Ballalaika

Typologie der WM-Tipper

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Sa, 16. Juni 2018

Fußball-WM

Wie die WM Zusammenhalt und Kommunikation fördert /.

Na, auch noch kein WM-Spiel richtig getippt? Vier der 64 Partien sind schon gespielt, höchste Zeit also, einmal die Charaktere der Menschen unter die Lupe zu nehmen, die nun tagein, tagaus nichts Besseres zu tun haben, als auf die prognostizierten Ausgänge der Spiele zu schielen. Wer ist der Beste? Wer der Schlechteste? Hat der Beste wirklich die größte Ahnung? Und ist der Schlechteste ein Fußball-Atheist? Hier eine kleine Typologie der typischen Tipp-Typen in Betrieben:

Der Chef: Er sitzt manchmal auf dem hohen Ross, und fast immer eine Etage über den Bediensteten. Hat bis zwei Tage vor WM-Beginn die Hosen voll, wenn’s ums Tippen geht. Aber weil er im Betrieb die Hosen an hat, entscheidet er sich im letzten Moment, doch mitzumachen. Denn kaum etwas fürchtet er mehr, als bei der Belegschaft ins Abseits zu geraten. Immer wieder schwankt er zwischen Angeberei ("Ich weiß, wie es ausgeht") und Ahnungslosigkeit ("Wie, der Neuer ist jetzt doch dabei?"). Grundsätzlich weiß er alles besser. Also lässt man ihn am besten im Glauben, beim Tippspiel noch eine Chance auf den betriebsinternen Jackpot zu haben.



Die Chefsekretärin:
Schon immer eine gute Seele gewesen. Tröstet jeden, wenn’s weh tut. Auch bei den gravierendsten Tipp-Fehlleistungen ("Sie sind noch jung, die WM ist noch jung"). Ihre eigenen und sehr beachtlichen Tipp-Erfolge bezeichnet sie wahlweise mit den Begriffen: Glückssache oder weibliche Intuition.

Der gemeine Mitarbeiter: Ist stets Initiator und Treiber von Tipp-Spielen bei Weltmeisterschaften. Sich intensiv mit Fußball zu beschäftigen, das ist nicht unter seiner Würde. Und da das Vorhersagen von Ergebnissen irgendwie auch etwas mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Prognosen zu tun hat, heucheln während der WM beim Mittagessen in der Kantine sogar Betriebswirte Respekt ("Sie kennen sich mit Zahlen aber gut aus"). In der Regel gewinnt ein gemeiner Mitarbeiter das Tipp-Spiel und begründet das – mit dem gesunden Menschenverstand.



Der Azubi: Fuchtelt in den Pausen und beim Essen ständig mit dem Smartphone herum. Ist aber auch in der Lage, ein Tipp-Spiel so zu programmieren, dass ein technischer Neandertaler problemlos und ohne fremde Hilfe mitmachen kann. Das führt zu vermehrter Kommunikation ("Wie geht’s?") und verhindert die völlige Vereinsamung des Azubis, der Tipp-technisch meist auf dem Abstiegsplatz steht.