 Uhr

@Mattmüllen: "Herr Meienhofer, haben Sie, als der Irak eingenommen werden sollte, der Politik und den Medien das Märchen von den Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins geglaubt? Ich vemute, ja."

Sie haben ja überhaupt keine Ahnung, wie weit Sie daneben liegen. Sie haben ja überhaupt keine Ahnung, mit wem Sie es bei mir zu tun haben.

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Martin Mattmüller

Registriert seit: 13.02.2010

Kommentare: 2031

16. August 2012 - 16:19 Uhr

Werte Herren,

um es kurz und zum x-ten Mal zu sagen: Ich halte Assad und sein Regime nicht für lobenswert, sondern für ein Übel, jedoch für das kleinere Übel im Vergleich zu dem, was möglicherweise kommt. Ich bin nicht dafür, Revolutionsroulette zu spielen.

Mit Besuchen in den von H. Willmann aufgezählten Ländern kann ich nicht aufwarten, war jedoch während der islamischen Revolution in Persien, die ebenfalls als linke und bürgerliche Bewegung gegen den Schah angefangen hatte. Und ich habe die Situation vor und nach Hussein im Irak genau verfolgt. Diese Erfahrungen lassen mich schaudern, wenn ich sehe, wie das Regime in Syrien mit Hilfe der reaktionärsten arabischen Staaten und der USA gestürzt werden soll.

Ich erinnere daran, dass auch der Schah, Saddam Hussein, Gaddafi und Assad Muslime waren bzw. sind, aber aufgeklärte. Ich ziehe deren - zugegeben miserable und despotische Herrschaft den fundamentalistischen Despotien vor.

Herr Willmann,

lassen Sie doch etwas von Ihren Erfahrungen und Gesprächen rüberwachsen anstatt zu polemisieren.

Herr Meierhofer,

(ich will mich nicht auf Ihr Niveau begeben und Ihren Namen verballhornen), Sie weichen meiner Frage aus. Haben Sie an Saddams "Massenvernichtungswaffen" geglaubt? Und was halten Sie (und die anderen Herren) von der im Artikel beschriebenen Entwicklung in Tunesien?

"Sie haben ja überhaupt keine Ahnung, mit wem Sie es bei mir zu tun haben."

Es ist Ihnen bisher halt nicht gelungen, zu zeigen, dass Sie mehr sind, als das, was Ihre Schriftsätze vermuten lassen.

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Marc A. Willmann

Registriert seit: 04.07.2012

Kommentare: 262

16. August 2012 - 16:27 Uhr

@ Mattmüller

Herr Mattmüller, Ihrer Ansicht nach haben wir also die Wahl zwischen Pest und Cholera? Ich sehe die Situation zwar kritisch und viele Facetten sind auch beunruhigend aber dennoch halte ich einen Vergleich zwischen Iran 1979 und der Situation jetzt für überspitzt.

Die Lage ist aber zu komplex, als das wir sie hier breit diskutieren könnten. Ich für meinen Teil sehe die Umwälzungen nicht so pessimistisch wie Sie - naja, vielleicht auch aus beruflichen Gründen...beim Thema Geld spielt weder Rasse noch Religion eine Rolle, dort tritt alles in den Hintergrund...an dieser Stelle sei auf verschiedene Geschäftsaktivitäten zwischen Israel und Iran verwiesen ;-)

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Johannes Schweizer  

Johannes Schweizer

Registriert seit: 14.05.2011

Kommentare: 120

16. August 2012 - 16:44 Uhr

Für die deutsche Innenpolitik kann die Entwicklung in Tunesien, Libyen, Ägypten etc. nur eine Folge haben. Wir werden in spätestens ein, zwei Jahren ganz genau wissen, wie wir mit den Sympathisanten (Salafisten, Mili Görus, etc.) der dortigen Regierungen umzugehen haben. Wir können deren Ziele und Vorstellungen anhand dieser Länder bestens verfolgen und müssen uns keinen Spekulationen hingegeben!

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